Getreideanbau soll Pajares-Hütten retten


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La Orotava und Cabildo fördern Roggenanbau zur Erneuerung der Strohdächer

Einst dienten sie der Landbevölkerung von La Orotava als Unterkunft. In den kleinen strohgedeckten Natursteinhäusern, die aus einem einzigen Raum bestehen, wurde gekocht und geschlafen. Heute dienen die ehemaligen einfachen Behausungen den Bauern als Geräteschuppen, Kaninchenstall, zur Lagerung des Kartoffelvorrats oder als Weinkeller.

Mit der Zeit sind viele Pajares verfallen, einerseits weil deren Eigentümer die Instandhaltung nicht finanzieren konnten, andererseits weil kein Interesse am Erhalt der Bauten bestand. Heute sieht man das anders. Schon vor einem Jahr schlossen das Landwirtschaftsamt des Cabildos und die Stadt La Orotava ein Abkommen, um die Pajares sozusagen als „architektonisches Erbe“ zu erhalten. Eine Informationskampagne wurde gestartet, um der Bevölkerung den historischen Wert und die Bedeutung dieser einfachen Unterkünfte vor Augen zu füh­ren.

Nirgends auf Teneriffa gibt es so viele dieser strohgedeckten Häuschen wie in La Orotava – fast 300, doch nur ein kleiner Prozentsatz davon ist in einem guten Zustand. In den Pajares spielte sich früher der bäuerliche Alltag ab. Die Steinhütten hatten keine Fens­ter, nur einen Eingang. Sie blieben im Sommer angenehm kühl und im Winter wurde mit der Feuerstelle, die gleichzeitig als Kochstelle diente geheizt.

Erster Erfolg

Die Bemühungen des Cabildos und der Stadt Orotava haben in den letzten Monaten ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt, stellten der Chef des Landwirtschaftsressorts, José Joaquín Bethencourt, und Bürgermeister Isaac Valencia kürzlich fest. Sie besichtigten verschiedene Pajares, deren Strohdächer gerade neu gedeckt wurden. Erfreut stellten sie fest, dass sich die Förderung des Getreideanbaus nicht nur positiv auf den Erhaltungszustand der Strohhäuser ausgewirkt, sondern auch die Landwirtschaft in La Orotava gestärkt hat. So unterstrich Valencia, dass viele bisher brach liegende Grundstücke nun wieder bewirtschaftet werden. In den letzten Monaten haben sich knapp 20 Bauern vom Cabildo beraten lassen, um wieder Roggen anzubauen. Die Nachfrage nach Stroh für die Neudeckung von Pajares hat enorm zugenommen. Vermutlich ein Hinweis darauf, dass der Wert der historischen Behausungen erkannt worden ist.




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