Die Veränderung der Landschaft Teneriffas


© Moisés Pérez

Der Siedlungsraum der Insel hat sich in 30 Jahren vervierfacht

Die „Königliche Wirtschaftsvereinigung der Freunde Teneriffas“ organisierte ein Seminar unter dem Titel „Planeta Tierra“, auf dem die Geschichte und die Situation der Landschaft der Insel besprochen wurde. Der wichtigste Punkt war zweifelsohne die Feststellung, dass aufgrund des starken Wachstums der Bevölkerung sich die bewohnte Fläche auf der Insel in den letzten 30 Jahren vervierfacht hat.

Sonder-Territorialplan vonnöten

Dadurch wurden Landwirtschafts- und Naturräume zurückgedrängt, so dass nun „ein spezieller Territorialplan in Gang gesetzt werden musste. Er hat das Ziel, die Verbreitung der einheimischen Pflanzenwelt zu fördern, die Küstenlandschaften zu restaurieren und mehrere Projekte zu realisieren, die der Bevölkerung zeigen, dass eine Verbesserung der Umwelt, in der sie leben, möglich ist,“ wie Fernando Ascanio Amigó sagte.

Der Seminarteilnehmer und Direktor von Zona Verde S.L. führte weiter aus, dass die höhergelegenen Landschaften „besser konserviert sind, weil die Waldnutzung stark abgenommen hat. In den Landwirtschaftszonen hingegen gingen viele alte Gebäude verloren, die durch neue ersetzt wurden, die sich nicht in die Landschaft integrieren.“

500 Jahre Besiedelung

Prinzipiell verändert jede menschliche Gesellschaft ihre Umgebung. Auf den Kanaren waren das zuerst die Ureinwohner, die mit ihrer Viehzucht für Weideflächen sorgten, aber aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte keinen gravierenden Einfluss hatten. Mit der Besiedelung durch die Spanier vor 500 Jahren begann die Gründung von Städten, die Anlage von Häfen und von Plantagen-Monokulturen. Die damit verbundenen Rodungen sowie der große Holzbedarf und -export verkleinerten die Waldflächen der Insel  bis Mitte des 19. Jahrhunderts beträchtlich.

Erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts begann man mit der konsequenten Wiederaufforstung der Höhenlagen mit kanarischen Kiefern, so dass die Waldflächen bis heute wieder enorm angewachsen sind. Auch die früher übliche Holzkohleherstellung durch zahlreiche Köhlereien wurde zum Schutz des Waldes eingeschränkt und später ganz verboten. Dieser „soziale Preis“ musste gezahlt werden, um zu garantieren, dass heute eine zusammenhängende Waldfläche sowohl den Wasserhaushalt der Insel verbessert („Wolkenmelker“) als auch vor Erosion schützt.

In den letzten Jahrzehnten sorgten dann der Tourismus und die rege Bautätigkeit für weitere Veränderungen der Landschaft, vor allem in den Küstenzonen. Der Tourismus rettete die Kanaren zwar vor der Armut und dem Hunger, die vorher geherrscht hatten, ging aber zu Lasten der natürlichen Ökosysteme. Um wirtschaftliche und ökologische Interessen in ein Gleichgewicht zu bringen, ist es nach Meinung der Experten unumgänglich, eine „nachhaltige Entwicklung“ anzustreben, die selbstverständlich von einer entsprechenden Gesetzgebung begleitet werden muss.




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