Gerecht allein aus Glauben


Gedanken für mich ­– Augenblicke für Gott

„Von nichts kommt nichts! – Nichts gibt’s umsonst!“ Kennen Sie auch solche Sprüche und Aussagen? Mit Sicherheit! Schließlich gilt das ja für viele Bereiche unseres Lebens.

Eine Ware, die ich erhalten und in Empfang genommen habe, muss ich bezahlen; ohne Krankenversicherung erfolgt keine Übernahme der Kosten; das erhaltene Geschenk wird bei passender Gelegenheit zum Gegengeschenk, und nach der Einladung erfolgt die Gegeneinladung. Selbst unsere Kinder werden wie selbstverständlich in diesem Prinzip groß, und so kann ich mich noch an eine Begebenheit erinnern, wie ein elfjähriger Ministrant, dem ich die Sammelliste für die Caritas in die Hand gedrückt habe, zu mir sagte: „Wie viel Prozent bekomme ich?“ Er hat es sehr wohl verinnerlicht, dieses: Nichts gibt’s umsonst!

Wenn wir dieses Prinzip so betrachten und auf uns wirken lassen, dann spüren wir vielleicht auch, dass wir diese Maxime nur allzu gern auch auf unsere Beziehung zu Gott übertragen. Je größer dabei unsere Anliegen sind, umso größer werden unsere „Gegenleistungen“: Rosenkränze, Bußwallfahrten, Gelübde, Kerzenopfer, Geldhandel mit Antonius (dem Patron der „Schlamper“ und „Ewigsucher“)… Dies alles frei nach dem Grundsatz: „Wenn du, lieber Gott, mir diesen oder jenen Wunsch erfüllst, dann schenke ich dir – wirklich! Versprochen!“

Spüren Sie etwas? Ohne, dass wir dies vielleicht wollen oder ohne dass uns dies von Grund auf bewusst ist, sind wir mit einer solchen Verhaltensweise einem mehr als heidnischen Gottesbild verhaftet: Da ist Gott oben und der Mensch unten – und durch ein entsprechendes Opfer (sei es nun Gebet, Weihrauch, Kerze oder sonst etwas…) kann ich Gott anscheinend um- bzw. gnädig stimmen. Selbst unser christlicher Gottesdienst wird ja gelegentlich noch so begründet – frei nach der Aufforderung: Du wirst doch wohl wenigstens eine Stunde pro Woche für Gott aufbringen, wirst ihm eine Stunde opfern können!!! Ganz so, als bräuchte Gott unsere Opfer, unsere Gaben oder auch unsere Gebete.

Ich halte dagegen: Es ist genau umgekehrt! Gott selbst hat uns – Sie und mich – ein für alle Mal das Opfer aus der Hand genommen. Es gibt in unserem christlichen Glauben nur ein einziges Opfer – und das hat Gott selbst dargebracht. Wir müssen uns nicht mehr um einen gnädigen Gott bemühen – mitnichten! Er war es vielmehr, der gnädig an uns gehandelt hat und der auch weiterhin gnädig an uns handeln wird – souverän und aus freien Stücken. Nicht weil wir es „verdient“ haben – welche Anmaßung ein solcher Gedanke ist – nein, sondern weil Gott es so wollte. So und nicht anders. Paulus drückt das in einem ganz zentralen Satz seines Briefes an die Gemeinde von Rom so aus: „Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus.“ Noch einmal: Nicht wir schaffen den Frieden zwischen Gott und uns; nicht wir müssen uns um einen gnädigen Gott bemühen. Nein – Gott schenkt uns Frieden und Gnade – umsonst und völlig unverdient.

Die Frage lautet nun aber: Können wir das wirklich so annehmen? Überfordern wir uns nicht, wenn wir doch von Grund auf ganz anders gestrickt sind? Wir, die wir doch so tief davon geprägt sind, dass alles seinen Preis hat, dass es nichts, aber auch gar nichts in dieser Welt umsonst gibt!?! Wobei ich sagen muss: Eines wird schon von uns erwartet, und dieses eine bleibt auch notwendig: es ist der Glaube und das Vertrauen. Wir sind gerecht gemacht aus Glauben! Dieser große Gott, dem wir die Erschaffung allen Lebens und dieser Erde selbst zuschreiben, dieser große Gott will keine Marionetten. Er will freie Menschen; Menschen, die in Freiheit ja zu diesem seinem Angebot sagen, die sich von ihm beschenken lassen mit allem, was er zu geben hat – seiner Liebe. Ja, Gott will nichts anderes, als das, was ihn wesensmäßig ausmacht – nämlich die Liebe – an uns verschenken.

Wollen Sie jetzt wirklich noch fragen: Ja, müssen wir denn gar nicht mehr tun? Wird nicht wirklich mehr von mir, von uns Menschen erwartet? Gibt es das alles einfach so? Da kann dann doch aber jede und jeder machen, was sie oder er will!! Sehen Sie, und genau das stimmt eben nicht. Denn Liebe ist niemals unverbindlich, die Treue und der Glaube übrigens auch nicht.

Paulus spricht im gleichen Text von der Liebe, „die ausgegossen ist in unsere Herzen“ (Römerbrief 5,5). Diese Liebe können wir uns gar nicht verdienen, die können wir uns nur schenken lassen – so wie in jedem Gottesdienst, wenn wir mit offenen und buchstäblich leeren Händen nach vorne kommen, um ihm – Gott selbst – in Brot und Wein zu begegnen.

Herzlichst Ihr

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger




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