„Kanarischer Ghandi“ in Puerto de la Cruz


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Seit vielen Jahren unterstützt ein indischer Händler auf Teneriffa seine Landsleute durch verschiedene Projekte

Dass ein Leben als Händler und Geschäftsmann, dessen Existenzgrundlagen doch eigentlich im harten Kapitalismus begründet liegt, nicht im Widerspruch mit der Verfolgung humanitärer Ziele steht, stellt der auf Teneriffa lebende indische Einwanderer Prakash Khatnani seit vielen Jahren auf beeindruckende Weise unter Beweis.

Denn obwohl er sich, vertrieben von Armut und Krieg in seiner Heimat, 1971 mit seiner Familie in Puerto de la Cruz auf Teneriffa niederließ, wo er in Kürze ein drittes Geschäft für Kleidung aus ökologischer Baumwolle, Leinen, Seide und Hanf eröffnen wird, hat er die von Armut und Krankheit beherrschten Lebensumstände eines Großteils seiner Landsleute nie vergessen. Und im Gegensatz zu vielen die sich, vom Ausmaß des Elends überwältigt, lieber hinter ohnmächtiger Untätigkeit verstecken, auch entschieden zu handeln. Und das tut er, dem Vorbild seines Großvaters und seines Vaters folgend, seit vielen Jahren.

Gemeinsam mit seiner Familie hat er dabei im Laufe der Zeit ein regelrechtes Hilfssystem für Indien entwickelt, das auf verschiedenen, sich jedoch gegenseitig ergänzenden Stützpfeilern basiert. So stammen die ökologisch angebauten Grundstoffe für die Kleidung, die in seinen Geschäften „Natur Paradise“ verkauft wird, aus Indien. Tausende von Landsleuten fanden und finden im von ihm unterstützten und von der Regierung geförderten Anbau der Rohstoffe und Herstellung der Waren einen Weg aus der Armut.

Doch die Hilfsbereitsschaft der Familie Khatnani beschränkt sich nicht nur auf die Förderung der so genannten „ländlichen Industrie“ Indiens. Ein Teil des Gewinns, der aus dem Verkauf der Kleidung und den Fördermitteln der indischen Regierung erzielt wird, kommt nämlich einem zweiten wichtigen Hilfsprojekt in seiner Heimat zugute: Die Bekämpfung der so genannten vermeidbaren Blindheit, für die die Organisation Free Eyes Camp Contributer gegründet wurde.

Kampagne gegen den grauen Star

Seit 1999 fliegt Khatnani zwei Mal jährlich in seine Heimatregion Rajasthan zurück, um seine „Kampagnen gegen den grauen Star“ durchzuführen, ein Leiden, das nicht zuletzt durch schlechte, unzureichende Ernährung gefördert wird. Jeweils fünfzehn Tage lang werden Tausende von Blindheit bedrohter Inder kostenlos operiert und behandelt. Als provisorische Untersuchungssäle und Unterkünfte dient dabei ein ehemaliger Maharadscha-Palast in der Stadt Naila, den die örtlichen Behörden zur Verfügung stellen.

Die Patienten, die meist lange Fußmärsche in Kauf nehmen müssen, um die für sie unbezahlbare Behandlung zu erhalten, werden von den rund 30 freiwilligen Ärzten operiert und ggf. mit Brillen versorgt. Ihre Unterbringung und Verpflegung sowie die ihrer Begleitpersonen wird ebenfalls von der Organisation, die über zahlreiche freiwillige Helfer verfügt, finanziert.

Im Laufe der Jahre wurden so völlig kostenlos bereits über 2.446 Menschen operiert, 12.379 erhielten ihre Sehqualität durch eine Brille zurück und 50.000 wurden wegen verschiedener Augenleiden behandelt.

Kein Wunder, dass die Familie Khatnani großes Ansehen in Indien genießt und inzwischen von der dortigen Regierung, aber auch der auf den Kanaren ansässigen indischen Gemeinschaft unterstützt wird.

Prakash Khatnani, der von seinen kanarischen Freunden „Ricardo“ getauft wurde, erklärt, dass er mit seiner humanitären Hilfe nur dem Vorbild seines Großvaters und Vaters folgt und nach der „Philosophie von Mahatma Gandhi lebt“, denjenigen Hilfe zu leisten, die weniger haben als man selbst.

Das Hauptgeschäft von „Natur Paradise“ finden Sie in der C/Valois, 24, Local 9 und 10 in Puerto de la Cruz.




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