Gesundheitsversorgung: Note „mangelhaft“


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Tausende protestierten in Santa Cruz gegen Mängel im kanarischen Gesundheitswesen

Dem Aufruf der Gewerkschaft UGT und des Syndikats des Krankenpersonals SAE folgten am 24. März Tausende Tinerfeños und fanden sich im Stadtpark García Sanabria in Santa Cruz zu einer Demonstration ein. Unter dem Motto „Tenerife por la salud“ (Teneriffa für die Gesundheit) gingen nach Gewerkschaftsangaben rund 10.000 Menschen – die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 7.000 – auf die Straße, um von der kanarischen Regierung endgültig eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung zu fordern.

Die Gewerkschaften bezeichnen die derzeitige Lage des Gesundheitswesens auf der Insel als „peinlich und chaotisch“ und forderten mit dieser Demo eine angemessene Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung.

Um 12.00 Uhr setzte sich der friedliche Demonstrationszug in Richtung Regierungssitz in Bewegung. An der Spitze liefen Politiker der Parteien mit, die die Demonstration unterstützten, darunter Juan Carlos Alemán (PSOE), Ignacio González Santiago (CNN) und Antonio Alarcó (PP).

Auf Schildern und Transparenten forderten die Demonstranten unter anderem „weniger Straßenbahnen und mehr Krankenhäuser“ oder „weniger Asphalt und mehr Gesundheit“. Auf einem Transparent war auch zu lesen „auf der Warteliste bis du stirbst“, in Anlehnung an die teilweise monatelangen Wartezeiten auf einen Operationstermin.

„Das individuelle Grundrecht auf Gesundheitsversorgung“

Vor dem Sitz der kanarischen Regierung fand gegen 14.00 Uhr eine Abschlusskundgebung statt. Ein 11-jähriges Mädchen und zwei bekannte Fernsehsprecher verlasen ein Manifest, das mit dem Hinweis auf „das individuelle Grundrecht auf Gesundheitsversorgung“ begann und in dem es hauptsächlich um die Unfähigkeit der kanarischen Regierung bei der Verwaltung des Gesundheitswesens und der Suche nach Lösungen für die derzeitigen Probleme ging. Den Verantwortlichen wurde fehlende Voraussicht angesichts der – auch durch Zuwanderung –  gestiegenen Einwohnerzahl vorgeworfen. Die Regierung habe bewiesen, dass sie keine Lösungen liefern kann, hieß es, denn seit vierzehn Jahren sei die Zahl der Krankenhausbetten nicht aufgestockt worden. Ebenfalls zur Sprache kamen die Überlastung der öffentlichen Krankenhäuser und der Umstand, dass präoperative Untersuchungsergebnisse oft verfallen, weil der Patient zu lange auf den OP-Termin warten muss, die Untersuchungen somit wiederholt werden müssen und das Ganze zu Unannehmlichkeiten für den Patienten, zu Zeitverlust und zusätzlichen Kosten führt.

Auch das Fehlen eines gerontologischen Vorsorgeplans im kanarischen Gesundheitssystem wurde in dem Manifest angezeigt, wodurch alte Menschen oft von privaten Gesundheitszentren, religiösen oder karitativen Einrichtungen betreut werden müssen. Allgemein kritisiert wurde auch der Personalmangel im Gesundheitwesen, die schlechten Arbeitsbedingungen des Gesundheitspersonals und der kanarischen Bevölkerung im Allgmeinen: „Wir haben das niedrigste Einkommen in Spanien, den teuersten Warenkorb und die schlechteste Gesundheitsversorgung“. Zu guter Letzt erinnerte das Manifest den amtierenden kanarischen Regierungschef Adan Martín an sein einstiges Wahlversprechen, dass diese Legislaturperiode der Gesundheit gewidmet sein würde…

Ohrfeige für die Regierung

UGT-Sprecher Francisco Bautista zeigte sich nach dem Ende der Kundgebung zufrieden mit dem Ergebnis und der Beteiligung: „Heute ist das Volk auf die Straße gegangen, kranke Menschen, Menschen in Rollstühlen und Menschen, die Angehörige verloren haben. Und sie alle haben der Regierung eine Ohrfeige verpasst und verlangt, dass endlich die Grundlagen für eine angemessene Planung geschaffen werden.“




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