Ein zerstörerisches und unnötiges Straßenbauprojekt


© Plataforma Icodense

Der Autobahnring von Teneriffa:

Der „Inselring“ ist eine neue Straße, die gerade in den mittleren Lagen des Nordens von Teneriffa gebaut wird. Sie führt durch malerische ländliche Bereiche mit starker landwirtschaftlicher Tradition von Icod de los Vinos nach Santiago del Teide auf der Südwestseite.

Als Rechtfertigung der Politiker und Unternehmer die dieses Projekt befürworten wird angeführt, dass das Projekt ein Punkt auf dem Programm der vergangenen Wah­len zum Regionalparlament war (natürlich ohne genauer zu erläutern worum es geht) und dass man so versucht, die Überlastung und die Schwierigkeiten, die auf der Landstraße TF-82 und auf den Nahverbindungsstraßen oberhalb von Icod de los Vinos (die täglich für die Fahrt in den Süden genutzt werden) aufgetreten sind, zu umgehen.

Dennoch hat das Projekt soziale Zurückweisung unter den Personen hervorgerufen, die nicht sehen wollen, wie die Werte verlorengehen, die ihren Vierteln Charakter verliehen haben und wie architektonische, kulturelle und natürliche Güter verschwinden, die nicht wiederherstellbar sind.

Unter den sozialen Desas­tern und den Personen und ih­ren Gütern zugefügtem Schaden sticht die Zerstörung von 110 Wohnungen und die Schädigung von mehr als 775 Familien hervor, um hier nur die direkte Beeinflussung der Leute zu nennen, deren Besitz zerstört wird. Der Rest der Bevölkerung wird mitansehen müssen, wie ihre Lebensqualität durch den Lärm, die gesteigerte Unsicherheit und den Verlust von mit der Landwirtschaft verbundenen Werten leidet, neben dem Verschwinden von alteinhergebrachten Traditionen wie der „Romería” von „El Poleo” oder „Los Hachitos”, der Zerstückelung von Ortsteilen und dem Verschwinden von traditionellen Wegen.

Unter den Umweltdesastern muss man die Schädigung von Gebieten geologischen Interesses ersten Ranges aufzählen, wie der Lavaröhre „Cueva del Viento“, der Lavazunge des Vulkans von Garachico (wie das bei dieser Regierung so üblich ist, aus dem Naturschutzgebiet Chinyero ausgeschnitten), des Naturschutzgebietes „Acantilados de La Culata” (mit seiner besonderen Flora und Fauna) oder die mögliche Zerstörung der Grundwasserversorgung des thermophilen Buschwaldes von Las Furnias im eben genannten Naturschutzgebiet. Außerdem werden auf den Kanaren geschützte Arten der Fauna und Flora, wie der Kanarenbuchfink oder die Lorbeertaube und einige in Europa geschützte Habitate in Mitleidenschaft gezogen.

Bezüglich des kulturellen Einflusses bedeutet diese Infrastruktur den Schnitt oder die Teilung von vielen Wegen, einigen alten “caminos reales” zum Kulturerbe erklärten Häusern, Dreschplätzen und Weinpressen.

Wirtschaftlich gesehen wird das landwirtschaftliche Anbaugebiet von Icod „zu Tode verletzt“, 800 Wasserstollenaktien gehen verloren und die kleinen und mittleren Firmen verlieren an Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu den großen Einkaufszentren, denen der Weg geebnet wird.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Nordens wird noch stärker geschädigt als es schon der Fall ist, indem man in voller Krise mit einem Entwicklungsmodell aus dem Süden aufmarschiert, übermäßiges Wachstum verbunden mit dem Bauwesen. Der touristische Sektor wird ebenfalls eine seiner Stärken verlieren: Die Landschaft und die Originalität einer an eine bergige und vulkanische Insel angepasste Kultur.

All dies um ein absolut unnötiges Projekt durchzuziehen, das außerdem weder die europäischen noch die nationalen Gesetze erfüllt und das einen völlig irregulären Verwaltungsablauf hinter sich gebracht hat, wobei vor allem die Vertuschung, das Fehlen der Beteiligung der Öffentlichkeit und die Misshandlung von geschädigten Personen hervorzuheben sind.

All die Zerstörung im Zusammenhang mit dem „Inselring“, die im Moment zu beobachten ist und die fortgesetzt werden wird, wenn wir es nicht verhindern, ist nur möglich geworden durch das Unterschlagen von Information vor den örtlichen Autoritäten seitens der Kanarischen Regierung, bezüglich des kulturellen, natürlichen und etnografischen Inventars. Andernfalls wäre dieses Projekt niemals durchgekommen.

Die von der Regierung ausgegebene Information war unzureichend, schlecht dokumentiert, nicht existent oder zu technisch verfasst und hat große Verwirrung in der Bevölkerung gestiftet, sowohl bei den direkt in Bezug auf ihre Personen oder ihre Güter Betroffenen, als auch in der Bevölkerung, die das Projekt befürwortet hat, weil sie nicht wusste, welches Umwelt- und Sozialdesaster damit verbunden ist.

Die Bevölkerung fordert eine vernünftige und offene Studie über diese Infrastruktur in Konsonanz mit dem Gelände, der Bevölkerung und den wirklichen kommunikativen Notwendigkeiten des Nordens, in der auch die Rehabilitation des bereits existierenden Strassennetzes als reale Alternative in Betracht gezogen und der jetzige Verlauf in Frage gestellt wird.

Ein Artikel von Plataforma Icodense Contra El Anillo Insular & Ben Magec-Ecologistas en Acción.




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