Historischer Großsegler auf Kanarenkurs


© Valery Vasilevsky

Die Sedov, das größte noch fahrende traditionelle Segelschulschiff der Welt, ist seit einem Jahr auf Weltreise

Am 20. Mai letzten Jahres begann in Sankt Petersburg für das historische Segelschulschiff Sedov die Welt-Tour 2012-2013, die am 20. Juli im selben Hafen abgeschlossen wird.

Aus Südafrika kommend befindet sich die Sedov nun in Dakar, von wo aus am 23. Mai Kurs auf die Kanarischen Inseln, genauer Santa Cruz de Tenerife genommen wird. Zwischen dem 29. und 30. Mai wird die Viermastbark in Santa Cruz erwartet.

Die Sedov hat bzw. wird auf dieser Weltreise insgesamt über 45.000 Seemeilen zurücklegen und über 30 Häfen in 21 Ländern Europas, Asiens, Afrikas und Amerikas besuchen. Das Ausbildungschiff für Kadetten der staatlichen Technischen Universität Murmansk bietet auch Amateurseglern und Interessierten die Möglichkeit, mitzusegeln. Bei diesen sogenannten Traineereisen verschmelzen Abenteuer und Entspannung zu einem einzigartigen Erlebnis. Die Reisenden fahren auf der Sedov als aktiver Teil der Besatzung mit, erhalten eine sicherheitstechnische Einweisung an Bord und auf Wunsch auch eine erste Ausbildung im Segelhandwerk.

Die 200-köpfige Besatzung der Sedov besteht zur Hälfte aus Kadetten der Universität Murmansk. Für Kapitän Nikolái Zórchenko ist es die vierte und längste Weltumsegelung. „Wir sind entlang der Küste Südamerikas und Südafrikas gesegelt, auf all den Segelrouten vor dem Bau des Panamakanals und des Suezkanals. Wir segeln auf Routen des 18. Jahrhunderts“, zitiert ihn die russische Tageszeitung Rossiskaja Gaseta.

Geschichte und technische Daten

1921 auf der Krupp-Germania-Werft in Kiel gebaut, ging sie unter dem Namen Magdalena Vinnen als Frachtensegler auf ihre erste Fahrt. Unter anderem transportierte sie Getreide von Australien nach Europa und stand an Schnelligkeit den damaligen Frachtdampfern in nichts nach (Sydney – Isle of White in 92 Tagen). 1936 erwarb der Norddeutsche Lloyd das schon damals größte Segelschiff der Welt, und baute es zur Frachter-Schulschiff-Kombination mit dem Namen Kommodore Johnson um. Während des Zweiten Weltkrieges fuhr die Kommodore Johnson als reines Schulschiff auf der Ostsee und mußte nach Kriegsende, ebenso wie die Padua (die heutige Kruzenshtern) der Sowjetunion als Reparationsleistung übergeben werden.

Die damalige Sowjetregierung taufte die Viermast-Bark auf den Namen Sedov – nach dem russischen Polarforscher Georgij Sedov – und setzte sie als ozeanografisches Forschungsschiff ein.

Erst 1982 tauchte die Sedov wieder in europäischen Gewässern als Ausbildungsschiff auf. Sie war inzwischen komplett umgebaut worden, mit Unterkünften für 240 Mann, Schulungsräumen, Festsaal, Museum, Bar etc. Seit 1989 besteht das Törnangebot für Menschen, die auf der Suche nach einem außergewöhnlichem Urlaubs- und Freizeitvergnügen sind.

Die Sedov verlässt Santa Cruz de Tenerife am 1. Juni mit nördlichem Kurs. Am 15. Juni soll sie in Bremerhaven einlaufen.

Ob es während des Aufenthaltes der Sedov in Santa Cruz einen Tag des „Open Ship“ für Besichtigungen geben wird, konnte die Hafenbehörde bei Redaktionsschluss leider noch nicht sagen.

Baujahr: 1921

Heimathafen: Murmansk

Länge über alles: 117,5 m

Breite: 14,7 m

Tiefgang: 6,7 m

Max. Höhe der Masten über Deck: 58 m

Segelfläche: 4.192 m²

Anzahl der Segel: 32

Geschwindigkeit unter Maschine: bis 10 kn

Geschwindigkeit unter Segeln: bis 18 kn

Crew: 54 Mann

Kadetten:  102

Trainees:  46




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