Glaube und Fußball


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

Endlich rollt das runde Leder wieder. Vor wenigen Tagen fiel der Startschuss in die 47. Saison der Deutschen Fußball-Bundesliga und die ersten Spiele brachten auch schon die ersten Überraschungen mit sich. Was sich aber noch im Vorfeld dieser neuen Saison alles getan hat, das war auch nicht gerade von „Pappe“.

Denn noch unmittelbar bevor die Fans zum ersten Match aufbrachen, geriet der FC Schalke 04 ganz unvermittelt in die Defensive. Der Verein hat schon seit Jahrzehnten eine sogenannte „Vereinshymne“, die natürlich von den „Knappen“ und ihren Mitgliedern und Fans oft lautstark gesungen wird. Genau diese Hymne soll nun aber in einer Strophe eine grobe Unsportlichkeit gegen den Propheten Mohammed enthalten. Auch wenn nun bereits in verschiedenen Sendungen und Tageszeitungen führende Muslime dafür plädierten, den Ball flach zu halten: Der Club nahm die Kritik ernst und holte ein Gutachten ein. Laut diesem bleibt dem Verein zwar die gelbe Glaubenskarte erspart, aber die Debatte zeigt doch recht eindeutig, dass das Zusammenspiel von Fußball und Religion nicht immer ganz spannungsfrei über den alltäglichen Rasen geht.

Fromme Christen und Muslime verdrehen mitunter ganz gewaltig die Augen, wenn sie die pseudoreligiöse Verehrung mancher Fans für ihren Verein betrachten. Und auch die Funktionäre des Fußballs wollen, wenn auch aus anderen Motiven heraus, den grünen Rasen nicht zum „heiligen Rasen“ hochstilisieren. So gelten auf dem Platz ganz strikte Regeln, was das Religiöse anbetrifft. Wie heißt es in den Spielregeln der FIFA: „Spieler dürfen keine Unterwäsche mit Slogans oder Werbeaufschriften zur Schau tragen. Die vorgeschriebene Grundausrüs­tung darf keine politischen, religiösen oder persönlichen Botschaften aufweisen.“ Und weiter: „Ein Spieler, der sein Hemd oder Trikot auszieht, um Slogans oder Werbeaufschriften zur Schau zu tragen, wird vom Ausrichter des betreffenden Wettbewerbs mit einer Strafe belegt.“ Selbst das ganze Team kann aufgrund des Fehlverhaltens eines Einzelnen mit einer Strafe bedacht werden.

Diesen Passus der FIFA enthalten nun auch die Regeln des Deutschen Fußball-Bundes. Folglich sind T-Shirts mit Aufdrucken wie „Jesus lebt“, „Jesus liebt dich“ oder auch „Gott ist treu“ oder „Gott ist meine Kraft“, die ja nun in vielen Stadien schon zum gewohnheitsmäßigen Bild ge­hören, nach den Statuten des DFB unzulässig. Allerdings hat das die Südamerikaner unter den deutschen Fußball-Profis bislang wenig interessiert. Von Ze Roberto über Cacau bis hin zu Rafael gilt: Tore schießen, Trikot lüften und dann die gelbe Karte kassieren – das ist deutscher Fußball-Alltag. Eine Teamstrafe wäre zwar darüber hinaus auch noch möglich; ist mir aber bislang nicht bekannt. 

Was nun allerdings im Ernstfall passieren kann, das hat die brasilianische Nationalmannschaft im Juni beim Confederations-Cup in Südafrika erfahren müssen. Nach dem Finalsieg betete die „Selecao“ geschlossen; wie selbstverständlich in T-Shirts mit religiösen Botschaften. Dafür fing sich Brasilien prompt eine ernsthafte Ermahnung der FIFA ein. Allerdings: Die Ägypter, die bei diesem Turnier gleichfalls gemeinschaftlich auf dem Feld gebetet hatten, die wurden nach Medienberichten nicht ermahnt. Und was ist dann passiert? Im katholischen Italien witterten einige Zeitungen gleich eine ganz bösartige Grätsche gegen das Christentum. Besonders Joseph Blatter, der nicht gerade überaus beliebte FIFA-Chef, bekam sein „Fett“ weg. Dieser habe nach dem Confed-Finale die Brasilianer gerügt und davor gewarnt, Fußballspiele in religiöse Events umzuwandeln. Er werde sich dafür einsetzen, dass bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Südafrika „jede Art von religiöser Manifestation verboten“ werde. Es gebe, so wird Blatter weiter zitiert, „im Fußball keinen Platz für Religion“. Der Verband, dem er vorsteht, will diese Aussagen weder bestätigen noch dementieren. „Die FIFA ist politisch und religiös neutral“, betonte dieser Tage ein Sprecher der FIFA in Genf. Es gebe aber ein Regelwerk das eingehalten werden müsse.

Bislang stehen bei den diesbezüglichen Bestimmungen Kleidungsstücke mit religiösen Botschaften im Mittelpunkt – und nicht religiöse Gesten oder Gebete. Deshalb sehen der DFB und die UEFA auch keinen Handlungsbedarf. Auch bei Tätowierungen können sich die Spieler diesbezüglich weiter austoben. Frank Ribery vom FC Bayern München darf also weiterhin vor dem Spiel in sich versunken zu Allah beten und der aktuelle Torschützenkönig Grafite vom VFL Wolfsburg muss sein Rosenkranz-Tattoo auf dem Oberarm nicht überkleben. Rafael darf weiterhin das Kreuzzeichen machen und Spaniens Kicker würden das sowieso tun – ob gestattet oder nicht.

Ach – übrigens: Auf Schalke bleibt die Hymne wie sie ist. Ein Islamwissenschaftler konnte nämlich keine Verunglimpfung des Propheten Mohammed erkennen.

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

Diesen und frühere Artikel können Sie nachlesen unter: www.katholische-gemeinde-teneriffa.de oder www.wochenblatt.es




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