Gemeinde will Lizenz für Wirtschaftsbetriebe entziehen


Angestellte halten das Ultimatum für eine leere Drohung

Es vergeht kaum eine Woche ohne neue Meldungen über die Streitigkeiten zwischen Ródano, Konzessionärin der ehemaligen Wirtschaftsbetriebe der Stadt Puerto de la Cruz Pamarsa und dem Bürgermeisteramt der Touristenstadt, die bedauerlicherweise auf dem Rücken der 65 Angestellten ausgetragen werden.

Das Wochenblatt hat dieses Thema immer wieder aufgegriffen. Seit Ende 2009 kämpfen die Mitarbeiter von Ródano um die Zahlung ihrer Löhne, mit denen ihr Arbeitgeber nach wie vor fünf Monate im Rückstand ist.

Bei seiner Amtsübernahme nach dem Sturz der sozialistischen Bürgermeisterin Lola Padrón im Herbst letzten Jahres hatte Marcos Brito vollmundig versichert, die Angelegenheit schnell beizulegen. Doch inzwischen ist ein Jahr ins Land gegangen ohne dass die Angestellten, in ihrer Mehrzahl Familienväter, zu ihrem Recht gekommen sind.

Von eingangs noch freundschaftlichen Verhandlungen über Lösungsmöglichkeiten ist der Umgangston inzwischen wesentlich rauer geworden. So haben Bürgermeister Marcos Brito und seine „Finanzministerin“ Sandra Rodriguez kürzlich mitgeteilt, man denke darüber nach, dem Unternehmen die Lizenzen zu entziehen, wenn es nicht umgehend die 1,4 Millionen Euro an die Sozialversicherung zahlt, die sie dort inzwischen schuldet und eine Frist bis zum 23. Oktober gesetzt. Ródano dagegen ist der Meinung, das sei Sache der Stadt. Die Mitarbeiter der Firma halten das Ultimatum der Gemeindeverwaltung jedoch für eine leere Drohung.

Jetzt haben die Verantwortlichen der Pächterfirma sozusagen zum Gegenschlag ausgeholt und die Aufkündigung des Vertrages von 2006 angedroht, der eine Laufzeit von 15 Jahren hat. Ródano verlangt dafür eine Entschädigung von Höhe von 11,4 Millionen Euro und hat dafür eine rechte Milchmädchenrechnung aufgemacht: 4,2 Millionen Euro schuldet ihr die Gemeinde für Investitionen, die bei der Übernahme der Wirtschaftsbetriebe angefallen sind, um sie in Gang zu bringen sowie für „wirtschaftliches Ungleichgewicht“. Die restlichen 7,1 Millionen Euro verlangt sie für entgehende Gewinne in der Restlaufzeit der Verträge.

Zu den Geschäftsbetrieben, die Gegenstand des besagten Vertrages sind, gehören die Bar Dinámico auf der Plaza del Charo, die Wirtschaftsbetriebe an der Playa Jardín einschließlich der Vermietung von Sonnenliegen und -schirmen, die Cafetería in Taoropark sowie die beiden Cafeterías am Strand von San Felipe. Die drei Letzteren sind bereits seit geraumer Zeit geschlossen.

Die Geschäftsleitung hat sich jetzt direkt an die Medien gewandt und Gründe für ihre Kündigung genannt. So heißt es unter anderem, die Wirtschaftsbetriebe, die Gegenstand des Vertrags von 2006 sind, verfügten bis heute noch nicht über die vorgeschriebene Eröffnungslizenz. Außerdem stellt sie sich auf den Standpunkt, dass ihre Angestellten jeden Monat eine Lohnzahlung erhalten. Auf Anfragen musste sie allerdings einräumen, dass nach wie vor (fünf Monate) Lohnrückstände existieren. Sie vertritt die Meinung, dass die Verantwortlichen bei der Stadt überhaupt nicht ernsthaft an einer Beilegung der Streitigkeiten interessiert sind. Im letzten Jahr habe man an die zweihundert Schreiben an die Verwaltung gerichtet, nur sechs oder sieben seien überhaupt vorschriftsmäßig beantwortet worden.

Und so gehen die Schuldzuweisungen hin und her, ohne dass etwas geschieht und die bedauernswerten Angestellten warten weiterhin auf ihre fünf Monatslöhne.

Reinigungsfirma droht mit Streik

Die Angestellten der Kooperative Tarajal, die für die Stadtreinigung zuständig ist, fordern ebenfalls ihre rückständigen Löhne von fast drei Monaten. Aus diesem Grund haben sie kürzlich vor dem Rathaus eine Schweigedemonstration abgehalten. Weil die Stadt ihren Verpflichtungen gegenüber der Kooperative nicht nachkommt, kann diese die 45 Mitarbeiter nicht bezahlen. Diese einstündigen Arbeitsniederlegungen sollen jetzt mehrmals wöchentlich stattfinden, um die Öffentlichkeit auf die Notlage aufmerksam zu machen.




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