„Las Teresitas-Fall“ ist weiter ein heißes Eisen


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Nach Aufhebung des Ermittlungsgeheimnisses verhärtet sich der Verdacht, dass es bei dem Fall nicht mit rechten Dingen zuging

Der sogenannte „Teresitas-Fall“ zieht immer größere Kreise. Nachdem Ende Januar María Farnés Martínez, Antikorruptionsstaatsanwältin von Santa Cruz de Tenerife, das Ermittlungsgeheimnis in dieser Angelegenheit aufhob, wurden zahlreiche weitere Details bekannt, die den Verdacht noch erhärten, dass es bei dem Verkauf der elf Grundstücke direkt hinter dem Las Teresitas-Strand im September 2001 nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann.

Alle Details aus dem 15.000 Seiten starken Dokument zu durchblicken, ist selbst für Betroffene oder Rechtsexperten inzwischen eine schier nicht zu überwältigende Aufgabe. Dennoch wird selbst bei oberflächlicher Beschäftigung mit dem Fall selbst für Laien immer offensichtlicher, dass sich hier der eine oder andere Geschäftsmann auf unlauterem Weg bereichert und zu allem Überfluss dabei auch Bürgermeister Miguel Zerolo seine Finger im Spiel gehabt haben muss.

So hat das Sachverständigengutachten, das im Auftrag von Teneriffas Antikorruptionsstaatsanwaltschaft erstellt wurde, beispielsweise eindeutig ergeben, dass der Preis in Höhe von 53 Millionen Euro, den Santa Cruz für den Kauf der Grundstücke von dem eigens gegründten Unternehmen Inversiones Las Teresitas S.L. bezahlt hatte, um mindestens 37 Millionen Euro zu hoch war.

Weiter wurde festgestellt, dass bei der Bewertung, auf die sich die Stadt für die Festlegung des Preises berufen hatte, viele ganz offensichtliche Details außer Acht gelassen wurden. Hätte man diese bei der Berechnung mit einbezogen, wäre der Wert der Grundstücke wesentlich niedriger angesetzt worden. Unter anderem habe das dazu geführt, dass die Stadtverwaltung „wissentlich“ Grundstücke für einen völlig überhöhten Preis kaufte, die zu 50% ohnehin schon auf öffentlichem Gelände lagen.

Bürgermeister Miguel Zerolo soll aus dem Hintergrund dafür gesorgt haben, dass sich die Firma Inversiones Las Teresitas durch geschickte Schach­züge und Spekulation im Hinblick auf die Grundstücke einen Zugewinn von 120 Millionen Euro gesichert haben könnte.

So führte Staatsanwältin María Farnés Martínez bereits  in ihrer Klageschrift unter anderem aus, dass die Unternehmer Antonio Plasencia und Ignacio González, heute Vorsitzender der Handelskammer, unter dem Schutzmantel des eigens dafür gegründeten Unternehmens Inversiones Las Teresitas für 30 Millionen Euro Grundstücke hinter dem Teresitas-Strand gekauft haben, und zwar wenige Tage bevor der Oberste Gerichtshof den Eigentümern das Baurecht zusprach.

Placencia und González verkauften daraufhin ein Drittel der Grundstücke an die Stadtverwaltung von Santa Cruz de Tenerife für 53 Millionen Euro. Vorher hatte diese die erheblich günstigeren Angebote der damaligen Grundstücksbesitzer, wiederholt und aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnt.

Doch damit nicht genug, die Stadtverwaltung ordnete au­ßerdem eine Neuklassifizierung der verbleibenden zwei Drittel des Geländes in Bauland an, so dass der Wert auf 120 Millionen Euro anstieg.

Was nun aus dem groß angekündigten und lange geplanten Umgestaltungsprojekt des Las Teresitas-Strandes wird, ist ungewiss. Vorerst gilt in jedem Fall weiterhin der vorsorglich angeordnete Baustopp.

Stadtvater Miguel Zerolo, einer der Hauptverdächtigen in dem Fall, weigert sich derweil, über „Angelegenheiten zu debattieren, die sich in den Händen der Justiz befinden“.

Der Fall im Überblick

Am 19. Juni 1998 kaufte die zu dem Zeitpunkt noch in ihrer Gründung befindliche Firma Inversiones Las Teresitas S.L. von der Junta de Compensación, einer Art Entwicklungsgemeinschaft der Grundstückseigentümer, für 30 Millionen Euro die Grundstücke direkt hinter dem Las Teresitas-Strand sowie weitere im Valle de las Huertas. Das Geld dafür erhielt sie dankt eines als äußerst umstritten angesehenen und im Eilverfahren gewährten Kredits von der CajaCanarias. Miguel Zerolo war damals Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der kanarischen Sparkasse.

2001 kaufte die Stadtverwaltung ein Drittel dieser Grundstücke für 53 Millionen Euro. Die übrigen Grundstücke blieben vorerst im Besitz der Gesellschaft. Erst nach einer begünstigenden Umklassifizierung verkaufte Inversiones Las Teresitas 90% davon für sage und schreibe 96 Millionen Euro.

Die letzten 10% der Grundstücke wurden schließlich für weitere 10 Millionen Euro verkauft. Insgesamt konnten über 120 Millionen Euro Gewinn nach einer Investition von 30 Millionen erzielt werden.




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