Kos und Knidos


Ein Beitrag von Marie-Luise Schicht

Nicht nur in der Kunst, der Musik und der Religion, sondern auch in der Medizin findet man immer wieder verschiedene Trends. Ein Beispiel dafür waren im Altertum die medizinischen Schulen in Griechenland.

Auf der Insel Kos dozierte und arbeitete Hippokrates, der „Vater der Medizin“ , der nicht nur die Krankheitssymptome, sondern den ganzen Menschen behandelte,  indem er die natürlichen Abwehrreaktionen des Organismus mit behutsamer Hand unterstützte.

Die Ärzte auf der Halbinsel Knidos befürworteten hingegen gerade die Unterdrückung dieser natürlichen Heilreaktionen des Organismus, welche wir heute als Krankheitssymptome bezeichnen.

Immer wieder in der Geschichte der Medizin und durch alle Wechsel der Schulsysteme hindurch, findet man solche radikal entgegengesetzten Meinungen, wobei die Diagnose, als auch die Art der Krankheitsbehandlung total verschieden sind. Beide Wege führen bei einer gekonnten Behandlung zum gleichen Ziel, nämlich zum Verschwinden der Symptome (Fieber, Schmerz, Entzündung). Der Unterschied liegt darin, dass bei der symptomatischen, örtlichen Behandlungsweise der knidischen Schule, diese Krankheitssymptome meist schneller verschwinden; und gerade das ist das Verführerische daran.

Jeder Patient möchte so schnell wie möglich geheilt werden und jeder Arzt strebt nach Anerkennung. Er braucht sich bei der symptomatischen Behandlung nur auf den Ort der Krankheit (auf das Symptom), dort wo der Schmerz oder die Entzündung ist, zu konzentrieren.

Im 18ten Jahrhundert  bis etwa die Mitte des 19ten Jahrhunderts erlebte die Medizin auf Basis der Naturheilmethoden und der Erfahrungsmedizin, eine Zeit ungeahnter Erfolge. Diese entwickelten sich jedoch innerhalb weniger Jahre, unter Einfluss des französischen Chemikers und Bakteriologen Louis Pasteur, in eine völlig entgegengesetzte Richtung.

Plötzlich war die Medizin keine heilende Kunst mehr. Sie wurde zu einem chemisch-technischen Beruf, welcher mit Hilfe einer auf Tötung von Erregern spezialisierten Industrie, besonders nach dem ersten Weltkrieg, sehr große Erfolge hatte. Genau wie damals in Zeiten der knidische Schule wurde man an den Universitäten, neben der Vernichtung von Mikroben, auch auf die Unterdrückung von Symptomen spezialisiert. Für die meisten Ärzte, sowie für ihre Patienten, die so bald wie möglich ihre Symptome los werden wollten, war diese neue Richtung der Medizin sehr befriedigend.

Erreger sind jedoch keine tote Materie, sondern ein Teil des Lebens, welches  sich nicht so einfach vernichten lässt. Immer mehr Erreger sind gegen Antibiotika und anderen  starken Medikamenten resistent geworden. Um diese Erreger zu töten braucht man immer stärkere Medikamente. Das diese auch immer gefährlichere Nebenwirkungen haben versteht sich von selbst. Die Resistenz der Erreger wird immer größer und bald wird die Zeit kommen, in der diese Medikamente nichts mehr nützen. Dann muss die Medizin wieder dort anfangen, wo sie vor etwa hundert-fünfzig Jahren stecken geblieben ist. Schon seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts gibt es, auch seitens vieler Schulmediziner, ein immer größeres Interesse für die damals sehr erfolgreiche sog. „Erfahrungsmedizin“. Die Zahl der Ärzte, welche neben ihrer universitären Ausbildung, auch Kurse für Akupunktur, Homöopathie und viele andere sog. Außenseitermethoden belegen, wächst ständig.

Nicht nur die Patienten verlangen diese Kenntnisse von ihrem Arzt, auch die Ärzte selber brauchen, wenn sie ihren Patienten tatsächlich helfen wollen, eine viel breitere Therapiepalette. Wer seine Krankheitssymptome so bald wie möglich los werden möchte oder wem das notwendige Kleingeld und die Zeit für die naturheilkundige Behandlung fehlt, lässt sich beim Schulmediziner mit symptomatisch wirkenden Medikamenten behandeln. Unsere heutige Schulmedizin ist und bleibt eine hervorragende Notfallmedizin und ich würde niemandem raten wegen Hals-und Beinbruch zum Naturarzt zu gehen; aber für die Behandlung von normalen und chronischen Erkrankungen ist die Naturheilkunde, ohne das Risiko schwerer Nebenwirkungen, der beste und sicherste Weg.  

Wir haben das Glück auf den Kanaren zu leben. Auch viele Ärzte, die sich in der deutschen medizinischen Bürokratie beengt fühlen oder durch viele andere  Zwänge behindert sehen, sind auf diese Inseln gezogen und bieten ihren Patienten nicht nur ein ausgezeichnetes Fachwissen, aber auch die Auswahl aus einer ganze Palette von sowohl schulmedizinischen (knidische)Therapien, als auch Therapien von Hypokrates, sowie vielerlei Heilweisen der Naturheilkunde an.    

Mit ihrer Hilfe und dem gesunden Klima der Kanaren kann man, wenn man sich auch noch die Mühe gibt so gesund wie möglich zu leben, viele Gesundheitsprobleme vorbeugen, sodass man auch im Alter das Leben noch genießen kann. 

Marie-Luise Schicht N.D. (Ärztin für Naturheilkunde), geb. 15-01-1928 in Amsterdam, lebt seit zwölf Jahren auf Teneriffa. Sie ist Autorin mehrerer Bücher (Englisch und Deutsch), u.a.: „Millionen können geheilt werden“ (4. Auflage über 10.000)

Zeitschriftenartikel u.a. in: Raum und Zeit, Bio und Bio-Spezial, Gesundheitsnachrichten von Dr. Vogel




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