Königinnengala in Santa Cruz verpfuscht


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Die Stadtväter denken über eine Schadensersatzklage nach. Amargo soll mit seiner „jämmerlichen Show“ das Karnevalimage Teneriffas angekratzt haben

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Bürgermeister Miguel Zerolo gestand noch am selben Abend der Presse: „Wir haben uns geirrt. Rafael Amargo hat den Grundgedanken unseres Karnevals nicht verstanden“.

Der von der Stadt Santa Cruz mit der Regie der berühmten Gala zur Wahl der Karnevalskönigin beauftragte Flamencotänzer und Choreograph inszenierte am Valentinstag eine Show, die nur entfernt an den berühmten Karneval erinnerte. Kaum Karnevalsgruppen, dafür eine Menge B-Prominente vom spanischen Festland, die kein Tinerfeño sehen und hören wollte. Das ließ das Publikum durch Buhrufe und Pfiffe lautstark wissen. Gipfel der Geschmacklosigkeit war der peinliche Auftritt der Ex-Stierkämpferfrau und B-Promi Belén Estéban als Madonna-Verschnitt. Aber nicht nur die Estéban war hier fehl am Platz. Verschiedene andere mittelmäßig TV-bekannte Promis erschienen auf der Bildfläche und moderierten eine Gala ohne Glanz. Die konnte auch der Auftritt der beliebten Rockgruppe „Dover“ nicht retten, die sich dennoch darum bemühte, das Publikum zu animieren. Das jedoch vermisste die traditionellen Karnevalsgruppen, die kritischen Murgas, die toll kostümierten Tanzgruppen auf der Bühne.  Kurzum, die karnevalistische Stimmung fehlte.

Als schließlich die Veteranen-Murga „Ni fú – ni fa“ erschien, gab es zu ersten Mal wirklich Beifall. Beklatscht wurden natürlich auch die wahren Heldinnen des Abends, die 18 Kandidatinnen, die sich um die Krone des Karnevals bewarben. Aufwändigste Kleider, Konstruktionen auf Rollen, in denen die jungen Frauen sich immerhin noch ziemlich grazil bewegen konnten, Federn, Pailletten, Glitzer und turmhoher Kopfschmuck waren auch dieses Jahr wieder zu bewundern.

Beifall gab es auch für die Gewinnermurga „Diablos locos“, die sich im letzten Augenblick dazu entschied, die Gala Amargos zu boykottieren  und nicht aufzutreten. 

Zur neuen Herrscherin über den Karenval wurde am Ende des Abends Elizabeth García García gewählt. Sie trug ein von Leo Martínez entworfenes Fantasiekostüm mit dem Titel „Miss Dior“ und wurde vom Verlag Leoncio Rodríguez  (El Día) gesponsert.

Die Schönheit der neuen Königin und der unmittelbar bevorstehende Beginn des Strassenkarnevals, der ja nun doch stattfinden darf, trösteten etwas über die Enttäuschung einer missglückten Gala hinweg.

Schadensersatzklage und einbehaltenes Resthonorar

Während der Karneval die Innenstadt von Santa Cruz eroberte, erfolgten die ersten Stellungnahmen. Der für den Karneval zuständige Mann im Rathaus, Hilario Rodríguez, kündigte an, dass man die rechtliche Möglichkeit einer Schadensersatzklage gegen Rafael Amargo prüfe, der mit dieser Gala das Image des Karnevals von Santa Cruz beschädigt habe. Vorerst wurde eine noch ausstehende Restzahlung einbehalten – der Tänzer sollte insgesamt eine Million Euro für die Regie der Gala und die Tontechnik kassieren. Bürgermeister Zerolo räumte ein, dass er Verantwortung übernehme für den Fehlgriff: „Wir dachten, ein junger Choreograph mit einer Laufbahn wie Amargo könnte die Gala verbessern, aber dem war nicht so.“

Während es von allen Seiten Kritik hagelte, ließ der Flamencotänzer wissen, er bedaure zwar tief, dass seine Show dem Publikum missfallen habe, sei jedoch persönlich mit der Inszenierung zufrieden. Des Weiteren sei er der Überzeugung, dass die Stadt ihrer Zahlungsverpflichtung nachkommen werde, da die Gala wie vereinbart stattgefunden habe.  

Persona non grata

Unterdessen sind bereits Stimmen laut geworden, die eine Erklärung des Flamencotänzers zur Persona non grata auf Teneriffa verlangen. Sogar die Sozialisten in Santa Cruz haben einen entsprechenden Antrag vorgelegt. Sie begründen ihren Standpunkt mit den abwertenden und beleidigenden Äußerungen Amargos im Fernsehkanal Tele 5 über den Karneval Teneriffas und die hiesige Bevölkerung. Dies könne man nicht so stehen lassen und daher sei die Partei gewillt jeden Antrag zu unterstützen, um Rafael Amargo zur fortan nicht willkommenen Person zu erklären.

Rafael Amargo war schon vor Wochen in die Schlagzeilen der Inselpresse geraten, weil sich viele aktive Karnevalisten von seinen Vorstellungen einer Gala – zu Recht – auf den Schlips getreten fühlten. Unter anderem hatte Amargo verkündet, er wünsche keine korpulenten oder untalentierten Tänzer/innen bei seiner Gala.




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