Initiative gegen Obdachlosigkeit


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Über 300 Wohnungslose in Santa Cruz – Bürgermeister Bermúdez sucht Kooperation mit Inselregierung und Gemeinden

Der Fachausschuss Obdachlosigkeit der Stadt Santa Cruz, unter dem Vorsitz von Bürgermeister José Manuel Bermúdez, teilt die Einschätzung des Städtischen Instituts für Sozialarbeit (IMAS), über die Notwendigkeit, das Problem der Wohnungslosigkeit in Teneriffas Hauptstadt gemeindeübergreifend anzugehen.

Innerhalb eines Monats, so wurde es vom Ausschuss beschlossen, soll nun eine inselweite Strategie  aus kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen erarbeitet werden, die gemeinschaftlich mit den verschiedenen Verwaltungen, Behörden und sozialen Einrichtungen der Insel in Angriff genommen werden können. 

Die Bereitschaft zur Kooperation der Insel- und der Kanarenregierung zeigte sich in der Teilnahme der Inselräte für Wohnungswesen und für Soziales, Aurelio Abreu und Cristina Valido, sowie der Generaldirektorin für Sozialpolitik der Regionalregierung, Carmen Acosta. Auch die Gesandte der Zentralregierung für Santa Cruz, María Rosario Cabrera war anwesend, ebenso wie Vertreter der verschiedenen Verwaltungen und Hilfsorganisationen. 

Bürgermeister Bermúdez plädierte dafür, kein Patentrezept für die Vorgehensweise festzulegen. Da die Situation eines  jeden wohnungslosen Menschen individuell verschieden sei, müsse es auch individuell zugeschnittene Lösungsansätze geben. Die angestrebten kurzfristigen Maßnahmen zur Verbesserung der Hilfe für Obdachlose seien in vielen Fällen nicht einmal teuer, sondern erforderten lediglich eine Berichtigung bestimmter Aspekte des Sozialsystems, welche nicht funktionieren. 

Langfristig sei es die Aufgabe der Kanarenregierung, das Gesetz der Sozialdienste von 1987 und den Plan zur Armutsbekämpfung von 2003 an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen. 

Insbesondere regte José Manuel Bermúdez an, im Entwurf des neuen  Baugesetzes (Ley del Suelo) vorzusehen, dass öffentlicher Grund und Boden gegen Immobilien privater Investoren getauscht werden könne, welche nicht vermarktet werden konnten und deshalb leer stehen. So könne den Wohnungslosen in viel kürzerer Zeit geholfen werden als es durch den sozialen Wohnungsbau möglich sei. 

Provisorische Behausungen

In Santa Cruz leben über dreihundert Menschen auf der Straße. Sie übernachten auf Parkbänken, in Hauseingängen, unter Brücken und manchmal auch in den Kabinen der Bankautomaten. Wenn es sehr kalt oder regnerisch ist, versuchen sie einen der 100 Schlafplätze des Städtischen Aufnahmezentrums (Centro Municipal de Acogida) zu ergattern. 

Andere haben sich einen festen Platz eingerichtet, wo sie schlafen und ihre Habseligkeiten aufbewahren können. So sind zehn kleine Siedlungen entstanden, wo rund 80 Obdachlose in improvisierten Behausungen leben, wie beispiels- weise in den Wellblechhütten neben dem Sportpavillon Pancho Camurria, von denen ein Teil Anfang März geräumt und abgerissen wurde, in den Höhlen des Barranco de Santos im Herzen der Stadt oder in leer stehenden Gebäuden nahe dem Parque Viera y Clavijo. 

Rund 300 Wohnungslose werden zurzeit durch die Mobile Sozialdiensteinheit UMA der Stadtverwaltung von Santa Cruz betreut, etwa 80 von ihnen sind im letzten Jahr neu hinzugekommen. Das Aufnahmezentrum wurde im vergangenen Jahr von insgesamt 500 verschiedenen Personen für Übernachtungen genutzt. 

Die meisten Obdachlosen (75%) entsprechen dem Profil: männlich,  Spanier, zwischen 35 und 55 Jahre alt. Von dem Aufnahmezentrum wurden im vergangenen Jahr aber auch zehn Jugendliche unter 20 Jahre und 29 Senioren über 65 Jahre betreut. Die häufigsten Gründe, warum die Menschen auf der Straße landen, sind die Krise, Arbeitslosigkeit, geplatzte Hypotheken und Zwangsräumungen in der Folge, Ehescheidungen und der Zerfall von Familien. Nach Herkunftsgebieten aufgeschlüsselt, stammen 82% der Wohnungslosen in Santa Cruz aus Europa, 7% aus Afrika und 6% aus amerikanischen Ländern. 

Wohlfahrtsverbände überfordert

Die Obdachlosigkeit stellt die Spitze des Eisbergs einer zunehmenden Verarmung in der Bevölkerung dar. Der Caritas-Verband warnte dieser Tage davor, dass die großen Hilfsorganisationen zunehmend über- fordert sind, und neben Obdachlosigkeit und Hunger auch die um sich greifende „Energiearmut“ zu einem wachsenden Problem wird.




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