Historisches Kurbad in der Schwebe


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Ein Hausbesetzer verhindert eine ernsthafte Diskussion über die Zukunft des „Balneario“

Das ehemalige Kurbad von Santa Cruz, auf der Insel bekannt als „El Balneario“, liegt an der Straße von San Andrés in Richtung des Teresitas-Strandes. Einst beliebtes Erholungsziel der Hauptstadtbewohner, ist die Anlage heute in einem ruinösen Zustand.

Vor einigen Jahren forderte eine Bürgervereinigung, die Anlage einem neuen Zweck zuzuführen, doch das Verlangen blieb ungehört. Nun griff Bürgermeister José Manuel Bermúdez die infrage stehende Zukunft des Kurbades erneut auf. 

1928 hatte García Sanabria, der damalige Bürgermeister von Santa Cruz, öffentlich bedauert, dass die direkt am Atlantik liegende Metropole ihren Bürgern keinen Badeort zu bieten hätte, und angekündigt, ein Kur- und Badezentrum zu errichten. An einen Strand war ebenfalls gedacht. Zwei Jahre später, im Jahr 1930, wurde dank der Finanzierung durch wohlhabende Familien der Hauptstadt das „Balneario“ von Santa Cruz eröffnet.  Während die ursprünglichen Pläne ein Hotel mit angeschlossenem Kasino vorgesehen hatten, konnten aus finanziellen Gründen zu Beginn nur die Küche, der Speisesaal und die Terrassen eröffnet werden, später kam dann noch das Meerwasser-Schwimmbad dazu. Von der Nordmole des Hafens wurde das Meerwasser bis zu der Schwimmbadanlage gepumpt. Weil es mit dem Bus in wenigen Minuten von Santa Cruz aus zu erreichen war, wurde das „Balneario“ für die Bewohner von Santa Cruz sehr schnell zu einem beliebten Treffpunkt. 1954 wurde ein angrenzendes vierstöckiges Gebäude eingeweiht, in dem die Familien der Arbeiterklasse für ein kleines Entgelt Anrecht auf fünfzehn Tage Sozialurlaub hatten und auch die Schwimmanlage benutzen durften. Während der 50er-, 60er- und 70er-Jahre erlebte das Kurbad seine goldene Zeit als Freizeittreffpunkt der Städter aller Generationen und Schichten. Hier frönte man dem Bad, dem Tennisspiel und dem Zusammensein. Ende der 70er und Anfang der 80er begann das Ende des Kurbades, das 1992 endgültig aufgegeben wurde. 

Vor drei Jahren forderte die Bürgervereinigung von María Jiménez die Stadt auf, das historische Gebäude und seine Anlagen instand zu setzen und in ein Bürgerzentrum umzuwandeln, um kulturelle, soziale und sportliche Veranstaltungen aufzunehmen. 

Doch erst jetzt kam Bürgermeister José Manuel Bermúdez auf die Angelegenheit zurück und spielte mit dem Gedanken, das alte Gebäude in ein Gesundheitszentrum umzuwandeln. Noch vor den Wahlen hatte seine damalige „rechte Hand“, José Ángel Martín, geäußert, das Balneario solle seinen ursprünglichen Zweck als Naherholungsort wiedererlangen. Er würde es am liebsten als moderne Schwimmbadanlage mit Sport- und Freizeitzentrum wieder in Betrieb nehmen, so Martín.

Allerdings gehört das Gebäude nicht der Stadt sondern der Kanarischen Regierung. Diese sieht sich momentan jedoch einem ganz anderen Problem gegenüber: Seit einigen Jahren lebt ein Hausbesetzer in dem verfallenen Gebäude. Die Regierung hat zwar geklagt und das Räumungsverfahren gewonnen, doch hat der unerwünschte Bewohner Einspruch erhoben und Zeit gewonnen, denn bis zu einem endgültigen Urteil kann die Regierung nichts unternehmen. 

Und auch, wenn der Hausbesetzer in absehbarer Zeit seine Bleibe endlich aufgegeben hat, steht dem Balneario noch ein langer Weg bevor, denn Cabildo, Rathaus und Kanarenregierung müssen sich auf ein gemeinsames Projekt einigen, das alle zufriedenstellen soll.

Ein Unfall am frühen Morgen des 4. Juli verkompliziert die Angelegenheit. Trotz entsprechender Verbotsschilder hatten drei 17-Jährige die Ruine betreten. Beim Einsturz einer Mauer wurden sie teils schwer verletzt. Mit der Folge, dass nicht nur die Sicherheit der Ruine infrage steht, sondern auch der Handlungsdruck auf die Verantwortlichen zugenommen hat. 




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