Drei Pilzvergiftungen zu Jahresbeginn


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Lebertransplantation wegen Verzehr von Knollenblätterpilz

Zu Jahresbeginn meldete das kanarische Gesundheits­amt gleich drei Pilzvergiftungen auf Teneriffa. In einem besonders schweren Fall musste der Patient nach dem Verzehr eines grünen Knollenblätterpilzes (Amanita pahlloides) einer Lebertransplantation unterzogen werden.

Die Pilze sollen in den Höhenlagen des Gemeindegebiets von Santa Ursula gesammelt worden sein.

Zwei weitere Personen wurden wegen leichter Vergiftungssymptome medizinisch betreut. Sie hatten im Gebiet von La Esperanza Pilze einer ihnen unbekannten Art gesammelt und offenbar verzehrt. Eine Einweisung ins Krankenhaus war in diesen beiden Fällen jedoch nicht notwendig.

Aufgrund der drei aufeinanderfolgenden Fälle richtete das regionale Gesundheitsamt ein Schreiben an die Cabildos und die Gemeinden, in deren Einzugsgebiet die Pilze angeblich gesammelt worden waren, mit der Bitte, die Bevölkerung besser aufzuklären. Das Gesundheitsamt legt nahe, dass Schilder mit Warnhinweisen über die Gefährlichkeit des Verzehrs von Wildpilzen und das Pilzesammeln ohne ausreichende Fachkenntnis aufgestellt werden.

Verantwortlich für 95% der tödlich verlaufenden Vergiftungen

Pilzkenner wissen um die Gefährlichkeit dieses harmlos aussehenden Giftpilzes. Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) übertrifft sogar den allseits bekannten Fliegenpilz. Er gilt als giftigs­ter Pilz, der für 95% aller tödlich verlaufenden Vergiftungen verantwortlich ist.

Besonders tückisch ist die Tatsache, dass die Vergiftung bei dieser Pilzart in verschiedenen Phasen verläuft und der Patient in der ersten Phase, die zwischen 6 und 48 Stunden andauern kann, keinerlei Symp­tome zeigt. Das zu späte Erkennen der Vergiftung hat oftmals tödliche Folgen. Allgemein ist diese Art von Vergiftung als Phalloides Syndrom bekannt.

Der Grüne Knollenblätterpilz ist durch einen mit einer grün gefärbten Haut überzogenen Hut gekennzeichnet. An der Unterseite des Hutes befinden sich rein weiße Lamellen. Der Stiel bildet in Erdnähe eine dicke Knolle und hat eine Manschette. Der Pilz kann bis zu 15 cm hoch werden.

Die Vergiftung verläuft in verschiedenen Phasen. In einer ersten Phase, die bis zu 48 Stunden anhalten kann, zeigt der Patient keinerlei Symptome. Danach beginnt die zweite Phase, in der Bauchschmerzen und anhaltende Durchfälle gefolgt von Erbrechen, Blutdruckabfall und Pulsbeschleunigung auftreten. Dieser Zustand hält zwischen 12 und 24 Stunden an. Danach tritt meist eine vermeintliche Besserung der Beschwerden ein, doch zu diesem Zeitpunkt zeigen die Blutwerte bereits eine deutliche Leberschädigung an. In der vierten Phase kommt es zu einer gelblichen Verfärbung der Haut und der Schleimhäute. Die Leber ist auf Druck empfindlich. Es treten Bewusst­­seinsstörungen auf. Nichtbehandelte Vergiftungen können so innerhalb von einer Woche zum Tod durch Leberkoma führen.

Der Myokologische Verband Gran Canarias (Sociedad Micológica de Gran Canaria) hat mittlerweile über 600 Pilzarten auf der Insel katalogisiert und festgestellt, dass auf Gran Canaria acht tödliche Pilzarten sowie etwa 20 giftige Pilzarten wachsen. Auch auf Teneriffa gibt es einen Mykologie-Verband, den man bei Unsicherheit bezüglich der Essbarkeit von gefundenen Wildpilzen konsultieren kann (E-Mail: sociedadmicologicadetenerife@gmail.com)




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