In Puerto ist der soziale Frieden gestört


Streikdrohungen bei Gastronomiebetrieben und Reinigungsdienst

Zornig und hoffnungslos – so lässt sich am besten der Gemütszustand der Angestellten des Unternehmens Ródano beschreiben, die sich in den letzten Tagen wiederholt vor dem Rathaus versammelten, um ihren Lohn zu verlangen.

Die Firma bewirtschaftet die verschiedenen Gastronomiebetriebe an der Plaza del Charco, den Strandanlagen Playa Jardín und Martiánez sowie im Taoro-Park und schuldet ihren Mitarbeitern drei Monatsgehälter und das Weihnachtsgeld. Ródano hat 2006 die Betriebe von dem kommunalen Unternehmen Parmasa übernommen, nachdem die Stadtverwaltung unter Bürgermeis­ter Marcos Brito sich zur Privatisierung dieser und anderer stadteigener Betriebe entschlossen hatte (das Wochenblatt berichtete). Ganz offensichtlich hatte er dabei keine glückliche Hand, denn auch die Kooperative Tarajal, die für die Stadtreinigung einschließlich Schulen und Schwimm­­badanlagen zuständig ist, hatte mit einem Streik gedroht, der jetzt zunächst verschoben wurde, nachdem die Stadt 156.504 Euro an die Firma überwiesen hat, die ihrerseits einen Teil der rückständigen Löhne an ihre Arbeitnehmer zahlen konnte.

Für die Angestellten von Ródano sieht es schlechter aus, denn ihre Forderungen richten sich gegen den Arbeitgeber. Um Situationen wie an den Feiertagen zum Jahreswechsel und Dreikönige zu vermeiden, als die Gastronomiebetriebe auf der Plaza und an den Stränden wegen Streiks geschlossen waren, haben sich die Stadtväter eingeschaltet, sie wollen den Arbeitsfrieden wieder herstellen. Es laufen Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Geschäftsführer von Ró­dano mit seinen Beratern über ein Angebot, das den Konflikt vorerst beenden soll.

Wie die Vizebürgermeisterin und Ressortchefin für Finanzen Sandra Rodríguez vor der Presse erklärte, wurde der Vorschlag unterbreitet, dass Ródano auf die Lizenzen für die Betriebe Playa Jardín, Martiánez und Taoro-Park verzichtet und nur die Bar Dinámico auf der Plaza behält. Dafür wird eine Entschädigung von drei Millionen Euro angeboten, denn die Bewirtschaftungsverträge waren für 15 Jahre abgeschlossen. Davon gibt Ródano der Stadt eine Million für rückständige Pachtzahlung. Die Verpflichtungserklärung der Stadt müsste nach Ansicht von Sandra Rodríguez genügen, um einen Bankkredit zu erhalten, mit dem die Verpflichtungen gegenüber den Angestellten erfüllt werden könnten. Doch darüber soll am 25. Januar auf einer ordentlichen Sitzung des Stadtrates abgestimmt werden.

Die 65 Angestellten von Ródano misstrauen den Versprechungen und wollen nicht solange warten, denn dann würde ihr Arbeitnehmer ihnen einen weiteren Monatslohn schulden. Bei Redaktionsschluss dauerte ihr Streik an.




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