Die Natur erwacht zu neuem Leben


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Nach den verheerenden Waldbränden im letzten Sommer

Über sechs Monate sind vergangen seitdem Ende Juli schwere Waldbrände auf Teneriffa und Gran Canaria über 35.000 Hektar bewaldeter Flächen hinwegfegten und die Bevölkerung auf beiden Inseln in Angst und Schrecken versetzten.

Die „corona forestal“, die Waldkrone und grüne Lunge der Kanarischen Inseln war vom Feuer heimgesucht worden. Rund 48 Stunden dauerte es, bis die Brände unter Kontrolle gebracht werden konnten. Tausende Menschen muss­ten evakuiert werden und über 100 Familien verloren ihr Zuhause. In riesigen Gebieten ließ das Feuer nichts als verkohlte Natur und Asche zu­rück. Umfangreiche Maßnahmen waren umgehend angekündigt worden, um zu­nächst vor allem die Erosionsgefahr einzudämmen, die bei starken Regenfällen drohte, sowie die betroffenen Waldgebiete möglichst schnell wiederherzustellen.

Um sich ein Bild vom Stand der Arbeiten zu machen, trafen sich am 20. Februar Teneriffas Inselpräsident Ricardo Melchior und der Umweltbeauftragte des Cabildos, Wladimiro Rodríguez, mit Manuel Reyes, dem Bürgermeister der von den Bränden besonders stark betroffenen Gemeinde San Juan de la Rambla. Begleitet von Journalisten ging es in die völlig abgebrannten Gebiete in den Bergen der Gemeinde.

Bei der Besichtigung wurden schnell die Bemühungen der Forstarbeiter deutlich, die in den letzten Monaten in den betroffenen Gebieten im Einsatz waren. Dabei wurde der Waldboden gesäubert und mit verbrannten Ästen und kleineren Baumstämmen natürliche Barrieren, so genannte „fajinadas“ geschaffen, die das Wasser bei starken Regenfällen bremsen und so verhindern sollen, dass der Waldboden weggeschwemmt und bis in die Täler und letztlich ins Meer fließt. Den Angaben des Cabildos zufolge konnten trotz der Anstrengungen bisher nur 50% des rund 1.800 Hektar großen Gebietes auf diese Weise gesäubert werden. Das Ausbleiben starker Regenfälle im Winter hat Schlimmeres verhindert, doch wäre andererseits etwas mehr Wasser gut für die Aufforstung gewesen.

Die Kraft der Natur ist trotzdem schon jetzt überall zu sehen – grüne Triebe sprießen  aus den verkohlten Baumstämmen. „Wir brauchen nun noch mehr Feuchtigkeit, dann sind unsere Pinien im Frühling 2009 wieder grün“, sagte Melchior optimistisch. 5,7 Millionen Euro hat die Inselregierung für die Aufräumarbeiten zur Verfügung gestellt, 3,9 Millionen stammen von der Kanarischen Regierung und weitere 9,8 Millionen Euro seien seitens der Zentralregierung versprochen, bisher jedoch nicht eingetroffen.

Der Drei-Dreißig-Faktor

Melchior erinnerte an die verheerenden Umstände, die das Feuer überhaupt so stark werden ließen und die Löscharbeiten fast unmöglich machten. Der so genannte Drei-Dreißig-Faktor, also die besonders brandgefährliche, trockene Wetterlage mit Temperaturen von über 30 Grad, einer Luftfeuchtigkeit von unter 30% und Windböen über 30 km/h wurde im Sommer noch weit übertroffen. Als sich die Waldbrände verbreiteten herrsch­ten Temperaturen von über 40 Grad – und das bei einer Luftfeuchtigkeit von nur 10% und starken Winden, die bis zu 70 km/h erreichten. Dazu kam, dass die Löschtrupps starke Schwierigkeiten hatten, die betroffenen Gebiete in dem abschüssigen Gelände zu erreichen. Trotzdem sei das Feuer in 48 Stunden unter Kontrolle gebracht worden, was angesichts der Schwierigkeiten völlig akzeptabel sei, so Melchior.

Brandstifter noch nicht gefasst

Es wird angenommen, dass die Waldbrände auf Teneriffa wieder einmal auf das Konto von Brandstiftern gehen, alle aus derselben Familie, die sich in dem Gebiet gut auskennen und  schon mehrmals Feuer gelegt haben sollen. Bisher konnte diesen Personen jedoch nichts nachgewiesen werden. Ministerpräsident Rodríguez Zapatero hatte bei einem Besuch der Inseln versprochen, den berühmten Staatsanwalt auf die Kanaren zu schicken, der schon nach starken Waldbränden in Galizien erfolgreich die Pyromanen gejagt und dingfest gemacht hat. Leider wurde das Versprechen bisher nicht eingelöst. Einzig der Brandstifter, der für das Feuer auf Gran Canaria verantwortlich war, konnte gefasst werden. Er war  Mitglied der Feuerbrigade und  wollte sich für die Nichtverlängerung seines Zeitarbeitsvertrages rächen.




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