Gott und Geld


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

Gott und Geld, das ist wohl die größte Konkurrenz im Herzen eines Menschen. Zumindest entnehmen wir das den Zeilen der Bibel. Nun hat Jesus zwar nicht wirklich etwas gegen Leute, die viel Geld haben, aber er hat durchaus etwas gegen die, die an nichts anderes mehr denken können, als eben nur an Geld und wie sie es schnellstens vermehren können.

Denn diese Menschen laufen Gefahr, das Geld zu ihrem Gott zu machen. Beide – Geld und Gott – haben nämlich eines gemeinsam: Von beiden erhoffen wir Menschen uns so viel wie Sicherheit, Anerkennung und eine glückliche und zufriedene Zukunft. Gott und Geld, diese beiden zielen eben immer auch auf unser Herz.

Wenn wir einen Geldschein genauer betrachten, dann stellen wir fest, dass er eigentlich nicht mehr ist als ein kleines Stück Papier, welches mit ein wenig Farbe bedruckt ist. Nehmen wir doch einfach mal einen 500-Euro-Schein. Ich weiß es nicht genau, aber wenn man wohl genauer hinschaut, dann kostet die Herstellung dieses Scheines wahrscheinlich nur einen Bruchteil dessen, was er nachher als Wert darstellt; vielleicht sogar nur ein paar wenige Cent. So gesehen aber ist ein solcher Geldschein doch fast nichts wert. Und doch können wir damit nachher viele Dinge kaufen: Eine günstige Waschmaschine, eine Woche Urlaub, einen preiswerten Laptop… Der wahre Wert einer Wäh­rung, der ist eigentlich unsichtbar. Er heißt nichts anderes als: Vertrauen. Woher kommt es aber nun, dieses Vertrauen, dieser unsichtbare Stoff, der auch und gerade in der Wirtschaft so wichtig ist?

Vertrauen wächst, wenn das Wort eines Managers wahr ist und die Zahlen, die er verheißt, echt sind. Wenn einer z.B. vorausschauend und nachhaltig wirtschaftet und nicht die eigene Tasche im Blick hat, sondern das Wohl aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein französischer Spitzenmanager hat es vor Jahren vorgemacht. Da er nach eigenem Bekunden ein überaus gutes Einkommen hatte, verzichtete er auf eine Abfindung in Höhe von mehr als vier Millionen Dollar zugunsten der Belegschaft seiner Firma.

Vertrauen das entsteht durch ganz einfache und alte Tugenden, die nur mitunter gerne in unserer Zeit verdrängt werden. Es sind dies: gute Ideen, Qualität und eine Menge Spaß an der Arbeit. Dieses Vertrauen wächst auch durch Menschen, die wissen, dass mein Egoismus seine Grenzen eben dort hat, wo andere durch mich Nachteile erleiden und dieses Vertrauen entsteht letztlich auch durch Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit; sowohl durch meine, wie auch durch Ihre. Das Vertrauen sinkt, wenn Politiker heute mal wieder Hü sagen und sich morgen – wegen der bald anstehenden Wahlen – lieber auf ein Hot besinnen und es nach dem Motto abläuft: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern! Vertrauen geht auch verloren, wenn an der Börse Luftnummern notiert werden, die dann wie Seifenblasen platzen oder wenn Manager Menschen trotz steigender Gewinne auf die Strasse setzen und sich dabei noch einen alles andere als kleinen Obolus in mehrfacher Millionenhöhe gewähren; wenn Aufsichtsräte nur noch auf der Suche sind, wie sie am meisten abzocken können und wenn Reiche damit drohen, wegen der Steuerzahlung ins Ausland zu wechseln oder im Nachhinein von der Steuerfahndung verschont bleiben. Bei all diesen Gegebenheiten sinkt das Vertrauen und zwar in einer Schnelligkeit und

Heftigkeit, wie der Egoismus wächst.

Als Christen sollten wir uns deshalb unserer Währung erinnern. Es ist das Brot des Lebens, das eucharistische Brot, die Hostie, die wir beim Abendmahl bzw. in der Eucharistiefeier gereicht bekommen. Hinter dieser Währung steckt Gott und seine Kraft und Jesus Christus ist dafür sogar in den Tod gegangen. Auch heute investieren viele Menschen Mühe, Engagement und manchmal sogar das Leben – allüberall auf dieser Welt: Freiwillige Ärzte in Krisengebieten, UN-Mitarbeiter in schwierigen Missionen, Pfleger und Pflegerinnen in den Seniorenheimen usw. usf. Je mehr Menschen dieser Währung vertrauen, desto besser ist es für uns alle.

Vertrauen in Gott entsteht durch die oft mühevolle Inves­tition jedes Einzelnen. Ich bin sicher, dass es sich lohnt, anderen zu helfen, auch wenn sich nicht alles und sofort für mich auszahlt. Ich setze darauf, dass Gott mit mir in dieser Welt etwas Wichtiges vor hat und dass er mich brauchen kann. Und jedes Quäntchen Liebe, das wir in dieser Welt verschenken, das zählt vor Gott bis in alle Ewigkeit.

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

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