„Du darfst“ – oder: Was Glaube mit Essen zu tun hat


Gedanken für mich ­– Augenblicke für Gott

Wir alle kennen die Produkte namens „Du darfst“ oder haben zumindest schon mal von ihnen gehört. Es handelt sich dabei um eine überaus bekannte Nahrungsmittelmarke, die leichte Kost für schwergewichtige Personen vertreibt.

Und obwohl leichte Kost auch für mich besonders empfehlenswert ist, möchte ich jetzt hier keine Schleichwerbung betreiben – das liegt mir fern. Vielmehr hat mir dieses Wort „Du darfst“,  jemand als Frucht seines bisherigen geistlichen Weges geschenkt. Und das finde ich schon erzählenswert. Nennen wir die Person einfach Pablo. Und das, was Pablo mir zum Geschenk gemacht hat, das erzählen Ihnen die nächsten Zeilen.

Das erste Wort, welches Pablo auf seinem geistlichen Weg bewusst wurde,  hieß: „Ich soll“. Ich soll beten. Ich soll die Gebote halten. Ich soll am Sonntag in die Messe gehen. Ich soll regelmäßig beichten. Ich soll freundlich und gut und stets darauf bedacht sein, ja niemandem Schaden zuzufügen. Jede und jeder von uns kennt solches Sollen. Und wenn wir ehrlich sind, dann geht es ja auch nicht wirklich ohne dieses Sollen. Nur – es macht den Glauben zu einem lästigen Pflichtenkatalog und setzt uns Menschen stetig unter Druck, einen immensen Druck. Als eine solch penetrante und beschwerliche Pflicht hat wohl vor allem Immanuel Kant das Christentum gesehen. Und leider sehen es auch heute viele noch so und wollen es viele auch genau in der Art und Weise haben. Da werden, in manch ländlich geprägten Gebieten, noch heute die Kinder vor allem deshalb in den Religionsunterricht geschickt, um sie ja „mores“, also „die guten Sitten“ zu lehren.

Die große und vor allem die befreiende Entdeckung des Glaubens, das war dann für Pablo der Schritt vom „Ich soll“ zum „Ich darf“. Ja, ich darf da sein. Ich darf so sein, wie ich bin. Gott nimmt mich so an, und er liebt mich so, wie ich bin. Ohne Vorbedingungen. Ohne Sollen. Gott sei Dank! Welch eine Befreiung – spüren Sie den Unterschied? Und was noch hinzu- kommt: Ich darf auch ganz anders sein. Ich bin nicht dazu verdammt, immer so und immer der zu bleiben, wie ich momentan bin. Nein, ich darf mich verändern. Welch eine immense und unsagbare Entdeckung, dass Gott in die Freiheit führt! Dass ER mich mehr und mehr zu mir selbst führt und so auch neu zu anderen Menschen und neu zu IHM. Ein gewaltiger und ein sagenhaft großer Schritt. Glaube ist also nicht mehr zuerst Pflicht und Last und Problem und Schwierigkeit, sondern Glaube wird vor allem und zuerst zum Geschenk und zur großen  Erleichterung und zum neuen Lebenshorizont.

„Diesen Glauben aber“, so sagte mir Pablo, „gebe ich gerne weiter. Diesen Glauben will ich anderen gerne zeigen. Ich will dir erzählen, wie er mich frei gemacht hat und glücklich. Und wenn man das erfährt, dann will man in der Beziehung zu Gott nicht stehen bleiben. Sie soll noch weiter gehen. Und das ist dann wieder ein großer Schritt“. Und diesen Schritt nannte er, den Schritt vom „Ich darf“ zum „Du darfst“. 

So entstand also eine echte Freundschaft zwischen Pablo und Gott. Zwischen ihm und Jesus. Jesus nennt uns ja auch nicht mehr Knechte, sondern seine Freundinnen und Freunde. Und ich erfahre das in meinem Leben so, dass ER bei mir bleibt und ich IHM alles sagen und mitteilen kann, auch das Unsägliche und das Unerträgliche. ER trägt es und ER steht zu mir und steht mir bei und tröstet mich und hilft mir. Wenn dieses Vertrauen wächst und so groß wird, dass ich glauben kann, dass Jesus wirklich mein Freund ist, dann darf auch ER etwas von mir wünschen und erwarten. Und weil ich weiß, dass ER gut ist, dass ER immer gut ist, darum darf er es. Dann kann aber auch ich mit Pablo sagen: „Du darfst“. Du darfst mich rufen. Du darfst mich senden. Du darfst mich binden.

Dann ist unsere Beziehung so geworden, wie sie der Ordensgründer Ignatius von Loyola in seiner Betrachtung zur Erlangung der Liebe beschrieben hat. „Das erste ist: Die Liebe muss mehr in die Werke als in die  Worte gelegt werden. Das zweite: Die Liebe besteht in der Mitteilung  (communicatio = Kommunikation) von beiden Seiten: nämlich darin, dass der Liebende dem Geliebten gibt und mitteilt, was er hat, oder von dem was er hat oder kann; und genauso umgekehrt der Geliebte dem Liebenden.“ Und das meint Ignatius zwar ganz allgemein von der Liebe zwischen Personen, aber nach seiner Erfahrung auch und gerade von unserer Beziehung zu Gott und noch vor unserer zu Gott, von Gottes Beziehung zu uns. ER teilt uns mit, und zwar nicht nur was ER hat oder kann, nein, ER teilt sich selbst mit. Das ist SEINE Sehnsucht und das ist die unsere, dass wir uns IHM ganz mitteilen können.

Freilich geht das nicht immer so einfach und friedlich und harmonisch. Wir werden immer mal wieder ganz unsicher und kleingläubig, und wir versinken in den großen Wellen, die uns umgeben und wir können dann nur schreien wie Petrus: „Herr, rette mich! Ich gehe zugrunde!“ Aber wenn ich das rufe, wird Jesus, mein Freund, sofort seine Hand ausstrecken und mich halten und herausziehen.

Dass Sie das erfahren dürfen, wie Gott Sie zu einer solch liebenden und gegenseitigen Beziehung in allen Umständen und Situationen des Lebens einlädt, das wünsche ich Ihnen.

Herzlichst Ihr

Bertram Bolz, Diakon

Kath. Touristen- und

Residentenseelsorger




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