Eine Insel nahe dem Verkehrs-Kollaps


© Moisés Pérez

Allein über die Förderung des Öffentlichen Transports sind sich alle einig

Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Lösung des Stauproblems auf der Nordautobahn (TF-5) nicht zur öffentlichen Debatte gehört.

Erste Maßnahmen werden umgesetzt, neue Vorschläge unterbreitet und diskutiert. Derweil tritt nach und nach das ganze Ausmaß des Verkehrsproblems der Insel zutage. Seit Langem gibt es zu viele Fahrzeuge, die meist nur von einer Person genutzt werden, ein zu geringes Angebot an Öffentlichem Transport und eine begrenzte Straßeninfrastruktur.

650.000 Fahrzeuge

Das Straßenamt der Inselverwaltung hat ermittelt, dass auf 1.000 Einwohner 719 Fahrzeuge entfallen. Zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2010 ist der Inselfuhrpark von 500.000 auf 600.000 Fahrzeuge angestiegen. Im vergangenen Jahr belief sich die Gesamtzahl auf 650.000 Fahrzeuge. Diese bedeutende Zunahme hat das Verkehrsaufkommen enorm gesteigert. 

Die Knotenpunkten mit dem höchsten Verkehrsaufkommen sind folgende: Auf der Nordautobahn (TF-5) der Abschnitt beim Einkaufsgebiet Guajara (107.800 Fahrzeuge täglich), auf der Südautobahn (TF-1) der Abschnitt bei Radazul (86.000) und auf der Nord-Süd-Verbindungsautobahn (TF-2) der Abschnitt bei Leroy Merlin (75.000). 

Ofelia Manjón, Leiterin des Straßenamtes, erklärte vor Kurzem gegenüber einer Tageszeitung, bei der Nordautobahn handele es sich mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 100.000 Fahrzeugen am Tag um eine der meistbefahrenen Straßen Spaniens. Allerdings habe die Anzahl der Fahrzeuge, die täglich die TF-5 nutzten, infolge der Krise im Bausektor in den vergangenen Jahren leicht abgenommen, wegen des Tourismus-Booms auf dem Abschnitt zwischen Adeje und Las Chafiras auf der TF-1 dagegen zugenommen. Während im Jahr 2000 beim Südflughafen täglich 45.000 Fahrzeuge gezählt worden seien, hätte das Cabildo im vergangenen Jahr hier 52.300 Fahrzeuge am Tag verzeichnet. 

Laut Manjón stehe der Verwaltung zur Lösung des Verkehrsproblems besonders im Weg, dass die Autobahnen direkt bei Wohngebieten gebaut worden und die Möglichkeiten zur Ausweitung stark eingeschränkt seien. Dabei bestehe dringender Handlungsbedarf, um einen Kollaps abzuwenden. 

Förderung des Öffentlichen Transports

Derweil sind bereits diverse Lösungsvorschläge erfolgt, einige davon bereits umgesetzt oder fest eingeplant worden. 

Nach dem Bau der Direktanbindung zwischen der Vía de Ronda bei La Laguna und der Verbindungsautobahn sowie der Erweiterung der Fahrstreifen an den Ausfahrten beim Knotenpunkt Guajara sind nun zwei weitere Maßnahmen umgesetzt worden:

Um zu den morgendlichen Stoßzeiten die Nutzung des Öffentlichen Transports zu fördern, wurde der Fahrpreis für Titsa-Busfahrten (Linien 102, 103, 104, 106, 107, 108, 310)  vom Inselnorden nach Santa Cruz und zwischen 5.00 Uhr und 8.00 Uhr am 1. Dezember auf 1,15 Euro gesenkt. Für die aus dem Inselnorden anreisenden Studenten der Universität La Laguna (ULL) wurde ein neuer Flat-Rate-Bono (S5) für 35 Euro eingeführt. 

Ebenfalls seit 1. Dezember wird täglich zwischen 6.00 Uhr und 9.00 Uhr der zwischen der Cafetería El Búnker und dem Nordflughafen parallel zur Autobahn verlaufende Abschnitt der Landstraße TF-235 in eine Fahrspur zur alleinigen Nutzung durch Titsa-Busse umfunktioniert. Damit können die Titsa-Busse das Nadelöhr beim Golfplatz in Guamasa umfahren, was wiederum zur Nutzung des Öffentlichen Transports anregen soll. 

Konkrete und weniger konkrete Vorhaben

Mittelfristig ist weiterhin der Bau einer dritten Fahrspur im vier Kilometer langen Abschnitt zwischen Guamasa und Los Rodeos geplant. Das Cabildo geht von Kosten in Höhe von 20 Millionen Euro aus. Auch hält die Inselregierung an der Schaffung eines Busfahrstreifens von der Nordautobahn zum Umsteigebahnhof von La Laguna und eines weiteren auf einem Mittelstreifen der TF-5 fest. Langfristig denkt Inselpräsident Alonso weiterhin an die Realisierung des Nordzuges. 

Die Regionalregierung dagegen plädiert für den Bau eines „Bypasses“ um den Nordflughafen herum. Diese Lösung wird jedoch von Inselpräsident Carlos Alonso und La Lagunas Bürgermeister José Alberto Díaz abgelehnt. Alonso führte an, erst in fünf bis sechs Jahren könne die neue Verbindungsstraße zur Verfügung stehen, während Díaz die erforderliche Enteignung landwirtschaftlich genutzten Bodens nicht zulassen will. Der Bürgermeister zieht vor, die Autobahn „in den Untergrund“ zu führen, also die aktuelle Trasse zu untertunneln. La Lagunas städtischer Verkehr soll an der Oberfläche verlaufen und getrennt werden vom unterirdischen Autobahnverkehr. So stellt es sich jedenfalls Díaz vor. 

Bei einem Treffen Alonsos mit den Bürgermeistern der Gemeinden des Inselnordens wurde von Álvaro Dávila  aus Tacoronte der Vorschlag geäußert, an mehreren Stellen neben der Autobahn Parkplätze einzurichten, auf denen Pendler ihre Fahrzeuge stehen lassen könnten, um bei anderen Pendlern zuzusteigen. Der Inselpräsident erklärte sich sofort bereit, diesen Vorschlag zur Förderung von Mitfahrzentralen zu unterstützen. Alonso war ebenfalls angetan und sagte die erforderlichen Mittel zur Einrichtung solcher Parkplätze zu.

Bei dem Treffen wurde weiterhin die Neuorganisation der Busrouten im Inselnorden verabredet, um den Anwohnern der höher gelegenen Ortschaften die Nutzung des Öffentlichen Transportes zu ermöglichen und nebenbei das Verkehrsaufkommen abzubauen.      

Ofelia Manjón, Leiterin des Straßenamtes erklärte gegenüber einer Inselzeitung, das Gesundheitsressort habe angekündigt, ab März nächsten Jahres die Durchführung von Röntgen-, Ultraschall- und Facharztuntersuchungen in den Facharztzentren von La Orotava, Puerto de la Cruz und Icod de los Vinos zu verstärken, um den Patienten den Weg nach La Laguna oder Santa Cruz zu ersparen. Und nebenbei das Verkehrsaufkommen zu senken.  




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