Fast 70% weniger Bootsflüchtlinge


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Im August trafen zwei Boote mit insgesamt 15 Insassen ein, darunter ein Toter

Saint-Louis, die Stadt im Nordwesten des Senegals, stellte im Jahr 2006 einen traurigen Rekord in der Zahl der von dort abgefahrenen Cayucos auf. Die Hafenstadt löste damit die Küste des benachbarten Mauretanien ab, von wo ebenfalls fast täglich Flüchtlinge in kleinen Booten ablegten. 2006 trafen nach Auskunft des senegalesischen Innenministeriums innerhalb von neun Monaten 30.000 afrikanische Armutsflüchtlinge auf den Kanaren ein. Im selben Zeitraum 2009 hat sich diese Zahl um fast 90% verringert. Amadou Ndoye, Dozent an der University Cheik Anta Diop in Dakar erklärt dazu: „Unsere jungen Leute bleiben jetzt im Land, denn die Krise scheint in Europa schlimmer als in Afrika“.

Tatsächlich hat die illegale Zuwanderung aus Afrika in den letzten Monaten stark abgenommen. Bis vor wenigen Tagen war noch die Nachricht eine Sensation, dass im August – ein ansonsten durch die güns­tigen Wetterverhältnisse beliebter Monat für die Überfahrt – kein einziges Flüchtlingsboot aus Afrika die Inseln erreicht hatte. Am letzten Tag des Monats musste diese Nachricht dann doch noch korrigiert werden, als bei Granadilla auf Teneriffa eine Patera mit fünf Insassen ankam. Und gleich war das Drama wieder in seinem vollen Umfang präsent:  Einer der jungen Männer war wäh­rend der Überfahrt gestorben. Seine Gefährten berichteten, dass sie ihre Reise in Ad-Dakhla, im südlichen Teil der Westsahara begonnen hatten. Unterwegs waren sie in einem nur fünf Meter langen Fischerboot (Foto oben) mit einem kleinen Außenbordmotor. Die vier Überlebenden hatten großes Glück.

Auf Lanzarote traf am 31. August ebenfalls ein Boot mit Flüchtlingen aus Marokko ein.  Der Gesundheitszustand von allen zehn Insassen war nach Auskunft der Guardia Civil zufriedenstellend.

Seit Anfang dieses Jahres  sind auf den Inseln 1.646 Bootsflüchtlinge eingetroffen – fast 70 % weniger als im selben Zeitraum 2008. Allein im August letzten Jahres trafen auf dem Archipel 5.408 Afrikaner ein.

Die kanarische Ministerin für soziale Wohlfahrt, Inés Rojas, bedauerte, dass wieder ein Mann bei der Überfahrt starb und äußerte die Hoffnung, dass dies nicht der Beginn einer neuen Zuwanderungswelle ist.




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