Eine Nacht im Freien

Mit ihren wenigen Habseligkeiten bestiegen die jungen Männer die Busse, die sie von Puerto de la Cruz nach La Laguna brachten. Foto: Moisés Pérez

Mit ihren wenigen Habseligkeiten bestiegen die jungen Männer die Busse, die sie von Puerto de la Cruz nach La Laguna brachten. Foto: Moisés Pérez

Vermeintlich minderjährige Migranten weigerten sich, in ein Zentrum in La Laguna einzuziehen und schliefen vor dem Eingang des Hotels, aus dem sie ausquartiert worden waren

Teneriffa – Am 16. März sorgte die Verlegung von 139 afrikanischen Migranten aus einem Hotel in Puerto de la Cruz in ein Aufnahmelager in La Laguna für Aufregung. Die jungen Männer, die bei ihrer Ankunft auf den Inseln angaben, jünger als 18 Jahre zu sein und als Minderjährige registriert wurden, sollten in ein Zentrum gebracht werden, in dem erwachsene Migranten untergebracht sind. Außerdem hatte längst die Nachricht die Runde gemacht, dass in dem Migrantenlager in Las Raíces das Essen knapp und die Unterbringung schlecht sei.

Einige der jugendlichen Migranten, die sich weigerten, in das Aufnahmezentrum für Erwachsene in La Laguna verlegt zu werden. Einer von ihnen zeigt ein Dokument, das ihn als minderjährig ausweist. Foto: moisés Pérez
Einige der jugendlichen Migranten, die sich weigerten, in das Aufnahmezentrum für Erwachsene in La Laguna verlegt zu werden. Einer von ihnen zeigt ein Dokument, das ihn als minderjährig ausweist. Foto: moisés Pérez

Viele der Jugendlichen, die bis dahin im Hotel Concordia in Puerto de la Cruz untergebracht gewesen waren, sperrten sich gegen die Verlegung in das Zentrum in La Laguna. Helfer des Roten Kreuzes konnten nach Verhandlungen einen Teil davon dazu bringen, in die bereitstehenden Busse zu steigen, doch letztendlich verweigerten sich rund 50 Jugendliche. Da sie von dem Hotel nicht mehr aufgenommen wurden, mussten sie die Nacht im Freien vor dem Hoteleingang verbringen. Freiwillige und Hilfsorganisationen versorgten sie am nächsten Morgen mit Essen und Getränken.
Die Staatsanwaltschaft nahm angesichts dieser Problematik Kontakt zu Hilfsorganisationen auf und ließ prüfen, wo die vermeintlich Minderjährigen untergebracht werden könnten, bis ihr tatsächliches Alter geklärt und bestätigt ist. Da nicht ausreichend Plätze für alle gefunden werden konnten, wurden diejenigen ausgewählt, denen am eindeutigsten anzusehen war, dass sie noch nicht volljährig waren oder die ihr Alter sogar durch eine Geburtsurkunde beweisen konnten. Die übrigen jungen Männer wurden nach und nach von Helfern des Roten Kreuzes davon überzeugt, die Unterbringung in La Laguna zu akzeptieren. Hätten sie nicht eingewilligt, in das Migrantenquartier in Las Canteras einzuziehen, wären sie obdachlos auf der Straße zurückgeblieben.
Die Staatsanwaltschaft will nun die Altersüberprüfungen beschleunigen.

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