„Er hatte schon damit gedroht, sie umzubringen“


© Moisés Pérez

Die 34-jährige Emilia wurde von ihrem Ex-Freund ermordet. Der Täter nahm sich anschließend das Leben.

Ein neuer Fall von häuslicher Gewalt erschütterte Teneriffa am 20. Mai. Eine 34-jährige Frau wurde auf offener Straße von ihrem Ex-Partner mit einem Messer erstochen. Anschließend verletzte sich der 37-jährige Täter mit dem gleichen Messer tödlich.

Die Tat ereignete sich kurz nach 20.00 Uhr auf einem Parkplatz in der Straße César Manrique in Tacoronte, wo José Manuel Rodríguez seiner Ex-Freundin Emilia Esperanza Fernández auflauerte, die nach Ende ihres Arbeitstages in einem nahe gelegenen Geschäft zu ihrem Auto zurückkehrte. Dort griff er die junge Frau an und versetzte ihr die tödlichen Messerstiche in die Brust. Anschließend versteckte er sich hinter einem geparkten Wagen und stach mindestens fünf Mal mit der Tatwaffe auf sich selbst ein. Augenzeugen benachrichtigten die Polizei und versuchten vergeblich, Opfer und Täter wiederzubeleben.

José Manuel Rodríguez ist venezolanischer Abstammung und war im Ort unter dem Spitznamen „El Chamo“ ortsbekannt. Er galt als unbeherrscht und gewalttätig. Auch mit Drogen soll er gehandelt haben und mehrmals an Schlägereien auf offener Straße beteiligt gewesen sein. Er war groß und kräftig.

Emilia, von Familie und Freunden Emi genannt, hatte nach Berichten ihrer Angehörigen während der Partnerschaft mit José Manuel des öfteren Schläge bezogen. „Zu Weihnachten hat er sie verprügelt“, sagte ihr Vater der Presse. Ihr Freund wurde schnell handgreiflich und neigte bei Diskussionen auch dazu, Gegenstände und Möbel zu beschädigen. Emilia hielt es einige Monate mit ihm aus – eine Zeitlang lebten sie sogar in einer gemeinsamen Wohnung. Nach wiederholten Misshandlungen trennte sie sich von ihrem Peiniger.

José Manuel war durch die Zurückweisung offenbar gekränkt und wollte nicht wahrhaben, dass seine Beziehung mit Emilia zu Ende war. Er bedrängte sie, und nachdem Emilia ihn bei der Polizei angezeigt hatte, wurde es sogar noch schlimmer. Einmal verfolgte er sie in den Straßen von La Laguna, beschimpfte sie und traktierte sie mit Fußtritten. Danach erwirkte das Opfer bei Gericht ein Kontaktverbot. Doch „El Chamo“ kümmerte sich wenig darum und fing schon nach kurzer Zeit wieder an, Emilia nachzustellen und sie zu belästigen. Arbeitskollegen erinnern sich daran, wie er Emilia einmal bei der Arbeit „besuchte“, sie im Geschäft vor Anwesenden beschimpfte und eine Glasscheibe zerschmetterte. Emilia war verängstigt. Sie suchte eine Zeitlang Schutz in einem Frauenhaus, wo sie von einer Psychologin betreut wurde. Später kehrte sie in ihre Wohnung in La Matanza zurück.

Die Hinterbliebenen fragen sich, warum die Polizei nicht mehr unternommen hat, warum sie Emilia nicht besser geschützt und ihren wiederholten Anrufen und Anzeigen mehr Bedeutung beigemessen hat. Marcos A.A., mit dem Emilia vor „El Chamo“ eine langjährige Beziehung hatte, erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Emilia habe viele Male bei der Guardia Civil angerufen, sogar am Tag ihres gewaltsamen Todes, „doch die haben sie nicht ernst genommen und nichts unternommen“, sagte er. In einem Rundfunkinterview bedauerte Marcos: „Sie hatte es mir schon gesagt: Er wird mich umbringen. Aber ich habe ihr immer gesagt, dass kann nicht sein, wir werden dich beschützen. Aber sie sagte immer, dass es die Guardia Civil nicht gibt, sie glaubte nicht daran, dass die sie beschützen würden, und sie hatte Recht. Emi hatte in allem Recht.“

Das Opfer stand unter Polizeischutz

Erschütternd ist, dass Emilia zum Zeitpunkt ihrer Ermordung tatsächlich unter Polizeischutz stand. Durch die wiederholten Anzeigen gegen ihren Aggressor war ihr Personenschutz zugeteilt worden. Die spanische Gleichstellungsmi-nisterin Bibiana Aído räumte während einer Veranstaltung anlässlich der Europawahl ein, dass die Schutzmaßnahmen für Emilia „gescheitert sind“, und das könne sich die Staatsgewalt nicht erlauben. Die kanarische Ministerin für sozialen Wohlstand Inés Rojas teilte mit, dass Experten des Gewaltschutzes untersuchen werden, ob es sinnvoll ist, die Fälle häuslicher Gewalt zu „publizieren“, da dies scheinbar eine Kettenreaktion auslöst, denn nur acht Tage vor dem Mord an Emilia hatte sich auf der Insel ein anderer Fall häuslicher Gewalt (der ers­te mit Todesfolge in diesem Jahr) ereignet. Emilia de la Esperanza Fernández ist die zweite Frau, die in diesem Jahr auf Teneriffa von ihrem Ex-Partner ermordet wird. Am 12. Mai wurde in Guía de Isora die 45-jährige Carmen Rosa D.H. von ihrem Ex-Ehemann getötet, von dem sie sich fünf Jahre zuvor getrennt hatte.

Über 4.000 Solidaritätsbekundungen

Am 22. Mai begleiteten über 4.000 Menschen die Angehörigen von Emilia de la Esperanza in einer Demonstration gegen häusliche Gewalt im Zentrum von Tacoronte. Auch Bürgermeister Hermógenes Pérez und zahlreiche andere Stadtratsmitglieder beteiligten sich an der Kundgebung. Am Tatort in der Calle César Manrique wurden Blumensträuße niedergelegt.

Die Sprecherin des Bürgerforums gegen häusliche Gewalt, Elena Acosta, verlas ein Manifest: „(…) wir fordern, dass endlich Schluss ist mit der häuslichen Gewalt, Schluss damit, Gewaltanwendung gegen Frauen auf die leichte Schulter zu nehmen und mit anzusehen, denn diese Taten stellen einen Angriff auf das Leben, die Freiheit, die Würde und die körperliche, psychische und sexuelle Integrität der Frauen dar.“




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