Erlebnisreise ins Innere Teneriffas


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Die zweitlängste Vulkanröhre der Welt, die „Cueva del Viento“, wird endlich für Besucher geöffnet

Die Kanaren sind ein wahrer Schatz der Natur und verfügen über zahlreiche natürliche Schmuckstücke. Ein Teil des Schatzes auf Teneriffa war bislang vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen, denn er liegt unter der Erde. „Licht am Ende des Tunnels“ titelte eine kanarische Tageszeitung und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Tatsächlich lag die Zukunft der längsten europäischen Lavaröhre, der „Cueva del Viento“ auf Teneriffa lange im Dunkeln.

Jahrelang wurde auf eine Eröffnung des mehrere Kilometer langen Hohlraums bei Icod de los Vinos hingearbeitet und immer wieder über einen Eröffnungstermin für Besucher spekuliert. Nun scheint es tatsächlich soweit zu sein. Am 5. Juni – am Weltumwelttag – lud das Cabildo von Teneriffa zu einer Pressekonferenz und Besichtigungstour vor Ort und kündigte stolz an: „Ein Teilstück der Cueva del Viento wird in zwei Wochen für Besucher geöffnet“. Mit Erscheinen dieser Ausgabe wäre der Termin also fällig.

Teneriffas Cabildo-Präsident Ricardo Melchior, der Inselmuseumsleiter Francisco García Talavera und Icods Bürgermeister Diego Afonso unternahmen mit Pressevertretern die erste einstündige Abenteuertour durch den für Besichtigungen abgesicherten Teil der Röhre. Schutzbehelmt ließen sie sich von einem kundigen Führer durch das Labyrinth lotsen. Anschließend stellten Cabildo-Präsident und Bürgermeister der Presse auch das neu eingerichtete Besucherinformationszentrum der „Cueva del Viento“ vor, das in der Nähe des Höhleneingangs im Gebiet von Los Piquetes liegt. Von hier aus werden in den nächsten Tagen die ersten Gruppenführungen starten. Interessierte müssen sich im Rathaus von Icod de los Vinos für eine dieser Führungen anmelden. Vorerst werden nur kleine Gruppen von bis zu 15 Personen eine Besuchergenehmigung erhalten, kündigte Melchior an. Im Besucherzentrum werden der Gruppe die Besonderheiten der „Cueva del Viento“ erklärt. Mit einem Bus geht es dann zum Tunneleingang und die Führung beginnt. Zunächst wird nur ein kleiner Teil des labyrinthartigen Lavatunnels zur Besichtigung freigegeben. Etwa 180 m lang ist das Teilstück, das besucht werden kann.

Inselmuseumsleiter Francisco García Talavera erklärte bei der Pressekonferenz, dass die „Cueva del Viento“ in den letzten fünf Jahren sicherheitstechnisch instandgesetzt wurde. Es wurden die Geländer neu gestrichen, die an manchen Stellen zur Sicherheit der Besucher installiert wurden, denn der Höhenunterschied im Inneren der Vulkanröhre beträgt bis zu 20 m. Außerdem wurde das Besucherzentrum mit neuem Bildinformationsmaterial ausgestattet und die Toiletten renoviert. Dennoch erklären diese Vebesserungen nicht die jahrelange Verzögerung der Wiedereröffnung der Cueva.

Tunnel-Labyrinth aus Lava

Die „Cueva del Viento“ ist der längste Lavatunnel Europas und mit ihren bislang erforschten knapp 18 Kilometern Länge der zweitlängste der Welt. Experten vermuten allerdings, dass die Röhre noch länger ist. Wie alle Lavaröhren ist sie durch einen Lavafluss entstanden, der an der Oberfläche erstarrte aber im Inneren weiterfloss und so einen Hohlraum hinterließ. Wissenschaftler nehmen an, dass ihr Ursprung auf die Eruption des Vulkans Pico Viejo vor 27.000 Jahren zurückgeht.

Die Röhre verzweigt sich an vielen Stellen und in verschiedenen Höhen. Bei späteren Vulkanausbrüchen suchten sich die Lavamassen den einfachsten Weg abwärts durch vorhandene Kanäle, so wurde der Tunnel erweitert und neue Hohlräume bildeten sich.

Im Fluss erstarrte Wasserfälle aus Lava sind nur eines der vielen Naturwunder in der Cueva. Wissenschaftler fanden die versteinerten Reste von Eidechsen, die bis zu anderthalb Meter lang waren oder von Ratten, die doppelt so groß wie die heutigen Tiere waren. Abgesehen von den vielen fossilen Resten von Tieren, die Biologen fanden, beherbergt die Vulkanröhre auch etwa 190 verschiedene wirbellose Tierarten, von denen 15 der Wissenschaft zuvor unbekannt waren.

Die Temperatur im Inneren der Röhre beträgt zwischen 10 und 12 Grad Celsius bei einer recht hohen Luftfeuchtigkeit von etwa 80%. Wie eine riesige Schlange windet sich der Lavahohlraum durch das Innere Teneriffas. Gewaltige Hö­henunterschiede, große Hohlräume und niedrige Durchgänge begegnen dem Besucher. Die enorme geomorphologische Vielfalt präsentiert sich in Form von Lava-Stalaktiten, Lava-Wasserfällen, Terrassen und herabgestürzten Lavateilen.

Um die Spannung während der Besichtigungstour zu steigern, planen die Führer an einem gewissen Punkt die Besucher aufzufordern, ihre Lampen auszuschalten und so in völliger Dunkelheit und Stille zu verharren. Dabei könne herausgefunden werden, welche Besucher starke Nerven haben, stellte ein Führer schmunzelnd fest, denn die Atmosphäre wirkt dann doch etwas unheimlich.

Bei der ersten Führung für die Presse wurden viele Fragen gestellt. Der scheinbar alles wissende Führer wunderte sich allerdings, warum sich niemand nach der Herkunft des Namens „Cueva del Viento“ (Höhle des Windes) erkundigte. Die Erklärung hatte er sogleich parat. Die Vulkanröhre hat mehrere Eingänge und somit auch mehrere „Löcher“ an die Oberfläche, durch die Luft ins Innere strömt. Daher auch das leichte Summen, das zum Teil zu hören ist. Aus diesem Grund wird die Zahl der Besucher bei jeder Tour auch auf 15 beschränkt, um die Innentemperatur nicht zu beinflussen.




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