Kein Kind soll ohne Frühstück in die Schule


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Allein in einem Stadtbezirk von Santa Cruz gehen täglich über 400 Kinder mit leerem Magen zum Unterricht

Die soziale Not in Spanien und auf den Kanarischen Inseln ist erschreckend. Die Wirtschaftskrise fordert täglich neue Opfer, die durch Arbeitslosigkeit und finanzielle Schwierigkeiten an den Rand des existenziellen Abgrunds gedrängt werden.

In Teneriffas Hauptstadt Santa Cruz bemüht sich nun das Sozialamt, durch eine Studie in den fünf Stadtbezirken herauszufinden, wie hoch die Zahl der Kinder ist, die, bedingt durch die Notlage ihrer Familie, ohne Frühstück zur Schule geschickt werden. Auf diese Dramatik aufmerksam geworden ist man durch die Berichte der Schulen im südwestlichen Bezirk der Stadt, der die Viertel Llano del Moro, El Sobradillo, El Tablero, Alisios, La Gallega, Añaza, El Chorrillo, Santa María del Mar, Acorán, Barranco Grande, El Rosarito, Tíncer und El Draguillo umfasst. Hier ist die Arbeitslosigkeit besonders hoch – bis zu 40% der Bewohner in diesem Stadtgebiet befinden sich auf Jobsuche oder sind Langzeitarbeitslose. Die unschuldigen Leidtragenden dieser schlimmen Situation sind viele Kinder, deren Eltern so gut wie mittellos sind. Wie aus dem Bericht verschiedener öffentlicher Schulen hervorgeht, gehen allein in diesem Stadtbezirk täglich schätzungsweise 400 Kinder zur Schule, ohne gefrühstückt zu haben. Die Auswirkungen dieser Fehl-ernährung auf die Gesundheit und die Lernfähigkeit der Kinder sind unbestreitbar, weshalb sich nun die Stadt darum bemühen will, dass künftig möglichst kein Kind mehr ohne Frühstück den Schultag beginnt.

Zunächst fand ein Treffen zwischen Bürgermeister José Manuel Bermúdez und den Leitern der verschiedenen Bezirksverwaltungsstellen statt, in dem vereinbart wurde, dass in jedem Bezirk eine Untersuchung an den Schulen durchgeführt wird, um die genaue Zahl der hilfsbedürftigen Schüler zu erfassen und einen Überblick über das Ausmaß der Not zu bekommen. In Kooperation mit den einzelnen Schulen sollen dann Maßnahmen eingeleitet werden, um die bedürftigen Familien mit schulpflichtigen Kindern zu unterstützen, die soziale Ausgrenzung der Kinder zu verhindern und zu einer gesunden Ernährung beizutragen.

2012 standen für die Betreuung von Minderjährigen, die von sozialer Ausgrenzung bedroht sind, 18.000 Euro zur Verfügung. 2013 hat die Stadt diesen Posten auf 50.000 Euro erhöht.

Die Stadtverwaltung strebt außerdem eine Zusammenarbeit mit einer Hilfsorganisation an, um die Versorgung der bedürftigen Kinder das ganze Jahr über zu gewährleisten.

Der Anfang ist gemacht: Dank der Einnahmen aus einer Benefizveranstaltung und der Großzügigkeit eines anonymen Spenders konnte ab dem 18. Februar zwei Wochen lang Frühstück an minderbemittelte Kinder ausgeteilt werden, berichtete Hilario Rodríguez, Leiter der Bezirksverwaltungsstelle Santa Cruz Suroeste.




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