La Orotava kündigt Privatuniversität für 2013 an


© Moises Pérez

Universität La Laguna fürchtet sinkende Studentenzahlen

Als „wirtschaftsrettende Maßnahme“ bezeichnet La Orotavas Bürgermeister Isaac Valencia das Projekt der Pri­vat­­universität für die Gemeinde. 35 Millionen soll der Bau kos­ten, dessen Projekt schon vorliegt und das gänzlich durch Privatkapital finanziert werden soll.

Im Gegenzug dazu rechnet Valencia mit über 3.000 Studenten und 500 Professoren, die Wohnungen brauchen und ihren täglichen Lebensbedarf decken müssen. „Mit der Universität wird es für uns aufwärts gehen“, verspricht er den ansässigen Geschäftsleuten deshalb.

2013 schon soll die Universidad Europea de Madrid (UEM) ihre Pforten öffnen. Acht Fakultäten sind geplant, die allerdings nur mit dem Bachelor abschließen werden. Master-Studiengänge sind bisher nicht vorgesehen. Der Schwerpunkt soll auf „praxis­orientierten Studiengängen mit deutlicher sprachlicher Ausrichtung“ liegen, so wie sie „in den heutigen Gesellschaftsstrukturen erforderlich sind“.

Aus dem kanarischen Kultusministerium verlautet zwar, man habe noch keinen „offiziellen Antrag“ für das Projekt vorliegen, doch die Stadt versichert, dass die Antragstellung unmittelbar bevorstehe. Francisco Linares, Stadtrat für Kultur in La Orotava: „Der Antrag ist lediglich aufgrund verwaltungstechnischer Verzögerungen noch nicht eingereicht.“

Universität La Laguna gegen das Projekt

Die Universität von La Laguna (ULL) trommelt zum Kampf gegen die Privatuniversität. Zwar bislang nicht offen, doch die Summe der Argumente, die gegen das Projekt aufgelistet werden, ist ein überdeutlicher Hinweis. Nach der „persönlichen Ansicht“ von ULL-Rektor Eduardo Doménech ist die Privatuniversität von La Orotava „vollkommen überflüssig“.

So wird moniert, dass die UEM zweifellos Studenten von der ULL abziehen wird, was sich in einer Reduzierung der öffentlichen Gelder für die Universität niederschlagen würde. Zwar sei gesetzlich verankert, dass in jeder spanischen Region Privatuniversitäten eröffnet werden, doch sei es die Pflicht der Regierungsinstitutionen, dafür zu sorgen, dass fundierte öffentliche Bildungs­institutionen ihren Lehrauftrag auf dem gewohnten Niveau erfüllen können. Des Pudels Kern ist das Finanzierungs­system der kanarischen Regierung für ihre Universitäten, das direkt an die Zahl der eingeschriebenen Studenten gebunden ist.

Immerhin gebe es schon zwei Universitäten auf den Kanaren – eine auf Teneriffa, die andere auf Gran Canaria –, und die Einrichtung einer dritten Universität werde weitreichende Konsequenzen für beide Hochschulen nach sich ziehen, aufgrund der Nähe speziell für die Universität La Laguna. So wird die Regierung aufgefordert, diese geplante Neustrukturierung im kanarischen Bildungswesen genau auf ihre möglicherweise schädlichen Folgen für das öffentliche Bildungssystem zu prüfen und „eine verantwortungsbewusste Entscheidung“ zu treffen.

Die ULL selbst habe in den vergangenen Jahren viel Energie in die Aufgabe gesteckt, den aufgrund „soziodemographischer Umstände“ sinkenden Studentenzahlen entgegenzuwirken, was in diesem Studienjahr erstmals wieder steigende Einschreibungszahlen gebracht habe, die zweifellos wieder fallen werden, wenn eine dritte Universität ins Spiel kommt.

Ganz offensichtlich will Isaac Valencia den Uni-Rektor von La Laguna nicht verstehen, wenn er sagt: „Tatsache ist, dass unsere Universität die Universität La Laguna in keiner Weise schädigen wird, da sie zu 100 Prozent mit Privatkapital finanziert wird. Wir beantragen überhaupt keine öffentlichen Gelder dafür.“ Und doch hat er den Kern des Problems, nämlich vermutlich sinkende Studentenzahlen in La Laguna, erfasst, wenn er gleich noch als Trostpflaster hinterherschiebt, dass „auch viele Studenten aus dem Ausland kommen werden“.

In jedem Fall, so stellt der Generaldirektor für das Hochschulwesen, Juan José Martínez, klar, dass das UEM-Projekt sämtliche Vorschriften erfüllen und dem Universitätsrat der Kanaren vorgelegt werden müsse und das schlussendlich die kanarische Regierung „das letzte Wort“ habe.

La Orotava schießt zurück

Kultur-Stadtrat Linares weist die Meinungsmache der ULL streng zurück. Man sei dort auf dem falschen Weg, wenn man die Einrichtung der Privatuniversität in La Orotava bekämpfen wolle: „Wir werden unter keinen Umständen zulassen, dass uns unser Recht streitig gemacht wird, La Orotava zu einer Universitätsstadt zu machen.“

Und Bürgermeister Valencia, selbst Ex-Dozent der Universität La Laguna: „Die Universität wäre gut beraten, wenn sie zunächst einmal daran arbeiten würde, ihre eigenen Unzulänglichkeiten auszumerzen. Da gibt es mehr als genug.“




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