Hafenpartnerschaft zwischen Shenzhen und Santa Cruz


© Puertos de Tenerife

Drehscheibe für Geschäfte mit Afrika

Die Hafenbehörde Santa Cruz war vom 5. bis 8. Juni erstmals Gastgeber des „World Port Strategy Forum“, bei dem Westafrika im Fokus stand. Über das Interesse Chinas am westafrikanischen Markt kam im Rahmen dieses internationalen Treffens ein Abkommen zwischen dem Hafen der chinesischen Metropole Shenzhen und der Port Authority Santa Cruz de Tenerife zustande.

Über die geschlossene Hafenpartnerschaft soll vor allem der Erfahrungsaustausch in verschiedensten Bereichen wie Umweltmanagement, Sicherheit, Hafenplanung und Personalschulung erfolgen. Santa Cruz’ Hafenamt verspricht sich von den Partnern aus dem Reich der Mitte aber auch die Festigung des Inselhafens als Wirtschafts- und Handelsknotenpunkt zwischen den Kontinenten.

Strategische Lage zwischen drei Kontinenten

„Im Rahmen dieses Forums ist die tatsächliche strategische Lage des Hafens Santa Cruz de Tenerife deutlich geworden“, unterstrich Dong Yanze, Geschäftsführer der Port Authority Shenzhen bei der Unterzeichnung des Partnerschaftsmemorandums.

Yanze zeigte sich äußerst interessiert daran, die Beziehungen weiter zu vertiefen und dankte dem Leiter der Hafenbehörde Santa Cruz, Pedro Rodríguez Zaragoza, für die erste Kontaktaufnahme, die vor etwa einem Jahr im Rahmen eines vom „Global Institute of Logistics“ veranstalteten Logistikforums mit Schwerpunkt Asien in China stattgefunden hatte.

Kanaren-Präsident Paulino Rivero, der das Forum eröffnete, ging in seiner Rede auf verschiedene Studien ein, in denen die Kanarischen Inseln als strategische Achse im Warenverkehr über Häfen mit Häfen der Größenordnung von Singapur und Miami verglichen werden. Die gute Kommunikationsinfrastruktur, die politische Stabilität und die rechtliche Sicherheit seien zusammen mit den steuerlichen Anreizen Gründe dafür. Die Positionierung der Kanaren als Hub zwischen drei Kontinenten sei schon von internationalen Organisationen wie dem Roten Kreuz und Unicef entdeckt worden, erklärte Rivero und erinnerte daran, dass verschiedene multinationale Konzerne die Inseln als Drehscheibe für die Expandierung nach Afrika nutzen. In diesem Sinne rief er die Teilnehmer des Forums dazu auf, die strategische geografische Lage des Archipels für ihre wirtschaftliche Expansion nach Amerika und Afrika – „den chancenreichen Kontinent des 21. Jahrhunderts“ – zu nutzen.

Auch Teneriffas Vize-Cabildopräsident Carlos Alonso hielt eine Ansprache zum Auftakt des Forums und erklärte, Teneriffa sei zu einem unumgänglichen Zwischenstopp auf dem Verbindungsweg zwischen Europa, Afrika und Amerika geworden. Von dieser neuen Allianz mit Asien erhoffe er sich einen Antrieb für die Entwicklung der Insel. 

Die Ausbaufähigkeit des Haupthafens von Teneriffa als Hub zwischen Asien, Südamerika und Afrika hat das Interesse der Chinesen geweckt. Dong Yanze versicherte, dass der Hafen Santa Cruz de Tenerife als Knotenpunkt beim Warentransport von China nach Westafrika Präferenz genießen werde. Er wolle die während des Forums auf Teneriffa gewonnenen Erkenntnisse über die Möglichkeiten des Hafens Santa Cruz als trikontinentale Drehscheibe an Unternehmen am Perlfluss-Delta weitergeben. Die strategische geografische Lage des Inselhafens und die steuerlichen Sonderbedingungen sowie die große Unterstützung der Behörden sind einige der Faktoren, die Santa Cruz de Tenerife aus der Sicht von Dong Yanze als Stützpunkt für den Warentransport von China nach Westafrika interessant machen.

Diese Eigenschaften hatte schon Pedro Rodríguez Zaragoza bei einer China-Reise vor über einem Jahr chinesischen Unternehmern beschrieben und stieß damit auf großes Interesse.

Potenzial zum strategischen Zentrum der Region

„Teneriffa ist kein Konzept, sondern eine Realität als strategischer Standort“, versicherte in diesem Zusammenhang auch Kieran Ring, Geschäftsführer des 2003 in New York gegründeten „Global Institute of Logistics“, dessen Ziel die Förderung eines globalen Netzwerks zur Optimierung der weltweiten maritimen Logistikkette ist. Im Fokus des „Global Institute of Logistics“ steht dabei der Austausch von Informationen sowohl zwischen den Interessenvertretern innerhalb einzelner Häfen, als auch der Häfen weltweit untereinander. Kieran Ring lud die Port Authority Santa Cruz de Tenerife ein, sich diesem weltweiten Hafennetz anzuschließen, da der Hafen das Potenzial zum strategischen Zentrum der Region habe.

Platz drei der Top Containerhäfen

Shenzhen gehört zur Provinz Guangdong und ist nur durch einen Fluss von Hongkong getrennt. Die Planstadt gilt aufgrund ihres Status als Sonderwirtschaftszone als eine der bedeutendsten Städte für ausländische Investitionen und ist eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt.

1979 lebten im heutigen Stadtgebiet gerade einmal 30.000 Einwohner. Heute ist Shenzhen eine moderne Metropole mit mehr als 10 Millionen Einwohnern, die fast genauso schnell wächst wie Shanghai. Shenzhen ist die Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in China (ohne Hongkong und Macao). Tragsäule der lokalen Wirtschaft ist die Elektronik- und Telekommunikationsindustrie.

Der Hafen von Shenzhen verfügt über eine Küstenlänge von 22.149,7 Metern mit insgesamt 140 Schiffsliegeplätzen. Mit einem Containerumschlag von 3,53 Millionen TEU allein in den ersten zwei Monaten 2013 – sechs Prozent mehr als 2012 –  ist Shenzhen noch vor Hongkong auf Platz drei der Top Containerhäfen der Welt. Quelle: Wikipedia




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