Ein besonderes Geburtsfest


Gedanken für mich – Augenblicke für Gott

In diesen Tagen feiern wir Christen Geburtstag, den Geburtstag der weltweiten Kirche – als Gemeinschaft aller Menschen in allen Nationen und Kulturen, die an den auferstandenen Jesus Christus glauben.

Vor vielen Jahrhunderten ist sie entstanden und das feiern wir an Pfingsten. Damals war es ja überhaupt nicht sicher, ob es die Kirche jemals geben würde. Denn die Freundinnen und Freunde Jesu hatten ja eine im-mense Angst. Schließlich war der, dem sie sich ganz anvertraut hatten und dem sie nachgefolgt waren, als Staatsfeind hingerichtet worden. Sie hatten Angst, selbst verhaftet, eingesperrt und getötet zu werden, weshalb sie sich in ihren Häusern oder bei Freunden verkrochen haben. Aber ab und an versammelten sie sich hinter den verschlossenen Türen, um sich gegenseitig Mut zu machen. Und bei einem dieser Treffen, da kam der Geist Gottes über sie. Ihre Angst, die vorher ihr Verhalten bestimmt hat, war auf einmal wie weggeblasen und die Hoffnung riesengroß. Ja, wenn sie weiter im Geist Jesu miteinander leben würden, dann könnte das Leben ganz neu werden; dann könnte jede und jeder haben, was er/sie zum Leben braucht. 

Von diesem Gedanken beflügelt, gingen die Frauen und Männer mutig auf die Straßen und Plätze hinaus und erzählten von Jesus und was sie mit ihm erlebt hatten. Und was sie vorher nie für möglich gehalten hatten, trat ein: Viele der Menschen, die sie hörten, lachten sie nicht etwa aus, sondern hörten ihnen begeistert zu, ließen sich taufen und wurden Teil ihrer Gemeinschaft. So war also dieses Pfingsten vor knapp zweitausend Jahren der Entstehungs- oder eben auch der Geburtstag der Kirche.

Nun ist seitdem viel in dieser Kirche passiert. Wenn ich die eine Seite betrachte, dann sehe ich, wie in ihr aufopferungsvoll viel für Kranke getan wurde und immer noch wird und wie Sterbende begleitet werden. Immer wieder hat die Kirche furchtlos versucht, Verfolgte zu schützen und gegen jegliche Verzweiflung wieder neu Frieden zu stiften. Sie hat sich der Armen angenommen und in vielen Ländern dafür Sorge getragen, dass man sich ihrer annimmt bzw. sie versucht eine weltweite Solidarität für die Armen in Bewegung zu setzen und sie zu praktizieren. Millionen Menschen haben so von der Botschaft der Liebe gehört, vom Gott der Barmherzigkeit, der nichts anderes will, als dass menschliches Leben gelingt.

Allerdings gibt es auch die andere Seite der Kirche, die dunklen Zeiten und Kapitel in ihr. Manche haben die Kirche dazu missbraucht, eigene Machtinteressen durchzusetzen. Es ging ihnen nur um Geld und Besitz. Ja, manche in dieser Kirche haben so getan, als wären sie selbst Gott und haben behauptet, alle anderen Religionen seien zu verdammen. Und so wurde im Namen dieser Kirche gemordet und verfolgt; wurden Menschen misshandelt und missbraucht. Erschreckenderweise, wie wir diese Tage feststellen müssen, bis in unsere Zeit hinein. Viel Schaden wurde so bis heute angerichtet und trotzdem: Es gibt diese Kirche immer noch. Die Botschaft der Liebe, das Vergeben, die Hilfe – sie sind letztlich doch stärker, als alles, was Menschen negativ in ihr angerichtet und als Amtsträger in ihr verübt haben.

Wenn ich mir nun die Kirche an ihrem Geburtstag so anschaue, dann entdecke ich auch, dass sie trotz ihres Alters wahrlich nicht von gestern ist. Tausende setzen sich in ihren Gemeinden ein – auch für andere. Sie hören zu, packen mit an, helfen und teilen Freude und Leid. Aus ihrem Glauben schöpfen sie die Kraft sich in Situationen zu begeben, in denen es Menschen schlecht geht, in denen sie den Beistand und die Solidarität anderer brauchen. Diese Menschen wissen das Wort Jesu zu deuten: „Ihr seid das Licht der Welt, das Salz der Erde!“

Dieser Rückblick und die Tatsache, was vor Ort in den Gemeinden an Wertvollem geschieht, das macht mir Mut und schenkt Zuversicht – auch und gerade in diesen, für die Kirche so schwierigen Tagen. Ich jedenfalls schaue nicht mit Angst in die Zukunft, denn wenn wir als Kirche ehrlich aufarbeiten, was Einzelne in ihr an Schuld auf sich geladen haben – ohne Wenn und Aber – dann kann der Gegenwind sich in einen Rückenwind verwandeln und diese Kirche in eine gute Zukunft führen. Und was für die Kirche als Ganze gilt, das gilt natürlich auch für jede/n Einzelne/n von uns. Schauen wir nicht nur darauf, was uns in der Vergangenheit misslungen ist, sondern schauen wir darauf, was uns an so vielem Guten geglückt ist. Das gibt immer Kraft dafür, die Probleme des Heute anzugehen und sie zu bewältigen.

Gott lässt uns nicht allein – niemanden. Nicht am Geburtstag und auch und erst recht nicht in Krisenzeiten. Er hat die Kirche in ihrer langen Geschichte nicht verlassen, auch wenn sie manchmal wie von allen guten Geistern verlassen schien oder manchem heute scheint. Nein, sein guter Geist wird auch künftig Sie und mich begleiten, in allem was kommt. Und wenn er uns begleitet, dann auch diese Kirche.

In diesem Sinne Ihnen ein bewegendes und in eine gute Zukunft weisendes Pfingstfest!

Ihr

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger

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