Granadilla erwartet das erste Schiff


© Puertos de Tenerife

Ab November soll der Betrieb nach und nach aufgenommen werden

Die Arbeiten am Industriehafen von Granadilla gehen zügig voran. Der Hafen soll im kommenden Jahr fertiggestellt werden, doch dieser Tage kündigte Ricardo Melchior, Präsident der Hafenbehörde, die Inbetriebnahme bereits für November dieses Jahres an.

Ein Abschluss in Sicht

Nach diversen Baustopps, unter anderem wegen der eingelegten Rechtsmittel der Umweltverbände zum Schutz der Seegraswiesen oder einer vor dem Aussterben bedrohten Käferart – die in das Naturschutzgebiet von Montaña Roja umgesiedelt wurde –,  soll nun der bereits 1975 zum ersten Mal projektierte Industriehafen Granadillas im zweiten Halbjahr 2017, spätestens 2018, fertiggestellt sein und sich auf eine Fläche von 800.000 qm ausbreiten. 

Seit geraumer Zeit werden im Hauptstadthafen Teneriffas die 33 m langen Beton-Elemente für die Hafenmolen vorgefertigt, um dann nach Granadilla geschleppt zu werden. Pro Woche wird ein solches Element fabriziert. Die Schutzmole wurde bereits vor einem Jahr vollendet, bis Ende März sollen alle für die zukünftige 2,4 km lange Hafen- und Schutzmole vorgesehenen Elemente fertiggestellt sein. Dann wird mit der Fertigung der Elemente für die Verlängerung des zukünftig einen Kilometer langen Hafenkais begonnen. Dieser Tage hat die Hafenbehörde das Vergabeverfahren für diesen Teil des Projektes eröffnet und mit 7,7 Millionen Euro veranschlagt. 

Schwerpunkte Reparatur, Erdgas, Kerosin und Industrie

Im Gespräch mit der Zeitung Diario de Avisos kündigte Ricardo Melchior an, das erste Schiff werde im November in Granadilla anlegen. Kurz darauf würden die ersten Bohrinseln für Reparaturarbeiten einlaufen, für die es schon eine Warteliste gäbe. 

Laut Melchior werde der neue Hafen von Granadilla nicht in Konkurrenz mit Santa Cruz treten, auch wenn sich die Aktivitäten wahrscheinlich teils überschneiden werden. So ist auch für Granadilla die Reparatur von Bohrinseln geplant. Melchior sprach jedoch von einer „Entlastung“ des Hauptstadthafens und genügend Nachfrage für beide Häfen, schließlich würden sich für die Vielzahl von im Golf von Guinea stationierten Ölplattformen zur Wartung und Reparatur nur Südafrika, Las Palmas und Teneriffa anbieten. In den Bereich der Schiffsreparaturen, in dem Santa Cruz derzeit mit der sich im Bau befindenden Werft von Tenerife Shipyards wieder Fuß fasst, wird Granadilla jedoch auch einsteigen. Ricardo Melchior gab bekannt, man verhandele derzeit mit einem italienischen Unternehmen über ein 300 m langes Schwimmdock, welches dann das größte der Kanaren sein würde. Die Niederlassung einer Werft für Megajachten sei ebenfalls im Gespräch, es handele sich um einen ertragreichen Geschäftszweig mit großer Nachfrage. 

Daneben verwies Melchior auf die zukünftige Nutzung des neuen LNG-Terminals (LNG steht für engl. Liquefied Natural Gas). Der Bau der Anlage, in der das für den Seetransport verflüssigte Erdgas zurück in seine ursprüngliche Gasform gebracht wird, um es in das Gasnetz zu verteilen, ging mit dem Bau des Hafens in Granadilla einher. Mit dem Flüssigerdgas sollen auch hauptsächlich das Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk, ebenfalls in Granadilla, und Hotels versorgt werden.

Darüber hinaus wird es neben der Vielzahl im Industriegebiet ansässigen Betriebe auch Kraftstoffbehälter geben, um den Flughafen mit Kerosin zu versorgen, womit der Landtransport von Santa Cruz wegfallen würde. 




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.