Die Wieder(er)findung des Karnevals


© Moisés Pérez

Auf der Suche nach neuem Antrieb für den Karneval in Puerto de la Cruz

Dass es so weit gekommen ist, dass ein Verband namens „Amigos del Carnaval“ in Puerto de la Cruz in Aktion tritt, um den Karneval in der Urlauberstadt zu seinem alten Glanz zurückzuführen, ist an sich traurig.

Hoffnunggebend ist allerdings die Tatsache, dass eine ähnliche Bürgerinitiative vor einigen Jahren zur erfolgreichen Rückgewinnung des Straßenkunstfestivals Mueca führte, das nun wieder fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders der Stadt ist.

„Der Karneval in Puerto de la Cruz ist nicht tot“ – diese Äußerung von Bürgermeisterin Sandra Rodríguez bei der diesjährigen Programmpräsentation ist bezeichnend für die schlechten Zeiten, die der Karneval in seiner einstigen Metropole im Norden der Insel Teneriffa durchlebt.

Obwohl der Karnevalszug am 21. Februar wieder Tausende Zuschauer anlockte, waren andere Karnevalsveranstaltungen und auch die Karnevalsnächte weniger gut besucht. Dabei hatte sich der Verband der Freunde des Karnevals mit recht dürftiger Unterstützung der Stadtverwaltung sehr um ein vielseitiges Programm bemüht. Das neu eingeführte Seifenkistenrennen – die „Carros locos“ – ist eine Idee des Verbands und war ein großer Publikumserfolg. Unter den weiteren Karnevalsveranstaltungen in Puerto de la Cruz hat der Wettlauf „Mascarita ponte tacón“, bei dem nur Männer zugelassen werden, auch dieses Jahr den 1. Platz auf der Beliebtheitsliste belegt. Mehrere Tausend Zuschauer verfolgten entlang der Strecke die teils kühnen Sprünge und auch Stürze der Teilnehmer in den schrillsten Kostümen auf dem Hindernisparcours – hohe Absätze sind Pflicht!

Nun hat der Verband „Amigos del Carnaval“ der Stadtverwaltung eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, um den Karneval in Puerto de la Cruz in kommenden Jahren wieder attraktiver zu gestalten. Zunächst schlagen sie vor, das Fest um eine Woche zu verlegen, um das Zusammentreffen mit Karnevalsveranstaltungen in anderen Gemeinden im Norden und vor allem in der Karnevalshochburg Santa Cruz zu vermeiden. Da am Tag des Karnevalszugs in Puerto de la Cruz parallel in Santa Cruz der Karneval mit dem „Carnaval de día“ verabschiedet wurde, ist davon auszugehen, dass dies die Besucherzahl der Veranstaltung in Puerto de la Cruz beeinflusste. Medienberichten zufolge kamen am 21. Februar 180.000 Menschen in Teneriffas Hauptstadt zusammen, wo auf verschiedenen Plätzen Livemusik gespielt wurde. Viele davon kamen aus dem Norden.

Abgesehen von der Publikumszahl würde die Verschiebung des Karnevals um eine Woche auch ermöglichen, dass sämtliche eingeladenen Karnevalsgruppen am Karnevalszug teilnehmen, was in den letzten Jahren durch das Zusammentreffen mit Veranstaltungen in anderen Gemeinden nicht möglich war. 

Weitere Vorschläge des Förderverbands des Karnevals von Puerto sind die Einrichtung eines Karnevalsmuseums in den Räumlichkeiten der Casa Ventoso, um beispielsweise die Kleider der Königinnen auszustellen, die Aufnahme des Seifenkistenrennens als festen Bestandteil des Programms und die Schaffung einer Karnevalsschule, in der verschiedene Kurse – Trommler, Texter, Kostümdesigner und Nähkurse – angeboten werden. 

Die vielleicht ausgefallenste Idee des Verbands ist ein sogenannter „Sommerkarneval“ – zwei Tage Karneval im Juli oder August, wodurch die Stadt mitten im Sommer die ungeteilte Aufmerksamkeit der Urlauber hätte und gleichzeitig die Werbetrommel für den traditionellen internationalen Karneval rühren könnte.




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