„Goldfinger“ John Palmer starb in seinem Haus in Essex


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Die Todesursache ist noch ungeklärt

John Palmer, ein Mensch der Superlative, der in seiner britischen Heimat als Kopf des größten Goldraubes aller Zeiten und hier auf Teneriffa in den 2000er-Jahren als der „König des Time-Sharing“ galt, ist im Alter von 64 Jahren verstorben. Doch über seinem Tod scheint ein ebenso dunkler Schatten zu liegen, wie über seinem Leben. Was zunächst als Herztod diagnostiziert wurde, scheint nun ein Mord zu sein.

Der aus bescheidenen Verhältnissen stammende John Palmer machte erstmals in den Achtzigerjahren weltweit Schlagzeilen. Palmer, der zu diesem Zeitpunkt bereits Eigentümer von sechs Juweliergeschäften in London war, soll 1983 am Londoner Flughafen Heathrow für den Raub von 3,5 Tonnen Gold und Diamanten verantwortlich gewesen sein. Die Beute konnte jedoch von den Fahndern niemals gefunden werden. Vermutet wird, dass er die Goldbarren eingeschmolzen hat. Der absolut gewaltlose Überfall war meisterhaft geplant, und Palmer kam mangels Beweisen niemals vor Gericht. Der Coup, der Stoff für mehrere Filme gab, verhalf ihm zu dem Spitznamen „Goldfinger“.

Anfang der Neunzigerjahre ließ John Palmer sich im Süden von Teneriffa nieder, wo er in kurzer Zeit ein Immobilien­imperium aufbaute. Sein Vermögen wurde im Jahr 2004 mit dem der englischen Königin gleichgesetzt. Mit dem Verkauf von Teilzeit-Immobilien, dem sogenannten „Time-Sharing“, soll er in wenigen Jahren 57 Millionen Euro ergaunert haben. 20.000, in der Mehrzahl englische, Urlauber und vornehmlich Rentner, erwarben Objekte, die teilweise gar nicht existierten.

In den Jahren, in denen John Palmer auf Teneriffa lebte, wuchs sein Vermögen schnell: sieben Apartmentkomplexe, Restaurants, eine Kegelbahn, eine Jacht, Flugzeug und Hubschrauber sowie sechzig Bankkonten und fünfzig Gesellschaften konnte er sein Eigen nennen.

Aber nicht nur wegen seines Reichtums machte er regelmäßig Schlagzeilen in der hiesigen Presse. Ständige Probleme mit organisierten Banden, bei denen es nicht selten zu Schießereien kam, führten 2001 schließlich zu seiner Festnahme. Baltasar Garzón war der Richter, der gegen ihn im Rahmen der „Operación Alpine“ wegen Drogenhandels, Geldwäsche, Beamtenbestechung, Dokumentenfälschung und Betrug ermittelte. 11 Personen wurden im Rahmen dieser Polizeiaktion festgenommen und 24 Hausdurchsuchungen in Playa de Las Américas und Maspalomas durchgeführt sowie 60 Bankkonten gesperrt.

Palmer wurde zu einer achtjährigen Gefängnisstrafe verurteilt und kam 2007 auf Bewährung frei.

Am 12. Juli 2007 wurde Palmer am Südflughafen von Teneriffa erneut festgenommen. Er hatte gerade einmal Zeit, aus dem Flugzeug zu steigen, als er auch schon von Beamten der Nationalpolizei im Auftrag von Baltasar Garzón verhaftet wurde. 2009 kam Palmer aus dem Gefängnis frei.

Niemals gab es Zweifel daran, dass er seine Geschäfte in all den Jahren aus dem Gefängnis weiter organisierte und leitete.

Nun starb John Palmer am 24 Juni in seinem Landhaus in Essex. Nach ersten Angaben erlag er einem Herzinfarkt. Die Ergebnisse der Autopsie weisen jedoch auf eine andere Todesursache hin: Die Gerichtsmediziner fanden eine Schusswunde in seinem Herzen. 

Nun sucht die englische Polizei den vermutlichen Täter. Die Beamten hoffen auf Zeugen, die am Tag der Tat zwischen vier und sechs Uhr Verdächtiges in der Nähe des Landhauses von Palmer gesehen haben könnten. Ein schwieriges Unterfangen, da viele Jogger und Radfahrer um diese Tageszeit in der Gegend unterwegs sind.

Wie zu Lebzeiten macht John Palmer nun auch nach seinem Tod weltweit Schlagzeilen.




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