Halt suchen – Halt geben


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

„Wie ein Kartenhaus ist das mehrstöckige Gebäude in sich zusammengebrochen.“ Solche Meldungen hören oder lesen wir immer wieder in den Medien und dann natürlich auch die Spekulationen darüber, an was es wohl gelegen haben mag. Ob der Einsturz nun auf menschliche Schlamperei zurückzuführen ist oder auf übertriebene Gewinnsucht beim Bauen, auf eine Naturkatastrophe oder.. oder.. oder..

Oft stellt sich – nicht nur in Entwicklungsländern – im Nachhinein heraus, dass es am Untergrund lag, dass das Haus einfach nicht fest gegründet war.

Ein fester Stand, ein sicherer Halt, das ist auch für uns Menschen unsagbar wichtig. Es dauert viele Monate, bis ein kleines Kind auf den eigenen Beinen stehen kann. Es benötigt viele Jahre des Wachsens und Reifens, bis ein Mensch seinen Standpunkt und seine Weltanschauung gefunden hat, die ihm Sicherheit verleiht. Doch selbst dann suchen wir weiter danach, woran wir uns festhalten können: An der Anerkennung anderer, am Erfolg, an einem Menschen. Allerdings wissen wir auch aus eigener Erfahrung, wie schnell so ein Halt wegbrechen kann. Nicht selten ist es so, dass einer, der keinen Halt mehr hat, nach der Flasche oder anderen „Haltegerüsten“ greift. Die Haltlosigkeit ist heute für viele Menschen ein immenses Problem und viele merken erst spät – manchmal zu spät – dass der vermeintliche Halt an der Flasche, an der Spritze oder den Tablettenröhrchen sie nur weiter in die Halt-Losigkeit gestürzt hat.

Der Slogan einer schwäbischen Bausparkasse lautet: „Auf diese Steine können sie bauen“. Aber oft brauchen wir eben mehr als nur ein Dach überm Kopf. Wir suchen einen festen Grund, der unserem Leben Halt und Sinn gibt und oft ist genau diese Suche mit vielfachen Enttäuschungen verknüpft. Schließlich ist in dieser Welt nichts von Dauer und die Gefahr bleibt groß, eben keine Steine mehr zu finden, auf die man wirklich bauen kann. Wenn ich auf das Leben vieler Menschen zurückblicke, an deren Schicksalen ich Anteil hatte, dann stelle ich heute fest, dass oft erst viele Zusammenbrüche und Einstürze nötig waren, bis Menschen sich endlich von falschen Erwartungen und trügerischen Sicherheiten lösen konnten.

Jesus bietet uns sein Wort als einen solch festen Halt an. Von einem Freund hören wir doch gerne: Darauf geb’ ich Dir mein Wort. Um wie viel verlässlicher ist dann wohl erst das Wort, das von Gott selber kommt. Er ist der Garant Ihres und meines Lebens. Sein Wort steht über all den Stürmen, die manchmal über unser Leben hinwegfegen und durcheinander wirbeln. Wir haben seine Zusage, dass er mit seinem Wort immer bei uns und mitten unter uns ist. Nur: Der Glaube an Gott, der mein Leben in der Hand hat, der muss mehr sein als nur ein Halt. Wenn er wirklich tragfähig sein soll, dann muss er der In-Halt meines Lebens werden. Diesen Inhalt können wir von anderen Menschen nicht erwarten, da sie ja oft selbst haltlos und unzuverlässig sind, wie wir. Wir brauchen also einen Felsen, auf den wir bauen, eine Basis, auf der wir stehen können. Wenn wir bei diesem Bild bleiben, dann erfahren wir sehr viel für unseren Glauben und unser Leben. Der Fels ist es, der alle Lasten auffängt, der nicht nachgibt, der zuverlässig ist. So zuverlässig, dass wir uns in aller Ruhe mit unserem Glauben darauf niederlassen können.

Wenn nun auch Jesus sich und sein Wort mehr als Weg sieht denn als einen Felsen, und auch wenn er Nachfolge fordert und keine Sesshaftigkeit erwartet, so weiß er doch, dass wir Menschen auch einen Rastplatz benötigen, einen festen Stand vor dem nächsten Schritt, weil wir sonst laufend außer Atem kämen und die Balance verlieren würden. Deswegen hat er auch seine Jüngerinnen und Jünger immer wieder an Orte geführt, an denen sie sich ausruhen konnten.

Ist der Gedanke so abwegig, sich auch einmal auf dem Glauben ausruhen zu wollen? Spannung und Entspannung, Bewegung, Nachfolge, Stille und Besinnung ergänzen einander auf geradezu lebensnotwendige Weise. Für das eine steht der Weg, für das andere der Fels. Für beides dürfen wir dankbar sein, sowohl für das Unterwegssein im Glauben als auch für das Ausruhen in demselben. So wünsche ich Ihnen, dass der Glaube an Gottes Wort Sie durch diese Zeit tragen und Sie in der Botschaft Jesu einen festen Halt für ihr Leben finden können. Und Sie werden spüren: Wer sich gehalten weiß, der kann auch für andere ein fester Halt sein.

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

Diesen und frühere Artikel können Sie nachlesen unter: www.katholische-gemeinde-teneriffa.de oder www.wochenblatt.es




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