„Ein völlig illegales und unnötiges Projekt“


© Moisés Pérez

Erneuter Protest gegen Bauarbeiten zur Schließung von Teneriffas Schnellstraßenring

Trotz eines Urteils des Obers­ten Gerichtshofes der Kanaren (TSJC), mit dem das Dekret zur Enteignung betroffener Grundstücke bis auf Weiteres gestoppt wurde, gehen in den mittleren und Höhenlagen von Icod de los Vinos und Garachico die Bauarbeiten an dem sogenannten Anillo Insular bislang weiter, als sei nichts geschehen. Die Behörden präsentieren dieses öffentliche Bauprojekt, das den Inselstra­ßenring über die Gemeinden El Tanque, Los Silos und Santiago del Teide schließen soll, als wichtige Errungenschaft für die Bürger und bezeichnen den Eingriff in die Natur als „minimal“.

Umweltschützer, vor allem aber die betroffenen Anwohner darunter viele Landwirte, deren Ackerland dem Bau zum Opfer fällt, sehen dies jedoch ganz anders. Es handle sich um ein „völlig illegales und unnötiges“ Projekt, dessen verheerende Auswirkungen auf die Umwelt noch gar nicht abzusehen sind.  

Kaum einer von Teneriffas Einwohnern, geschweige denn von den zahlreichen Urlaubern, die sich hauptsächlich im Küstenbereich aufhalten, weiß um die emsige Geschäftigkeit, die sich schon seit Monaten in den mittleren und Höhenlagen von Icod und Garachico abspielt. Fernab der dicht besiedelten Inselgebiete wird nämlich ungewöhnlich schnell und entschlossen an der Schlie­ßung von Teneriffas Straßenring gearbeitet, hier als „Anillo Insular“ bekannt.

Während also an vielen Stellen Baumaschinen aller Art in teils noch unberührte Naturlandschaft Breschen für die zu­künftige Straße schlagen, fechten die zahlreichen Projektgegner einen äußerst ungleichen Kampf aus, um dieses „völlig illegale und unnötige“ Projekt doch noch zu stoppen.

Unter den Gegnern befinden sich nicht nur verschiedene Umweltschutzorganisationen, sondern vor allem auch zahlreiche Anwohner, deren Grund und Boden für den Straßenbau enteignet wurde. Trotz eines Urteils des Obers­ten Gerichtshofs der Kanaren (TSJC), mit dem das Dekret zur Enteignung der betroffenen Grundstücke bis auf Weiteres gestoppt wurde, gehen die Bauarbeiten fast überall ungestört weiter. Nach Ansicht des kanarischen Minis­teriums für Öffentliche Bauten gibt es keinen Grund für einen Baustopp, bis der TSJC sich nicht über den von der kanarischen Regierung gegen das Urteil eingelegten Rechtsbehelf geäußert hat.

In ihrer Verzweiflung und angesichts der bisherigen Un­tätigkeit von Brüssel und der spanischen Regierung haben die Projektgegner am 11. April erneut mit einer Demons­tration vor einem Regierungsgebäude in Santa Cruz de Tenerife gegen den Straßenbau protestiert.

Für sie handelt es sich nicht nur um ein „völlig illegales und unnötiges“ Projekt mit schweren Folgen für die Umwelt und die dort noch rege Landwirtschaft, sondern auch um eine Angelegenheit, die nicht zuletzt auf gesellschaftlicher Ebene äußerst schwerwiegende Folgen hat, da 101 Wohngebäude dem Straßenbau zum Opfer fallen werden.

Das Projekt

Über Icod und El Tanque soll der Auto­schnellstraßenring der Insel bis Santiago del Teide im Südwesten Teneriffas geschlossen werden. Kritiker monieren dabei nicht nur, dass durch die Verkehrsverbindung im Vergleich zu der bisherigen Lage allerhöchstens sechs Minuten Zeit gewonnen werden können. Weit schwerer wiege noch die Umweltzerstörung, nicht nur weil der Stra­ßenverlauf durch teils geschützte Gebiete führen wird, die von hohem landschaftlichem, geologischem und floristisch-faunis­tischem Wert sind.




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