Gemeindebund „Mancomunidad del Norte“ löst sich auf


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Schulden in Millionenhöhe stehen noch offen

„Sie haben ihn gemeinsam getötet“ überschreibt eine hiesige Zeitung ihren Bericht über den Bund von fünfzehn Gemeinden im Norden der Insel – bekannt als „Mancomunidad del Norte“ –, der sich nach 18 Jahren in Auflösung befindet und zum 1. Januar 2011 nach dem Wille ihrer Mitglieder seine Existenz beenden wird.

Allerdings gibt es gewichtige Gründe, die der Schließung der Akte entgegenstehen, allen voran ein gewaltiger Schuldenberg. Die angeschlossenen Gemeinden schulden nämlich insgesamt satte 3,4 Millionen Euro.

Die vier Geschäftsführer, die seit der Gründung die Geschicke des Gemeindebundes geleitet haben, sind einhellig der Meinung, dass die Schulden und die Nachlässigkeit der angeschlossenen Gemeinden der Hauptgrund für das Scheitern einer guten Sache war.

Der erste Geschäftsführer, der von 1993 bis 1999 für den Verband verantwortlich war, Diego Vega, bezeichnet dessen Gründung jetzt als eine sehr fortschrittliche Idee. Die Bürgermeister, die damals beschlossen, Serviceleistungen gemeinsam zu vergeben und durchzuführen und damit Kosten zu sparen hatten eine gute Idee, die noch heute Gültigkeit hat. Das Scheitern ist der Kurzsichtigkeit einiger Politiker zuzuschreiben, die auch heute noch nicht begriffen haben, dass Gemeinsamkeit stark macht, Kosten spart und den Service verbessert. „Es ist traurig, dass gute Ideen wie die eines Städtebundes durch politische Kurzsichtigkeit verloren gehen“, sagte er wörtlich.

Der ehemalige sozialistische Bürgermeister von La Guancha, José Bernardo Grillo stand dem Bund von 1999 bis 2003 vor. Die schlechte Zahlungsmoral der angeschlossenen Gemeinden ist der Schlüssel für das Scheitern, darin ist er sich mit Diego Vega einig. Er hält es für einen historischen Irrtum und einen Widerspruch in sich, wenn der Verband jetzt liquidiert wird. „Überall schließt man sich zusammen nur hier will man auseinander gehen. Mancomunidad del Norte ist heute wichtiger denn je, allerdings dürfen die Gemeinden nicht die Serviceleistungen in Anspruch nehmen und dann nicht dafür bezahlen“.

Von 2003 bis 2007 leitete der Ex-Bürgermeister von Los Realejos, José Vicente González die Geschicke des Verbandes und von 2007 bis im vergangenen Monat der Liquidationsausschuss eingesetzt wurde, der Präsident der Kanarischen Koalition der Gemeinde Alfonso Fernández. Der Verband wurde bereits vor drei Jahren zum Scheitern verurteilt, als er die Leitung übernahm, erklärte er jetzt. Neben den Schulden der Gemeinden für erhaltene Dienstleistungen existierte auch noch ein Kredit in Höhe von 1,3 Millionen Euro. Der konnte inzwischen bis auf 600.000 Euro zurückgezahlt werden. Auch er ist der Meinung, dass sich der Bund noch bester wirtschaftlicher Gesundheit erfreuen würde, wenn die Gemeinden korrekt die erhaltenen Leistungen bezahlt hätten. „Wir haben ihn gemeinsam umgebracht“, ist auch seine Meinung.

Der Gemeindebund wurde 1992 auf Betreiben von den sozialistischen Bürgermeistern von Los Realejos, Icod, Garachico, Buenavista, La Guancha und La Matanza ins Leben gerufen. Das Ziel war, gemeinsam kommunale Probleme zu lösen und die sozio­öko­nomische Situation des Inselnordens zu verbessern. Doch dieser Zusammenschluss, der unter sozialistischen Vorzeichen stand, erregte das Misstrauen der Gemeinden, die von der damaligen ATI (Unabhängige Teneriffas) der heutigen Kanarischen Koalition regiert wurden. Sie bezeichneten den Bund als „Parallel-Cabildo“ und als politisches Druckmittel. Mit dem politischen Wechsel in den meisten Gemeinden nach den verschiedenen Kommunalwahlen änderte sich auch jeweils der Standpunkt sprich die Zahlungswilligkeit gegenüber dem Verband.

Diese überkommunale Einrichtung vertrat über 70.000 Bürger. In den vergangenen 17 Jahren wurden Hunderte von Zeitarbeitsplätzen geschaffen und viele Millionen aus den Fonds der Europäischen Union verwaltet. In den besten Zeiten waren bis zu 15 Projekte und Service-Einrichtungen gleichzeitig in Betrieb während es jetzt nur noch vier sind. Durch den Zusammenschluss konnten die Gemeinden an Subventionen der EU gelangen, die eigentlich nur für Städte und Gemeinden mit Bevölkerungszahlen zwischen 50.000 und 100.000 vorgesehen waren.




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