Häuser-TÜV sorgt für Unmut


11.000 Bußgeldandrohungen von 1.300 Euro wurden in Santa Cruz verschickt

Um „die Bauwirtschaft anzukurbeln und allen eine menschenwürdige Wohnung zu garantieren“ wurde in Santa Cruz 2013 eine Verordnung verabschiedet, die vorschreibt, dass Hauseigentümer für alle Gebäude der Stadt, die über 50 Jahre alt sind, eine technische Überprüfung durchführen lassen müssen.

Dieser „Service“ muss von Baufachleuten durchgeführt werden. Die Kosten können je nach Größe des Hauses und Gutdünken des Prüfers zwischen 70 und 400 Euro betragen. Werden Mängel festgestellt, sind diese umgehend zu beheben. Zum 31. Dezember läuft für alle Gebäude, die im Zeitraum 1953 bis 1958 oder 1964 errichtet wurden, die Frist für die ITE (Inspección Técnica de Edificios) ab. Von den etwa 6.300 betroffenen Häusern wurden bisher erst 600 geprüft.

An die Besitzer der restlichen ca. 5.700 Häuser wurden nun 11.000 Briefe verschickt. Darin wird an die Verpflichtung zur ITE erinnert, eine Sonderfrist von zwei Monaten eingeräumt und mit Bußgeldern gedroht, bis 100 qm 1.300 Euro, bis 500 qm 3.800 Euro, über 1.000 qm 9.600 Euro. Diese Briefe lösten unter den Einwohnern der Stadt große Empörung aus, weil sie sich finanziell bedrängt und in ihrer Privatsphäre gestört fühlen und weil damit Betrügern Tür und Tor geöffnet wird, mit der Angst vor hohen Geldstrafen überhöhte Preise abzupressen. Mitten in der Krise werden so auch Menschen, die gerade eben ihr Haus halten können, unabsehbare Kosten aufgebürdet, die dazu führen können, dass sie ihr Heim verlieren.

Einige Eigentümer, deren Häuser durch den letzten großen Regen unbewohnbar wurden, weil die Stadt durch Baumaßnahmen die Wasserführung verändert hatte, haben keine Hilfen, jedoch auch einen der 11.000 Briefe erhalten.

Die Stadt hat sich mittlerweile entschuldigt und die Frist auf acht Monate erhöht.




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