Gipfelglück für Paralympicssieger


© Michael Teuber

Deutscher Radsportprofi Michael Teuber bezwingt den Teide mit dem Rad und zu Fuß in zehn Stunden

Der an beiden Beinen gelähmte deutsche Rad-Paralympicssieger Michael Teuber hat sein Benefiz-Projekt zu Gunsten der Stiftung Deutsche Sporthilfe trotz Schlüsselbeinbruch durchgeführt. Er befuhr und bestieg unter dem Sporthilfe-Motto „Leis­tung. Fairplay. Miteinander.“ den mit 3.718 Metern höchsten Berg Spaniens, den Teide, in zehn Stunden. Die Aktion wurde von der Deutschen Telekom, den deutschen Apotheken und der Sparkasse Dachau gesponsert. Mit dem Erlös will Teuber seine erhaltenen Förderleistungen an die Sporthilfe zurückzahlen.

Das lange geplante Projekt „0-4000 mit Handicap – ohne Limits“ stand kurz vor dem Scheitern, als sich Michael Teuber gut drei Tage vor der Abreise bei den Müchener Sixdays das Schlüsselbein brach und 48 Stunden vor dem Flug operiert wurde. Wegen der zusätzlichen Beeinträchtung plante Teuber, die Tour auf zwei Etappen zu verteilen, mit der Option, es dennoch in einem Tag zu versuchen.

Michael Teuber startete im Surferparadies El Médano morgens um kurz nach sechs direkt am Meer zu seiner Benefiz-Tour auf den 3.718 Meter hohen Teide. Zu diesem Zeitpunkt war völlig unsicher, ob er die Rad-Etappe durchstehen kann und ob er rechtzeitig vor zwölf Uhr mittags am Einstiegspunkt für die weitere Besteigung des Gipfels sein würde, denn Teuber konnte in den Tagen vor der Tour lediglich eine Wanderung und eine kleine Radtour auf 2.000 Meter Höhe durchführen, um die Bewegungsabläufe zu testen.

Die ersten Stunden ging es in Begleitung des Team-Fahrzeugs mit Ehefrau Susanne und Berg-Experte Sepp Heigenhauser aus Reit im Winkl mit dem Rennrad durch die Dunkelheit. Bei Sonnenaufgang hatte der Rad-Profi schon die 1.000 Meter Marke passiert – es lief besser als von Sportler und Team erwartet. Dann setzten zunehmend Verspannungen ein und das Schlüsselbein schmerzte, so dass Teuber erleichtert war, sich auf 2.200 Meter Höhe mit Schmerzsalbe behandeln zu lassen und auf das Mountainbike wechseln zu können. Nach einer Abfahrt über 200 Höhenmeter musste Teuber quer durch bizarre Lavafelder im Angesicht des Vulkankegels etliche schwere Offroad-Passagen überwinden und sich weitere 500 Höhenmeter bis zum Einstieg zur Bergwanderpassage nach oben kämpfen.

Dort wartete bereits das Teamfahrzeug und das Team hielt die Bergsteigerausrüstung bereit. Sepp Heigenhauser, auch Mitglied der Bergrettung, stand mit gepacktem Rucksack und Verpflegung in den Startlöchern, denn es war kurz vor zwölf. Susanne Teuber wechselte noch den vom Schweiß durchnässten Verband an der Schlüsselbein-OP-Narbe, dann nahmen die Männer die letzten 1.300 Höhenmeter in Angriff.

Zunächst ging es flach dahin, so dass Teuber die Belastung etwas zurückschrauben und Kräfte schonen konnte. Doch bald folgte der steile Anstieg auf den eigentlichen Vulkankegel und Teuber kämpfte sich nach dem Wechsel von leichten Trekkingschuhen auf schwere Bergschuhe mit Teleskopstöcken Meter für Meter voran. Jenseits der 3.000 Höhemeter-Marke kam dann zur Erschöpfung die zunehmend dünne Luft dazu und die Schmerzen wurden durch die permanente Belastung stärker, da Teuber sich wegen seines Handicaps besonders viel über die Arme abstützen muss. Trotzdem machte Bergführer Heigenhauser immer mehr Druck, denn der Gipfel sollte vor 16 Uhr erreicht sein, um beim Absteig nicht in die Dunkelheit zu geraten. Das war der Zeitpunkt, als Teuber seine Reserven als Leis­tungssportler anzapfen und an seine absolute Grenze gehen musste. Um 16.20 Uhr erreichte Michael Teuber nach über 10 Stunden mit Rennrad, Mountainbike und Fußmarsch den Gipfel und konnte auf den 50 Kilometer entferten Startpunkt zurückblicken. Man hätte nicht tiefer starten können und man kommt nicht höher hinaus – Mission erfüllt – pures Gipfelglück für den gehandicapten Paralympicssieger.

Statement

„Es ist unglaublich. Ich habe mich so lange auf das Projekt vorbereitet und einen riesigen Aufwand betrieben. Dann stand es nach dem Schlüsselbeinbruch vor dem Aus. Ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt und die Ärzte gaben mir grünes Licht. Es war eigentlich klar, dass ich die Tour in Etappen aufteilen muss, als ich dann aber vor zwölf Uhr am Einstiegspunkt war, wollte ich es unbedingt an einem Tag schaffen. Ich bin überglücklich – für mich steht dieser Erfolg auf der gleichen Stufe wie meine Paralympicssiege. Jetzt muss ich mich erholen – vielleicht muss ich auch nochmal in den OP, denn der Titannagel im Schlüsselbein schmerzt sehr. Nächste Woche werde ich die Ausgaben zusammenzählen – ich denke es wird ein fünfstelliger Betrag für die Sporthilfe bleiben. Ich würde mich freuen, wenn die Mittel für den paralympischen Sport eingesetzt würden.“




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