Kunst aus Blüten und Sand


© Ayto La Orotava

Die Lavasand- und Blumenteppiche in La Orotava können am 11. Juni besichtigt werden

Am 11. Juni wird in La Orotava Fronleichnam gefeiert. Anlässlich dieser religiösen Festlichkeiten werden in den Straßen Bilder aus Lavasand und Blüten angefertigt, wofür die Stadt weltberühmt ist. Die vergänglichen Kunstwerke sind nur einen Tag in ihrer vollen Pracht zu bewundern. Fast nahtlos geht der religiöse Teil des Festes in das folkloristische Erntedankfest über. Höhepunkt ist der Trachtenumzug, einer der berühmtesten des Archipels.

Im Sommer ist auf den Kanaren „Fiesta“-Zeit. Allerorts finden Erntedank­feste statt, die von Tradition und Folklore geprägt sind. In präch­­tigen Umzügen, mit ihren typischen farbenfrohen Trachten bekleidet, feiern die Canarios ihre Romerías mit Tanz und Gesang. Folklore und Tradition stehen dabei im Mittelpunkt.

In La Orotava findet das Fronleichnamsfest stets eine Woche später statt und geht dann gleich in das Erntedankfest mit der großen Romería über, die eine jahrhundertealte Tradition hat und einer der berühmtesten Trachtenumzüge auf dem Archipel ist. Zu Gitarrenmusik ziehen die „Romeros“ zu Fuß oder auf Festwagen, die von Ochsen gezogen werden, durch die Straßen.

Für die feierliche Fronleichnams-Prozession am 11. Juni werden die Straßen der Altstadt mit kunstvollen Straßenbildern aus Blüten und Sand geschmückt. Weltweit berühmt ist das riesige Lavasandbild (880 Quadratmeter), das alljährlich von den lokalen Künstlern auf dem Rathausplatz angefertigt wird und religiöse Motive zeigt.

Wochenlang arbeiten die „Alfombristas“ an diesem vergänglichen Kunstwerk aus fast zwei Tonnen Lavasand aus den Cañadas in verschiedenen Farbnuancen. 

Programm

6. Juni, 10.30-13.30 Uhr: Workshops und Unterhaltung für Kinder auf der Plaza de la Constitución. 21.00 Uhr: Wahl der Trachtenkönigin „Romera Mayor“ im Liceo Taoro. 21.30 Uhr: „Baile del Candil «Támbara»“ im Parque Cultural Doña Chana mit Folkloregruppen aus Adeje, La Laguna, La Orotava sowie von Gran Canaria und Lanzarote.

7. Juni, ab 9.00 Uhr: Oldtimer-Ausstellung entlang den Straßen San Agustín, Carrera und Calvario. 12.00 Uhr: Musical „Schneewittchen“ im Auditorio Teobaldo Power. 12.00-14.00 Uhr: Treffen der „Fanfarrias“ – Bläserensemble, auf der Plaza de la Constitución.

7. Juni ab früh morgens: Herstellung von Blumenteppichen in den Straßen vor der Kirche San Juan Bautista. Nach der Eucharistie um 19.00 Uhr geht die Prozession dann über die Kunstwerke hinweg.

8. Juni, 21.30 Uhr: Konzert der Folkloregruppe „Los Sabandeños“ auf der Plaza Franchy Alfaro.

10. Juni, 19.00-24.00 Uhr: Präsentation des Weinjahrgangs 2014 des Anbaugebiets La Orotava auf der Plaza V. Centenario.

11. Juni, ab frühmorgens Besichtigung  des großen Lavasandteppichs auf dem Rathausplatz (den besten Blick hat man vom Rathausbalkon aus). Mit der Anfertigung der Blumenteppiche in den Straßen wird nach der Eucharistie (7.15 Uhr) begonnen. Am frühen Nachmittag können die fertigen Kunstwerke in all ihrer Pracht besichtigt werden. 18.30 Uhr: Eucharistie in der Hauptkirche La Concepción und im Anschluss Prozession über die Blumen- und Sandbilder hinweg.

12. Juni, ab 21.00 Uhr: Trachtentanzfest „Baile de Magos“ mit Folkloremusik und Tanz bis spät in die Nacht hinein (kanarische Tracht ist Pflicht). 

13. Juni, 12.00 Uhr: Vieh­ausstellung und -segnung auf dem Messegelände bei Las Dehesas. Gegen 21.00 Uhr: Konzert von „Son 21“ auf dem Rathausplatz.

14. Juni, ab ca. 13.00 Uhr:  großer Trachtenumzug „Romería“ mit geschmückten Viehwagen, Foklore, Tanz und Musik durch die Straßen der Stadt. 

Die Tradition der Blütenteppiche:

Ein „Import“ aus Italien

Vor rund 168 Jahren führte Leonor del Castillo y Betancourt diesen Brauch auf Teneriffa ein, nachdem sie von Familienangehörigen ein Buch mit Bildern von Blumenteppichen in der Nähe von Neapel bekommen hatte und begeis­tert von dieser Kunst war. Leonor del Castillo y Betancourt fertigte 1847 selbst den ersten Blumenteppich vor ihrem Haus in der Calle del Colegio, über die die Fronleichnamsprozession zog, an. Es war ein bescheidener Teppich aus Rosen- und Geranienblüten. Im Laufe der nächsten Jahre begann sich diese Tradition zu Fronleichnam zu festigen, die Motive wurden immer kunstvoller, die Vielfalt der Blüten und Farben immer größer. Die Kunst von Leonor del Castillo wurde von anderen Damen der Stadt übernommen, und bald war der gesamte Prozessionsweg von Blumenteppichen bedeckt. Der erste Blumenteppich auf dem Rathausplatz wurde 1905 als Hommage an die Spanische Marine angefertigt. In der Mitte prangte das Wappen von La Orotava und die Widmung „für unsere Kriegsmarine“. Das Motiv wurde durch zwei Anker, Ruder, Rettungsringe und die Namen der Schiffe Pelayo und Carlos V. vervollständigt. 

Im Jahr darauf wurde anlässlich des Besuchs von König Alfonso XIII. in La Orotava der Rathausplatz wieder mit einem Blumenteppich geschmückt. Erst viel später wurden andere Elemente aus der Natur wie Steine, Hülsenfrüchte, Bambus etc. in dem Motiv auf dem Rathausplatz verarbeitet. In den 40er-Jahren fanden die großen Veränderungen statt, und es wurde für die Anfertigung des Bildes ausschließlich Sand aus den Cañadas benutzt. 

Die „Fiestas del Corpus Christi“ in La Orotava sind heute weit über die Inselgrenzen hinaus bekannt, und die traditionelle Romería de San Isidro, das prachtvolle Trachtenfest, wurde 1980 zur „Festlichkeit von national-touristischem Interesse“ erklärt. Der große Lavasandteppich auf dem Rathausplatz wird jedes Jahr von den berühmten „Alfombristas“ der Stadt ausschließlich unter Verwendung von vulkanischem Sand aus den Cañadas in den verschiedensten Farbschattierungen angefertigt.




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