Highlight in La Laguna mit Pianist Jacob Katsnelson


© Jacob Katsnelson

Konzertgenuss im Casino von La Laguna

Zwischen seinen Konzerten in Woronesch, Moskau und Petersburg gelang es, den russischen Pianisten Jacob Katsnelson zu einem Abstecher nach Teneriffa zu bewegen, um im traditionsreichen Casino von La Laguna einem erwartungsvollen Publikum ein Programm von höchster Qualität zu bieten.

Bereits die ersten Takte von Mozarts a-Moll Sonate (KV 310) ließen aufhorchen: Wahrhaft majestätisch gestaltete er das Thema im Allegro maestoso in so feiner Nuancierung, wie man sie von dem eher mittelmäßigen Instrument eigentlich gar nicht erwarten konnte.

Es ist eins der tiefsten und bedrückendsten Werke, 1778 wohl unter dem Eindruck des Todes seiner Mutter in Paris entstanden, das einen Sturm zwischen Aufbäumen und Resignation, noch verstärkt durch den dynamischen Kontrast zwischen ff und pp entfesselt, das höchste Tragik und Erschütterung ausdrückt. Zart und tröstlich gestaltet Katsnelson das Cantabile des zweiten Satzes in F-Dur, ehe im presto-Tempo des dritten Satzes die Schatten des unerbittlichen Schicksals in a-Moll zurückkehren. In Katsnelsons Interpretation erfährt eines der düstersten Werke Mozarts einen unmittelbaren Ausdruck und mitreißende Tiefe.

Prokofjews op. 14 in d-Moll ist die zweite seiner insgesamt neun vollendeten Klaviersonaten, 1912 entstanden, im Charakter weit entfernt von den späteren sogenannten Kriegssonaten. Die großen formalen Zusammenhänge gewinnen bei Katsnelson strukturelle Klarheit – innig, fragil, facettenreich, beinahe romantisch, dabei voller Kraft und Eindringlichkeit – er zaubert einen melodischen Fluss und ein virtuoses Feuerwerk, das ihm spontan stehende Ovationen einbringt.

Nach der Pause interpretiert Katsnelson die Romanze in As-Dur K.Ahn. 205, die wohl in die Mozartschen Apokryphen eingereiht wird, mit solcher Leichtigkeit und perlender Feinheit, so tänzerisch beschwingt, dass man in keinem Augenblick an der Urheberschaft des Meisters zweifeln möchte.

Im Folgenden brilliert er mit den Liszt-Bearbeitungen von fünf Schubert-Liedern, die wohl deshalb so selten zu hören sind, weil der Interpret nicht nur über die vorausgesetzte technische Virtuosität verfügen, sondern zudem die innige Lyrik der Schubertschen Liedkomposition erfassen und dem Hörer vermitteln muss. Das kann in so vollendeter Weise nur ein Pianist, der sich auch der Liedbegleitung verschrieben hat, der – wie Katsnelson – dieses Fach, neben seiner pädagogischen Tätigkeit am Tschaikowski-Konservatorium, an der berühmten Gnessin-Musikakademie in Moskau lehrt und unter anderem so hervorragende Sänger wie Vladimir Baischkow in seinen Konzerten begleitet. Nichts geht bei ihm von Schubertscher Einfachheit und Innigkeit in Lisztschen Klangeskapaden unter, er weiß vielmehr so zu akzentuieren, dass man die Lieder mitsingen könnte und in ihnen neue Farben entdeckt.

Den Abend beschließt er mit Liszts Ungarischer Rhapsodie Nr. 14, deren Themen der Komponist auch in seiner Ungarischen Fantasie weiter verarbeitete, in einer Zeit, in der er der ungarischen Zigeunermusik quasi ein „Nationalepos in Tönen“ schenken wollte. Vom Trauermarsch bis zur wild fantastischen Lebenslust entwickelt dieses „Genie zwischen Epochen und Welten“ einen Klangrausch, der höchste Anforderungen an die Pianisten stellt und gleichzeitig eine neue Klaviermechanik verlangte.

Diesen Anforderungen stellte sich Katsnelson gelassen mit technischer Überlegenheit und einem untrüglichen Gespür für Stil und Zeitgeist, mit Sensibilität, Innigkeit und Kraft, aus der eine gelebte, außergewöhnliche Musikalität spricht, die jeden Hörer unmittelbar in ihren Bann zieht.

Wir können nur hoffen, dass er uns dieses besondere Erlebnis einmal wieder bereiten wird!

M.J.




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