Haiflossen-Trockenplatz auf Teneriffa?


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Tierschützer ringen die Hände

Die Bekanntmachung der kanarischen Kommission für Bodenordnung und Umwelt (Cotmac), dass die Einrichtung eines Haiflossen-Trockenplatzes auf Teneriffa genehmigt werde beziehungsweise keine bedeutenden Auswirkungen dieses Betriebes auf die Umwelt festgestellt werden können, hat für Entrüstung unter Tierschützern und bei der spanischen Tierschutzpartei „Partido Animalista“ gesorgt.

Während in Deutschland gegen die Auslieferung des Sea Shepherd-Gründers Paul Watson an Costa Rica wegen seines Eingriffs in illegale Shark-Finning Aktivitäten gekämpft wird, habe die spanische Regierung den Trockenplatz für Haiflossen auf einer Finca in San Juan auf Teneriffa genehmigt, hieß es in einer Mitteilung. Das ist so zwar nicht ganz korrekt, doch schon die Absicht ist unter Umweltgesichtspunkten fragwürdig.

Vom Rathaus von Arico erfolgte zu diesem umstrittenen Geschäft keine Stellungnahme, es wurde allerdings betont, dass die endgültige Genehmigung des nicht industriellen Trockenplatzes noch ausstehe, auch wenn die Cotmac bereits grünes Licht gegeben habe. Die Akte befinde sich beim zuständigen Stadtamt, das über die Lizenz für den Betrieb zu entscheiden habe, hieß es.

Die 1977 gegründete Sea Shepherd Conservation Society (SSCS) ist eine internationale gemeinnützige Organisation zum Schutz der maritimen Tierwelt. Sie hat sich der Mission verschrieben, die Zerstörung der Lebensräume und das Abschlachten der Tiere in den Weltmeeren zu beenden, um die Ökosysteme und Spezies nachhaltig zu schützen und zu erhalten. Sea Shepherd-Gründer Captain Paul Watson wurde in Deutschland wegen eines Vorfalls in Costa Rica vor über zehn Jahren verhaftet. Captain Watsons Verhaftung basiert auf Anschuldigungen wegen Eingriffs in den „Schiffsverkehr“ in guatemaltekischen Gewässern, nachdem es eine Auseinadersetzung zwischen illegalen Haiwilderern auf der Varadero und dem Sea Shepherd-Schiff Ocean Warrior gegeben hatte.

Beim sogenannten „Finning“ (abgeleitet vom englischen Wort Finn = Flosse) werden den Haien die Flossen abgetrennt und die sterbenden Tiere über Bord geworfen. Die Europäische Kommission arbeitet an einem generellen Verbot des „Finning“ in europäischen Gewässern sowie für Schiffe unter europäischer Flagge in aller Welt.

Die abgetrennten Haifischflossen werden in der Sonne getrocknet und nach Asien exportiert, wo die Haifischflossensuppe als Delikatesse gilt. Ein Teller Haifischflossensuppe kostet umgerechnet etwa 80 Euro, was erklärt, warum die Flossen so begehrt sind.

Tierschützer bekämpfen das brutale Vorgehen der Fischer, die die Haie meist mit Fangleinen an Bord ziehen, den lebenden Tieren die Flossen abschneiden und sie dann zurück ins Meer werfen, wo sie verletzt und schwimmunfähig verenden oder gefressen werden.

Von welchen Fangschiffen die Haifischflossen geliefert werden, die in San Juan getrocknet werden sollen, ist nicht bekannt. Ein Sprecher der Fischergenossenschaft von San Miguel de Tajao in Arico sagte der Zeitung „Diario de Avisos“: „Wir wissen hier nichts über einen Trockenplatz für Haifischflossen und auch nichts darüber, dass hier Haie gefischt werden, um ihnen die Flossen abzuschneiden.“ Was man rund um Teneriffa ab und zu fische, seien Hundshaie und mancher Schwarzhai, aus denen das lokale Gericht „tollos“ zubereitet wird.




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