Ein Urlaubsparadies wird 40


© Moisés Pérez

1966 legte der Unternehmer Rafael Puig den Grundstein für einen der größten und erfolgreichsten Urlaubsorte der Kanaren: Playa de las Américas

Santiago Puig ist besorgt um die Zukunft des Wirtschaftszweigs Tourismus im Süden Teneriffas und auf den Kanaren im allgemeinen. Und er muss es ja wissen, denn immerhin hat er nicht nur die touristische Entwicklung von Teneriffa-Süd in den vergangenen 40 Jahren miterlebt, sondern zusammen mit seinem Vater das Fundament für diese Industrie geschaffen.

Puig, der vor wenigen Wochen sozusagen als Begründer des Tourismus in Adeje zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde, feiert zwar gerne den 40. Geburtstag von Playa de las Américas mit, richtet aber auch den Blick auf die zukünftige Entwicklung. „Der heutige Markt verändert sich durch die Globalisierung, die auch auf dem Gebiet des Tourismus stattfindet, und Reiseveranstalter wie Hotelketten richten ihren Blick auf aufstrebende Ziele wie die Türkei, Tunesien, Marokko, Brasilien oder die Dominikanische Republik, in denen vor allem die Arbeitskraft billiger ist und die Regierungen alle möglichen Anreize schaffen“, gibt Puig zu bedenken. Angesichts des Vorsprungs dieser „Konkurrenten“, die zum Teil bessere Strände, noch mehr Sonne und moderne Hotels bieten, müssen sich die Kanaren nach Ansicht von Puig anstrengen, um nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. „Wenn wir mit Niedrigpreisen konkurrieren wollen, haben wir schon verloren“, warnt Puig. Vielmehr müsse das viel gepriesene Preis-Leistungsverhältnis in Playa de las Américas – und den Urlaubszielen auf den Kanaren generell – wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. „Wir müssen unsere Gäste davon überzeugen, dass die Destination Kanaren zwar teurer aber auch besser ist“, so Puig. Und die Qualität müsse in allen Bereichen verbessert werden: Dienstleistungen, Gesundheitswesen, Sicherheit, bequemere Verkehrswege und -mittel, Sauberkeit, neue Strände und Sporthäfen. Santiago Puig sieht einen Imagewechsel als Chance, um das verlorene Prestige zurückzugewinnen und die Preise erhöhen zu können, was ja letztendlich das Ziel sei.

Rückblick

Playa de las Américas und damit das ganze Urlaubsparadies um Adeje und Arona wird in diesem Jahr 40. Es war 1965, als ein kanarischer Unternehmer Santiago Puig und seinen Vater Rafael – nach ihm ist übrigens die Hauptverkehrsader von Las Américas benannt – aus Katalonien nach Teneriffa holte und ihnen seine Vision vom Süden der Insel als Urlaubsparadies ausmalte. Wie Puig heute berichtet, ließen komplett fehlende Infrastrukturen zwar bei ihm und seinem Vater Zweifel über den Erfolg dieses Projektes aufkommen. „Das traumhafte Klima, das uns schon allein wie eine nicht erschöpfbare Quelle von Reichtum vorkam, überzeugte uns aber“, erinnert sich Puig.  Trotzdem flößte die Herausforderung der touristischen Erschließung dieses Gebietes Furcht ein: fünf Millionen Quadratmeter mit einer Kapazität für rund 50.000 Hotelbetten! Und die Umsetzung war kein leichtes Unterfangen.

Heute ist Santiago Puig seinem Unternehmergeist dankbar und zufrieden mit dem Ergebnis. Gerne führt er das Beispiel der Haushaltsentwicklung an: 1966, erinnert er sich, stand der Gemeinde Adeje ein Jahresbudget von 500.000 Peseten zur Verfügung, in Arona waren es 1,5 Millionen Peseten. Heute verfügen beide Gemeinden zusammen über ein jährliches Budget  von umgerechnet 24 Milliarden Peseten. „Und alles dank des Tourismus“.

Allerdings warnt auch er vor einer Fortsetzung des Baubooms. Er bemängelt, dass das Moratorium zum falschen (zu späten) Zeitpunkt erlassen wurde und so eine Flut von Lizenzanträgen zur Folge hatte. Trotzdem sei es nicht korrekt, den Unternehmern den Vorwurf zu machen. Immerhin seien es weiterhin die Regierung und die Gemeinden, die für die Ausarbeitung der Bodenordnungs- bzw. Bebauungspläne verantwortlich sind. Sie sind es, die für eine verantwortungsbewusste und zukunftsfähige Urbanismusplanung Sorge tragen müssen, betont Puig.




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