In der Silvesternacht blieb die Plaza dunkel


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Wegen eines Streiks des Personals der Restaurantbetriebe

Die Plaza del Charco in der Altstadt von Puerto de la Cruz ist stets das Herz und der Mittelpunkt der Fiestas in der Touristenstadt. Auch in der Silves­ternacht treffen sich dort Einheimische und Gäste um das Neue Jahr zu begrüßen und das Feuerwerk zu bestaunen.

Doch in diesem Jahr blieb zumindest ein Teil der Plaza zum ersten Mal seit Menschengedenken dunkel. Die Terrasse der Bar Dinamico war abgesperrt, Stühle und Tische angekettet, denn die Angestellten streikten.

Seit drei Monaten warteten sie schon vergeblich auf ihre Gehaltszahlungen, vom gesetzlichen Weihnachtsgeld ganz zu schweigen. Bereits vor Weihnachten hatten sie beschlossen, in den Streik zu treten, doch das Bewirtschaftungsunternehmen, die Gesellschaft Ródano SL hatte sie mit falschen Versprechungen bewogen, davon abzusehen, erklärten die Betroffenen. Als sie am 29. Dezember noch immer vergeblich auf ihre Zahlung warteten, machten sie schließlich ernst und begannen einen sechstägigen Streik – Verlängerung nicht ausgeschlossen. Mit dem Personal der Cafetería auf der Plaza del Charco trat gleichzeitig das Personal der Gastbetriebe an der Playa Jardín und am Martiánez-Strand in den Streik, die ebenfalls von Ródano bewirtschaftet werden. 65 Angestellte und ihre Familien sind betroffen und befinden sich in großen finanziellen Problemen.

Bürgermeister Marcos Brito habe ihnen zugesagt, sich umgehend einzuschalten und nach einer Lösung zu suchen, doch bislang sei nichts geschehen, monierten die Streikenden, die durch großformatige Plakate und Spruchbänder in verschiedenen Sprachen auf ihre missliche Situation aufmerksam machten. Passanten blieben ob dieses traurigen Schauspiels stehen, Touristen machten eifrig Fotos. Niemand konnte begreifen, wie ein emblematischer Ort wie die Plaza von Puerto de la Cruz in eine derartige Situation geraten konnte.

Die Restaurationsbetriebe, die jetzt von dem Streik betroffen waren, wurden bis 2006 von der kommunalen Gesellschaft Parmasa bewirtschaftet. Eigentlich sollte man meinen, dass sie alle rentabel sein müss­ten, doch ein großer Personalstab der die Betriebe nicht gerade nach kommerziellen Gesichtspunkten leitete, bescherte der Gemeinde Verluste und zwang immer wieder zu Zuschüssen. So beschloss die Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Marcos Brito eine Privatisierung der Parmasa. Offenbar hatte er jedoch keine glückliche Hand bei Wahl der Kandidaten. Es kursierte auch das Gerücht, dass ein deutscher Bewerber mit Know-how und Kapital abgeschmettert worden war, und so ging die Lizenz schließlich an ein hiesiges Unternehmen. Schon zu Beginn gab es Zweifel, ob diese Firma nicht überfordert sei, zumal sie auch noch die etwa 150 Angestellten, teilweise mit langjähriger Betriebszugehörigkeit, übernehmen muss­te. „Diese Leute haben sehr viel Geld ausgegeben, um das Personal abzufinden, das sie nicht mehr haben wollten, und uns schulden sie nun den Lohn“, klagen die Mitarbeiter, deren Zahl inzwischen auf 65 geschrumpft ist. Sie fordern von der Stadtverwaltung, mit ihrem ausstehenden Lohn in Vorlage zu gehen und die Lizenzen für die Bewirtschaftung der Betriebe zurückzuziehen.

Am 4. Januar fanden im Bürgermeisteramt Verhandlungen über das Schicksal der Parmasa-Betriebe und ihrer Mitarbeiter statt, während die Betriebe auch an diesem Tag noch geschlossen blieben. Ein Ergebnis stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.




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