Korruptionsverdacht gegen Miguel Zerolo erhärtet sich


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Die Madrider Antikorruptionsstaatsanwaltschaft könnte jederzeit Anklage gegen den Bürgermeister von Santa Cruz de Tenerife erheben

Auch wenn die kanarische Koalition (CC) auf Teneriffa nichts unversucht lässt, um die Korruptionsvorwürfe gegen den Bürgermeister von Santa Cruz de Tenerife, Miguel Zerolo, als „unlautere Vorwahlkampagne“ der Sozialisten abzutun, und dieser selbst wiederholt in den Medien seine Unschuld beteuerte, deutet alles darauf hin, dass sich die Schlinge der Justiz um den langjährigen Stadtvater immer weiter zuzieht.

Nach jüngsten Angaben hat sich die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft nun schon bei der kanarischen Regierung erkundigt, ob Zerolo Abgeordneter des Regionalparlaments ist. Da dies zutrifft, unterliegt er der Sondergerichtsbarkeit. Justizexperten werten es als letzten Schritt vor der Anklageerhebung vor dem Obersten kanarischen Gerichtshof, die praktisch jeden Tag erfolgen könnte.

Die Ermittlungen der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft gegen Zerolo laufen besonders im so genannten Las Teresitas-Fall bereits seit 17 Monaten. Hauptsächlich geht es dabei um 120 Millionen Euro ungerechtfertigten Zugewinns beim Verkauf mehrerer Grundstücke hinter dem Las Teresitas-Strand, den die Gesellschaft Inversiones Las Teresitas dank der begünstigenden Schachzüge des Stadtvaters erzielen konnte.

Bereits beim Kauf besagter Grundstücke hatte Zerolo seine Finger im Spiel gehabt, da er Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der Sparkasse war, die Inversiones Las Teresitas einen Kredit gewährte, obwohl dieser als „äußerst riskant“ eingestuft worden war. Mit dem Kredit von 30 Millionen Euro kaufte die Gesellschaft 1998 besagte Grundstücke. Im Jahr 2001 wurde ein Drittel davon für 53 Millionen Euro ausgerechnet an die Stadtverwaltung von Santa Cruz de Tenerife verkauft, was wieder durch das Schalten und Walten des Bürgermeisters möglich geworden war. Die Stadtverwaltung zahlte dabei  23 Millionen Euro mehr für ein Drittel der Grundstücke, als alle zusammen drei Jahre zuvor gekostet hatten.

120 Millionen Euro ungerechtfertigten Gewinns

Die übrigen Grundstücke blieben vorerst im Besitz der Gesellschaft. Erst nach einer begünstigenden Umklassifizierung verkaufte Inversiones Las Teresitas 90% davon für sage und schreibe 96 Millionen Euro.

Die letzten 10% der Grundstücke wurden schließlich für weitere 10 Millionen Euro verkauft. Insgesamt konnten über 120 Millionen Euro Gewinn nach einer Investition von 30 Millionen erzielt werden.

Eine Bürgervereinigung der Insel hatte durch ihre Anzeige damals die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft dazu bewegt, die Rolle, die der Stadtvater von Santa Cruz de Tenerife in dieser Angelegenheit gespielt hatte, genauer zu untersuchen.




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