In der Liebe wachsen


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

Ein uns bekannter Gärtner hat einmal steif und fest behauptet: „Mit Liebe gehegt und umsorgt, wachsen die Pflanzen besser.“ Nun muss ich sagen, die Pflanzenwelt ist nicht unbedingt mein Metier, aber vorstellen kann ich mir das schon.

Die Liebe sorgt ja oft im Leben für ein besseres und ein besonderes Wachstum. Dazu brauchen wir nur unsere eigene Religion anzuschauen. Dass das Christentum nämlich so gewachsen ist, dafür war einzig und allein die Liebe wichtig.   

Sicherlich: Am Anfang war es nur ein kleines Pflänzchen. Eine kleine Anzahl von Chris­ten; meistens einfache Leute, die sich da um die Nachfolge in den Spuren dieses Jesus von Nazareth versuchten. Es waren kaum Gebildete darunter, selten ein paar Reiche; und Mächtige schon gar nicht. Begonnen hat dieses Pflänzchen seinen Werdegang in der hintersten Provinz des alten Rom. Aber es ist eine große Pflanze daraus geworden, die bis heute wächst. Es steckt eine Kraft in ihr, die immer wieder die Menschen angezogen hat und diese Kraft war und ist die Liebe. Wie das?

Natürlich hat das Christentum die Liebe vor 2000 Jahren nicht erfunden. Die Liebe gab es auch schon vorher. Aber diese Liebe im Christentum hat solche Kreise gezogen, dass immer mehr und mehr Menschen darauf aufmerksam geworden sind. Sie hat Kreise gezogen auf fremde Menschen hin, sogar auf die Feinde. Zuvor hat man eher nur die Menschen geliebt, die zur Familie gehörten. Da war die Liebe etwas sehr privates. Die Christen aber haben sie weit über ihre eigenen Grenzen hinaus ausgedehnt. Wie heißt es im ersten Petrusbrief des Neuen Testaments: „Vor allem haltet fest an der Liebe zueinander; denn die Liebe deckt viele Sünden zu. Seid untereinander gastfreundlich, ohne zu murren.“

Entsprechend haben die ers­ten Christen gelebt. Es gab damals z.B. im alten Rom so gut wie keine staatliche Armenfürsorge. Die Christen aber haben von Anfang an eine Gemeinschaftskasse eingeführt und sich damit liebevoll um Arme gekümmert – wohlgemerkt: Nicht nur um die eigenen Gemeindemitglieder, sondern einfach um Menschen, die bedürftig waren. Und das waren zu der Zeit nicht wenige. So wird berichtet, dass im Jahr 200 n.Chr. nur rund 7000 Menschen zur christlichen Gemeinde in Rom gehört haben. Aber rd. 1500 Menschen wurden von dieser Gemeinde regelmäßig unterstützt. Ist das nicht irre? Ein solches Verhalten aber hat dazu geführt, dass viele diesen christlichen Glauben kennen und schätzen gelernt haben und dann selbst Christen geworden sind.

Dieses Wachsen des Chris­tentums durch die Liebe ist selbst dem römischen Kaiser Julian aufgefallen. Er schrieb an seine Tempelpriester: „Es ist eine Schmach, dass die Christen neben den ihrigen auch noch die unsrigen er­nähren, die unsrigen aber Hilfe von unserer Seite offenbar entbehren müssen.“ Das ist weite, praktische und christliche Liebe: Witwen und Waisen, ja sogar Fremde wurden unterstützt.. Man hat Begräbnisse von Armen übernommen und dass Gott alle Menschen liebt, das konnte man eben nur bei den Christen hören und auch erleben. So ist das Chris­tentum gewachsen, weil es die Liebe nicht mehr eng begrenzt hat. Es hat den Gedanken in die Welt gesetzt: Achtung, Fürsorge, Hilfe in Not, praktische Liebe gelten jedem Menschen, ohne Grenzen. Und genau diese Gedanken brauchen wir heute auch wieder. Denn wenn die Liebe weit ist, dann tut das auch im persönlichen Leben gut.

Ich weiß, manchmal geht diese Liebe auch verloren und Menschen können dann recht lieblos miteinander umgehen. Viele schaffen es nicht, die Liebe auf der langen Strecke des Alltags durchzuhalten, auch deshalb, weil die Gefühle der Liebe zwischen den Menschen sich verändern können. Das ist oft sehr schmerzhaft und viele, die erleben, wie unbeständig die Gefühle ihrer Liebe sind, denken dann: Jetzt ist sie zu Ende. Ohne Gefühle kann man nicht mehr liebevoll miteinander umgehen. Aber das stimmt nicht. Wenn die Bibel von der Liebe spricht, dann meint sie nicht in erster Linie das Gefühl des dauernden Verliebtseins oder des erotischen Begehrens. Das sind Gefühle, die man ja auch nicht verordnen kann. Um Gottes Willen! Aber was die Bibel im Begriff der Liebe einfordert, das ist das achtsame miteinander Umgehen, auch wenn sich Gefühle zwischen Menschen verändert haben. „Die Liebe deckt Sünden zu“ meint nicht: Sie übersieht alles und ist blind. Sie meint vielmehr, dass Frau und Mann in einer verletzten Beziehung versuchen, sich nicht für erlittene Verletzungen zu rächen. Dass sie versuchen, dem Hass nicht nachzugeben, der da in einem auflodern kann, sondern jetzt erst recht miteinander vorsichtig zu sein; sich darum zu kümmern, dass man sich gegenseitig nicht noch mehr verletzt. Wenn es zwischen Menschen in einer Krise oder Trennung einen Grundbestand an Liebe gibt, dann kann der eine den anderen vielleicht allein weiter leben lassen. Man muss nicht versuchen, das Leben des anderen zu verletzen oder zur Strafe kaputt zu machen. Vielleicht kann man sogar mit einigem Abstand, dem anderen auch vergeben und ihm oder ihr Gutes wünschen. Auf dass der oder die andere gut weiter wachsen und leben kann. Denn die Liebe lässt Menschen immer wachsen und leben.

Übrigens: Wenn Sie Ihre Liebe neu segnen lassen möchten, dann kommen Sie doch zu unserer Segnungsfeier für Verliebte im Vorfeld des Valentintages am Mittwoch, 11.02. um 18.30 Uhr nach San Telmo!

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

Diesen und frühere Artikel können Sie nachlesen unter: www.katholische-gemeinde-teneriffa.de oder www.wochenblatt.es




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