Erstes Geld aus Madrid für Teneriffas Schienenverkehr


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Unterstützung vom Entwicklungsministerium für das Projekt

Schlappe fünf Millionen Euro hat José Blanco, Minister für Infrastrukturförderung, bei seinem jüngsten Besuch auf Teneriffa nun endlich für die geplante Nahverkehrszug­strecke in den Süden lockergemacht. Eine Summe, die tat­sächlich lächerlich wirkt angesichts der Tatsache, dass allein die Ausarbeitung des Projekts mit 31,5 Millionen Euro veranschlagt ist und das gesamte Vorhaben 1,8 Milliarden Euro verschlingen soll.

Cabildo-Präsident Ricardo Melchior gibt sich indessen zuversichtlich und freut sich über die Zuwendung. Er begründet das damit, dies sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die richtige Richtung, das ist sein seit Jahren andauernder Kampf darum, für Teneriffa und letztlich auch für Gran Canaria von Madrid als Region anerkannt zu werden, auf die auch ein Teil des spanischen Schienennetzbudgets entfallen muss.

Besonders freut ihn die Zusage von Minister Blanco, dass „etwas“ aus dem Zugverkehrsetat 2010 auf Teneriffa entfallen wird. So hat Melchior bereits für das kommende Jahr 25 Millionen Euro für das Projekt beantragt, von denen er zuversichtlich hofft, dass diese dann auch zugeschlagen werden. Damit wäre dann zumindest die Planung des Projekts finanziell gesichert. Und auch der dicke Batzen der Baukos­ten ist seiner Meinung nach machbar: „Wenn den Kanaren nach dem Einwohnerzahlenschlüssel 4 % dieses Etats zustehen, dann könnten wir nicht nur unsere Zugprojekte in den kommenden 15 Jahren verwirklicht haben, sondern sogar auch noch die von Gran Canaria mit. Auch das Entwicklungsministerium muss für das kommende Jahr mit Etatsbeschneidungen rechnen, doch 62 % dieses Etats sind für Zugverbindungen bereitgestellt – und von diesem Etat haben wir auf den Kanaren bislang noch nicht einen einzigen Euro gesehen. Insofern darf diese erste Zuwendung der Regierung in Madrid nicht unterschätzt werden. Ich denke, Madrid hat erstmals eingesehen, dass diese Züge strategisch wichtig für die Zukunft unserer Insel sind. Nun müssen wir daran arbeiten, die zuständigen Stellen von der Priorität unseres Anliegens zu überzeugen.“

„Kein ernsthafter Ökologe stellt sich gegen den Schienenverkehr“

Minister Blanco war übrigens ausgesprochen überrascht von der Klage der Umweltschützer gegen das Zugprojekt: „Immerhin sind Züge EU-weit als umweltverträgliches und nachhaltiges Transportmittel anerkannt, und es ist nicht nachzuvollziehen, aus welchem Grunde sich ausgerechnet die Umweltgruppen gegen dieses Projekt stellen.“

Auch Cabildo-Präsident Melchior äußerte sich in dieser Richtung: „Das sind die gleichen Leute, die sich gegen die Erklärung des Teide-Nationalparks zum Unesco-Naturerbe gesträubt haben. Diese Leute verdienen weder die Bezeichnung Ökologen noch die Achtung des Volkes. Kein ernsthafter Ökologe stellt sich gegen den Schienenverkehr.“

Südstrecke hat Priorität

Derzeit sieht die Planung so aus, dass zunächst der Zugverkehr von der Inselhauptstadt in den Süden vorangetrieben werden soll. Nur leicht hinterherhinken soll die Planung der Zugstrecke in den Norden bis Icod de los Vinos, die nach Darstellung von Ricardo Melchior keine nennenswerte Problematik darstellt. Schwieriger gestaltet sich die Bewältigung der rund 30 Kilometer langen Strecke nach Fonsalía. Doch auch da gibt der Cabildo-Präsident sich zuversichtlich: „Wir sprechen hier von einem langfristigen Projekt für die Zukunft, das dem Bürger der Insel ein schnelles und pünktliches öffentliches Transportwesen bieten wird.“

Auch auf die Frage, weshalb die Verbreiterung der Inselautobahnen parallel zu dem Zugprojekt geplant wird, kontert er: „Das sind alles langfristige Projekte. Die Planung für die Schnellstraße rund um die Insel begann vor 30 Jahren, für die Außenstraße vor 15 Jahren, für den Zug vor 10 Jahren. Um das alles zu schaffen, brauchen wir noch drei Legislaturperioden. Unser Verkehrsaufkommen ist zehnmal so stark angestiegen wie in allen Ländern der Welt. Deshalb brauchen wir ein vernünftiges öffentliches Verkehrswesen, das sich auf drei Säulen stützt: Taxis, Busse und Schienenverkehr. Und eine weitere Verbreiterung der Autobahnen wird erst zuletzt stattfinden. Irgendwann werden wir an dem Punkt ankommen, wo die Straßen nur noch instandgehalten werden und keine neuen mehr gebaut werden müssen.“

Der Zug kommt noch vor den Schienen

Auch für das in der Planung befindliche Schienennetzprojekt für Gran Canaria sagte José Blanco fünf Millionen Euro zu, denn auch auf dieser Insel bemühen sich die Politiker um den Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes. Langfristig soll eine Zugstrecke zunächst die Hauptstadt Las Palmas mit dem Süden der Insel und später auch mit dem Norden verbinden.

Um die Bevölkerung schon einmal an den Gedanken des Bahnfahrens zu gewöhnen wurde kürzlich im Parque de San Telmo ein Waggonmodell mit Führerstand und Abteil ausgestellt, das von interessierten Bürgern auch von innen besichtigt werden kann. Auch wenn es auf Gran Canaria längst noch keine Schienen und auch keine Bahnhöfe geschweige denn ein ausgereiftes Projekt gibt, ließen sich lokale Politiker zusammen mit José Blanco stolz vor dem Waggonmodell ablichten.




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