Dramolett um den Skulpturenpark


© G.H.-Stiftung

Die Gernot Huber-Stiftung kämpft weiter um den Kunstgarten in Granadilla, dem durch ein monströses Bebauungsprojekt das Aus droht

Die Tage des Skulpturenparks auf der Finca „Los Cardones“ in Granadilla sind gezählt. Der in 19-jähriger Aufbauarbeit entstandene Kunstgarten der Gernot Huber-Stiftung ist durch ein Urbanisierungsprojekt bedroht (Wochenblatt vom 10. Januar 2007).

Das ehemals ausschließlich zur landwirtschaftlichen Nutzung freigegebene Gelände des Parks und die Umgebung wurden zu Bauland erklärt. En Projekt für den Bau von rund 4.000 Wohnungen liegt bereits vor. Der Skulpturenpark wird darin durch zwei Straßen zweigeteilt.

Vor wenigen Tagen erreichte unsere Redaktion ein Schreiben von Gernot Huber, in dem er sich einerseits für die Berichte in den Medien bedankt, die auf das Schicksal des von ihm gegründeten Skulpturenparks in San Isidro bei Granadilla aufmerksam gemacht und zahlreiche Kunstfreunde zu spontaner Hilfsbereitschaft angeregt haben. So berichtet Gernot Huber dem Wochenblatt beispielsweise, dass Winfried Bauch einen Brief an den Präsidenten des Cabildos schrieb, auf dem Wochenmarkt in Puerto de la Cruz Handzettel zur Rettung des Parks verteilte und Unterschriften sammelte. Aktiv engagiert sich auch Carlo Vernimb, ehemaliger höherer Beamter der EU in Brüssel, für die Rettung des Skulpturenparks. Er schlug beim Cabildo die Erhebung des Parks zum Weltkulturerbe der Menschheit bei der UNESCO vor. In einem Schreiben an Inselpräsident Ricardo Melchior bringt Carlo Vernimb seine Auffassung zum Ausdruck, die außerdem ein Kriterium der UNESCO erfüllt: „Das Objekt stellt ein einzigartiges Meisterstück des schaffenden Geistes des Menschen dar.“

Achtung und Unterstützung für den Skulpturenpark der Gernot Huber-Stiftung kommt aus vielen Richtungen. So berichtet Gernot Huber weiter, dass Anfang März 50 verdiente Mitarbeiter einer Kommunikationsfirma in Deutschland auf die Insel kamen, um Kunst bei kanarischen Tapas und Wein zu erleben. Ein Spanier stellt auf seiner Website www.migranadilla.com die neuesten Fotos des Skulpturenparks ins Internet, und am Tag der offenen Tür am 4. Februar 2007 nahmen wieder einige hundert Kunstliebhaber die Gelegenheit wahr, die Exponate abzuwandern. Stellvertretend für viele ein Eintrag ins Gästebuch von Horst und Ulrike Ueckermann aus Mecklenburg/Vorpommern: „Vielen Dank für dieses wunderbare Erlebnis. Ich habe noch nie so eine Einheit von Kunst und Natur erlebt. Das war mein schönstes Ferienerlebnis!!! Dieses Kleinod muss erhalten bleiben. Es tut gut zu wissen, dass Sie darum kämpfen werden.“ Doch gerade dieser Kampf wird zu dem berühmten Kampf mit den Windmühlen und gerät zu einem Dramolett, einer Mischung aus Drama und Komödie.

Gernot Huber berichtet: „Am 22. Januar fand im Cabildo unter Vorsitz des Inselpräsidenten, dessen Vize und dem deutschen Honorarkonsul Ingo F. Pangels ein Gespräch zur Rettung des Parks statt. Der Präsident war daran sehr interessiert und kreativ, machte den Vorschlag, den im Bebauungsplan von Granadilla ausgewiesenen Teil des Parks zu verkaufen, aber gleich wieder für 30 Jahre zurück zu pachten und als öffentlichen Skulpturenpark einzurichten. Dafür wollte er eine Woche später in einer erneuten Runde, erweitert um den  Bürgermeister von Granadilla, Jaime González Cejas, die Baufirma MRA aus Pamplona und deren Architekten Tabares, Fakten schaffen.

Am 5. März traf sich dieselbe Runde tatsächlich spät abends wieder im Cabildo. Die Stühle der eingeladenen und zugesagten Hauptpersonen aber blieben leer – ohne Absage. Ich hatte mehrere Tage darauf verwandt, einen großzügigen Rettungsplan zu entwerfen, der aus unserer Sammlung den bedeutendsten Kunstpark des gesamten Archipels machen könnte und erklärte mich bereit, dies mit etlichen Millionen selbst zu finanzieren und zu unterhalten. Der Cabildoarchitekt berichtete, dass die Hochhäuser inzwischen bis zu 11 (!) Stockwerke hoch werden. Unser Park würde sich also ausnehmen wie ein Mini-Centralpark in Manhattan. Präsident Melchior schlug trotzdem vor, dass wir in eine neu zu gründende kanarische Stiftung Vertreter des Bürgermeisteramtes und des Cabildos einbeziehen und mit dieser den Park verwalten sollten. Doch die Juristen wandten gleich ein, dies sei nur über eine langwierige öffentliche Ausschreibung möglich. Auf der Heimfahrt schwiegen wir uns, meine geliebte Ehefrau Gisela, seit 51 Jahren Mitstreiterin in manchem Scharmützel, und ich uns erst einmal aus, um dann in San Isidro damit heraus zu platzen: Das überleben wir nicht. Wenn schon ein vom Inselpräsidenten einberufenes Gespräch nicht zustande kommt, wie soll das dann später bei uns werden? Ich würde mich statt um Kunst und Stipendiaten nur noch um fruchtlose Verwaltungsquerelen kümmern müssen. Schenken ist offensichtlich schwieriger als nehmen. Daher unser Rückzugsschreiben, das ich dem Bürgermeister per Fax, E-Mail und am 10. März sogar persönlich bei seiner wahlwirksamen Einweihung eines Platzes in El Médano überreichen konnte. Er steckte es ohne Kommentar in seine Jackentasche, eine Antwort ist Wochen danach noch nicht eingegangen.“

Ein Lichtblick ist das Versprechen von Präsident Melchior, sich um ein dem Cabildo oder den Inselgemeinden gehörendes Ausweichgelände kümmern zu wollen. Gernot Huber und seine Frau reisten unterdessen nach Gan Canaria, um sich dort mit dem Juristen und deutschen Konsul Braun zu beraten. Bei einer Erkundungsfahrt über die Insel stellten die Hubers fest, dass auf Gran Canaria in Sachen Kunst offenbar weitaus mehr getan wird als auf Teneriffa. Fast jede Verkehrsinsel schmückt ein großes und bemerkenswertes Kunstwerk. Selbst in den kleinen Gemeinden erfreuen Plastiken auf vielen Plätzen und bleiben vor Vandalismus verschont.

Im Skulpturenpark in San Isidro nagt inzwischen der Zahn der Zeit –  oder der Sturm – an den Skulpturen. Niedergeschlagen muss Gernot Huber feststellen, dass ihm langsam der Auftrieb für die immer wieder notwendigen Reparaturen fehlt. In seinen Gedanken taucht die Frage auf: „Wofür denn noch?“ Obwohl das Grundstück eingefriedet ist, fällt die eine oder andere Plastik jetzt schon dem Vandalismus zum Opfer. Wie würde das erst sein, wenn der Park völlig offen wäre. In der Nachbarschaft liegt ein solcher Parque Público. Ziemlich heruntergekommen…

Gernot Huber richtet an dieser Stelle noch einmal einen Aufruf an Residenten und Urlauber, mit Briefen und Mails gegen das Ende des Skulpturenparks zu protestieren. Gerade jetzt, kurz vor den Kommunalwahlen (27. Mai 2007) besteht vielleicht doch noch eine Chance, dadurch an entsprechender Stelle etwas zu erreichen.

E-Mail Bürgermeister von Granadilla, Jaime González Cejas: alcaldiagranadilladeabona@org

Fax 922 75 99 65

Mehr über die Gernot Huber-Stiftung erfahren Sie auf der Website www.gernot-huber-stiftung.de




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