Gott und der Humor


Gedanken für mich ­– Augenblicke für Gott

Gottesbilder sind veränderbar und deshalb hat jede Zeit auch das Gottesbild, welches ihr am ehesten entspricht. Das ist – trotz aller Schwierigkeiten, die wir bekommen, wenn wir uns von Gott ein Bild machen – enorm wichtig zu wissen.

Denn die Vorstellungen der Menschen lassen Gottesbilder nicht nur entstehen, nein, sie prägen auch unser Bild vom Menschen und sind die Ursache menschlichen Mitgefühls oder schlimmer Unmenschlichkeiten. Wenn z.B. unser Bild einen Machthaber-Gott suggeriert, dann heiligt das das Macht- und Herrschaftsverhältnis von Menschen über Menschen. Aber genau dagegen hat Jesus eindeutig Stellung bezogen, wenn er sagt: „Unter euch soll es nicht so sein wie bei den Machthabern dieser Welt, die ihre Macht über den Menschen missbrauchen.“

Welche Gottesbilder unser Jahrhundert bestimmen – ich weiß es nicht. Wird es der Gott der Solidarität sein? Der Gott der Gelassenheit oder der Gott als Mutter und Vater? Letztes Mal habe ich hier vom Gott des Internets gesprochen und heute frage ich mich: Gibt es vielleicht sogar einen Gott des Humors? Wenn ich an die Himmelfahrt Jesu denke, dann könnte ich mir durchaus vorstellen, dass Jesus geschmunzelt hat, wie er da so seine Jüngerinnen und Jünger sah, die ganz verdutzt in den Himmel starrten und nichts mehr sahen.

Können wir Christen uns unseren Gott wirklich humorvoll vorstellen? Auch außerhalb des Karnevals? Wir haben ja gelernt, über alles zu lachen; über Schäbiges und auch Heiliges – obwohl das Lachen in der Evolution ja gar nicht vorgesehen ist. Am liebsten lachen wir über die Dummheit derer, die sich selber als groß, unfehlbar oder gar heilig vorkommen. Denn das Lachen über sich selbst setzt die Fähigkeit und Offenheit zur Kritik und Selbstkritik voraus. Da kann das Lachen über religiöse Eitelkeiten und Dummheiten durchaus angebracht und lösend sein.

Aber ein Gott des Humors? Ich denke, dass das aus unserer Sicht eben genau dieses Lachen über andere und über sich selbst voraussetzt. Dass nun Gott über uns lacht, das können wir uns wahrscheinlich durchaus vorstellen. Aber über sich selbst? Weil davon in der Bibel nichts überliefert ist, brachte es heilige Mönche dazu (siehe Bernhard von Clairvaux), das Lachen als eine Gotteslästerung zu bezeichnen. Dementsprechend haben dann auch in der Folge Päpste, Bischöfe, selbst Pfarrer nur wenig Sinn für Humor entwickelt und das Lachen weitestgehend aus der Kirche verbannt. Eine der rühmlichen Ausnahmen war da Johannes XXIII. Bei seiner ersten Audienz knieten einige ganz junge Ordensschwestern verzückt vor dem Papst und erklärten ihm ihre Gemeinschaft: „Wir sind die kleinen Schwestern vom Hl. Josef.“ Worauf der Papst sagte: „Da habt ihr euch aber ganz schön frisch erhalten.“ Oder eine andere Begebenheit: Johannes XXIII. war ja nun nicht gerade ein Leichtgewicht. Nachdem ihn Träger auf dem Stuhl in den Petersdom zurückgetragen hatten (damals war das noch üblich), sagte er augenzwinkernd mit Blick auf seinen asketischen Vorgänger: „Doppeltes Gewicht macht für euch auch doppeltes Gehalt.“ Und das bekamen sie.

Vor einem Menschen, der nicht lachen kann, muss man sich hüten. Vor einem Gott, der nicht lachen könnte, müssten wir Angst haben. Der Mensch, so wird gemutmaßt, hat das Lachen bei der Entdeckung des Feuers gefunden, weil er damit die Dunkelheit und seine Angst überwinden konnte. Erst wenn der Mensch seine Ängste vor Gott ablegt und überwunden hat, kann er mit diesem Gott lachen und scherzen. Erst dann kann er wirklich mit ihm sprechen wie von Frau zu Frau oder von Mann zu Mann. Gott muss Humor haben – und wir sind ein Teil von ihm. Deshalb kann ich auch dem zustimmen, was ein Jesuit mal so formuliert hat: „Wie kann man Gott den Humor absprechen, wo er doch die Quelle aller Kreativität ist?“

Ja, wer über den Dingen steht, der kann lachen, auch über Zurücksetzungen und Beleidigungen. Gott aber steht so radikal über allem, dass er – so behaupte ich – auch über alles lachen kann, sogar über sich selbst. Wenn wir in das Himmelreich kommen wollen, dann müssen wir – wie Kinder – genau das können: Über uns selbst von Herzen lachen. Fundamentalisten haben es da schwer. Sie können weder über sich selbst, noch über ihren Glauben und schon gar nicht über Gott lachen. Aber vielleicht gibt es im Himmel ja eine Ecke, wo das Lachen über die Erlösung gelernt werden kann.

Sicherlich: Das Leben ist eine ernste Sache und der Tod ist lebensgefährlich. Aber Jesus hat beides überwunden. Das feiern wir in diesen Tagen und darüber sollten wir uns freuen, darüber sollten wir auch mal herzhaft lachen können – wie Gott auch!

Ihr

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

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