Heiteres und Närrisches


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

Auch wer nicht unbedingt auf Fastnacht und Karneval abfährt, kann sich dem Reiz dieser Tage wahrscheinlich nur schwerlich entziehen. Viele von uns stehen in diesen Tagen am Straßenrand und schauen die tollen Umzüge und Kostüme an, die da ausgelassen, in froher Stimmung und rhythmischem Tanz präsentiert werden.

Andere schauen sich die tollen Prunksitzungen im Fernsehen an. Aber alle Narren und solche, die sich dafür halten, toben sich in diesen Tagen aus. Wer nun meint, dass mit dem Aschermittwoch alles vorbei ist, der hat sich zumindest hier auf den Kanaren ganz gewaltig getäuscht. Hier dauert die 5. Jahreszeit ein klein wenig länger und dass sie dann bereits in die Fastenzeit hineinreicht, das ruft vielleicht in uns ein ungläubiges Kopfschütteln hervor – nicht aber bei den Canarios.

Der Karneval ist nun nicht unbedingt mein Metier, eher die schwäbisch-alemannische Fasnacht. Mit ihr bin ich groß geworden und ihr kann ich wesentlich mehr abgewinnen als vielem anderen. Z.B. die Tatsache, dass es bei uns Brauch ist, sich in diesen Tagen eine „glückselige Fasnet“ zu wünschen. Vielen ist dieses „glückselig“ heute gar nicht mehr geläufig. Es ist die genaue Übersetzung des griechischen Wortes „makarios“. Mit diesem Wort leitet der Evangelist Matthäus die Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt ein: Glückselig sind die Armen, die Trauernden, die Hungernden, die Friedensstifter. Jesus preist hier Haltungen selig, die zwar in der Welt der Macht und des Geldes wenig zählen, die aber unsere menschlichen Beziehungen mit tiefem Sinn erfüllen, in dem man Sympathie empfindet zu Menschen, die trauern, die hungern oder die ungerecht behandelt werden. 

Auf den ersten Blick scheint das nun mit ausgelassenem Karneval oder Fasnet nichts, aber auch gar nichts zu tun zu haben. Doch bei näherem Hinschauen entdeckt man, dass gerade die Gestalt des Narren durchaus eine Verbindung schaffen kann. Der Narr nimmt ja alles Schwergewichtige auf den sprichwörtlichen „Arm“. Er erinnert, wie einst der Narr am Königshof, dass nicht das zählt, was Rang und Namen hat und er zeigt auf, wie brüchig Werte wie Geld und Macht sind. So aber können wir uns auf jene Werte zurückbesinnen, die dem menschlichen Miteinander dienlich sind: das Mitempfinden und das Einfühlungsvermögen in die anderen.  

Dabei kennt der Narr keinen moralischen Zeigefinger. Vielmehr lachen wir über seine Späße und Reime und merken dann irgendwann, dass wir eigentlich über uns selbst lachen, über unsere verkrampfte Anstrengung nach Geltung oder Recht haben wollen. Wie meinte Goethe einmal: „Wer nicht über sich selbst lachen kann, zählt gewiss nicht zu den Besten.“ Also: Lassen wir uns von den Narren anstecken, auch über uns selbst zu lachen. Schließlich ist „Lachen ist die beste Medizin“. Dieses Sprichwort gilt nicht nur für diese Tage. Wer über andere lachen kann, entdeckt, dass alles nicht ganz so fruchtbar ernst ist, wie es sich gelegentlich darstellt. Ich meine nicht auslachen, das schmerzt; vielmehr meine ich dieses fröhliche Lachen, das von Herzen kommt. Wobei es noch besser ist, wenn einer über sich selbst lachen kann. Dann nimmt er sich selbst nicht so wichtig – und wer sich selbst nicht so furchtbar wichtig nimmt, der kann sich auch leichter auf andere einstellen. Er kann sich besser einfühlen in andere und so wahre Sympathie zeigen. 

Dabei ist mir auch klar, dass nicht immer alles zum Lachen ist. Wenn Mittrauern gefragt ist, dann kann ich natürlich nicht lachen. Manchen Menschen haben ja wirklich nichts zu lachen, weil ihnen das Leben herb mitspielt. Deshalb sagt auch die Bibel: Alles hat seine Zeit, das Lachen und das Weinen. Warum aber ist dann Lachen Medizin?

Rein körperlich entspannt das Lachen. Es erschüttert die inneren Verkrampfungen und löst uns. So verhilft uns das Lachen zu einer inneren fröhlichen Grundgestimmtheit, die uns sowohl seelisch als auch körperlich gut tut. Das gilt übrigens auch und im Besonderen für uns Christen. Fromm und fröhlich schließen sich nicht aus. Wer dauernd mit verbissenem und miesepetrigem Gesicht herumläuft, der hat von Gottes Freundlichkeit wenig verstanden. Und wer immer nur ein frommes Gesicht aufsetzt, der kann sehr schnell nicht ins Heilige, sondern ins Scheinheilige abrutschen.

Gott will nun mal Menschen, die echt sind und die mit beiden Beinen im Leben stehen. Aber weil sie glauben, dass sie auch nach diesem Leben in Gottes Hand bleiben, können sie selbst angesichts des Todes fröhlich sein. Wie sagte mal ein amerikanischer Theologe: „Das Gelächter ist der Hoffnung letzte Waffe.“ Diese Waffe kann nicht mal der Tod nehmen. Deshalb wünsche ich jetzt uns allen eine „glückselige Fasnet“ oder auch einen „glückseligen Karneval“.

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

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