Flüchtlinge im Mittelpunkt des Sandbilds


© Ayto Orotava

Das Hauptmotiv des großen Lavateppichs ist in diesem Jahr die illegale Zuwanderung aus Afrika

Mit etwas Phantasie lässt sich bei der Betrachtung des Motivs das mathematische Symbol der Unendlichkeit, des Grenzenlosen erkennen. Und um Grenzen und deren Auswirkungen auf das Leben der Menschen auf dieser Welt dreht sich auch das Thema des diesjährigen Sandbildes, das auf dem Rathausplatz in La Orotava zu Fronleichnam angefertigt wird.

„Das diesjährige Bild soll den Betrachter zum Nachdenken anregen“, sagt Domingo González, der das Motiv mitentworfen hat.

Bereits im vergangenen Jahr überraschten die Künstler mit einem modernen Bild, das erstmals in der Geschichte auch anderen Religionen einen Platz einräumte. Tibetische Mönche wirkten an dem 975 qm großen Kunstwerk aus Lavasand mit. Auch in diesem Jahr warten die Schöpfer mit einer nahezu revolutionären Anlehnung des Bildes an das soziale Zeitgeschehen auf, denn sie machen die Thematik der illegalen Zuwanderung aus Afrika zum zentralen Thema ihres Werkes. Seitlich stellen Bilder die Ankunft der Flüchtlinge in Holzbooten und die Verzweiflung der Angehörigen in der Heimat dar. Die Kirche wird erstmals ihrer Hauptrolle in dem großen Bild beraubt und das religiöse Motiv, das traditionell das gesamte Kunstwerk beherrschte schrumpft auf eine Darstellung der Parabel des guten Samariters in der Bildmitte – Symbol der Solidarität. In kleineren Kreisen um dieses Motiv wird die Hoffnung dargestellt werden. Farblich sollen die erdigen Töne Afrikas das Bild beherrschen. Dabei kündigte Domingo González eine weitere Neuerung an. Das Bild wird bis zum 13. Juni von der Farbe Beige beherrscht sein, die über Nacht dann aber von einem anderen Farbton abgelöst werden und das Bild somit an Fronleichnam in einer neuen Farbe erscheinen wird. „Damit wollen wir den großen Unterschied zwischen dem was die Immigranten erwarten und dem was sie tatsächlich erwartet darstellen“, sagt González.

Auch Pfarrer Antonio Hernández von der Hauptkirche La Concepción zeigte sich aufgeschlossen für die zeitgenössische Gestaltung des Bildes und begrüßte die Wahl der Thematik: „Es wird für uns alle eine Überraschung sein, dass es ein sehr bewegendes Thema ist, das auch die Kirche beschäftigt.“

2,5 Tonnen Lavasand – Eintrag im Guinness Buch angestrebt

Die „Fiestas del Corpus Cristi“ oder Fronleichnam in La Orotava sind weit über die Inselgrenzen hinaus berühmt. Zum Erntedankfest schmückt jedes Jahr ein religiöses Motiv den Rathausplatz in Form eines prächtigen Sandbilds, dessen Ausmaße und perspektivische Genauigkeit verblüffend sind. Verantwortlich für das riesige Kunstwerk ist ein erfahrenes Team von „Alfombristas“, dem Besucher schon jetzt bei der Arbeit zuschauen können. Der Lavasand in den verschiedensten Farbtönen die die Natur hervorbringt, wird aus der Vulkanlandschaft der Cañadas del Teide herangeschafft – ein Privileg, das nur La Orotava genießt. Etwa 2,5 Tonnen Lavakörner werden benötigt. An dem vergänglichen Kunstwerk, das nur kurze Zeit vollständig zu bewundern ist, arbeiten über zwanzig Teppichkünstler, jeder davon hat seinen eigenen Arbeitsbereich. Das große Sandbild wird erst unmittelbar vor der Fronleichnamsprozession am 14. Juni fertig, die dann über das Kunstwerk hinwegzieht und es zerstört.

In diesem Jahr hat die Anfertigung des Sandkunstwerks für die „Alfombristas“ den besonderen Anreiz eines möglichen Eintrags in das Guinness Buch der Rekorde. Am 13. Juni, wenn das Sandbild fertig ist, wird ein Notar des Guinness den Eintrag ratifizieren. Das Bild an sich wird in diesem Jahr eine Fläche von 850 qm belegen, die restliche Fläche wird mit Zweigen von Erika-Sträuchern ausgelegt, so dass eine Gesamtfläche von 975 qm und somit das weltgrößte Bild aus Lavasand entsteht.

Während der Pressekonferenz zur Vorstellung des diesjährigen Motivs wurde auch bekannt gegeben, dass das „Museo de Alfombras“, das der Geschichte dieser Kunstwerke gewidmet ist, ab Juni für Besucher geöffnet sein wird.




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