„Die Königsdisziplin ist die Sofortimplantation mit Sofortversorgung“


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Interview mit Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurg Dr. Dr. Martin Kestel

Seit 1987 praktiziert Dr. Dr. Martin Kestel als Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurg – von 1988 bis 2004 niedergelassen in Nürnberg und seit 2001 in eigener Praxis auf Teneriffa.

Zahlreiche wissenschaftliche Vorträge und Veröffentlichungen zum Thema Knochenregeneration und Knochentransplantation stammen von ihm. Außerdem ist Dr. Kestel Referent für Implantologie und führt Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Implantologie durch.

Herr Dr. Kestel, immer mehr Menschen interessieren sich für Implantate und entscheiden sich für eine solche Behandlung. Warum ist das so?

Keine Wissenschaft in der Zahnmedizin hat sich in den letzten 15 Jahren so schnell und so steil nach oben entwickelt wie die Implantologie. Implantate sind heutzutage viel besser geworden als noch vor ein paar Jahren und haben andere Behandlungsmethoden verdrängt. Der Satz: „Die schlechteste Zahnwurzel ist immer noch besser als das beste Implantat“ stimmt heute einfach nicht mehr. Wenn Implantologie seriös und richtig angewendet wird, kann man damit sehr viel Gutes für die Patienten tun.

In letzter Zeit werden immer mehr Sofortimplantationen angeboten. Was ist davon zu halten?

Zunächst muss man 2 Begriffe unterscheiden: Erstens die Sofortimplantation. Darunter versteht man das Einsetzen eines Implantates direkt nach der Zahnentfernung. Eine solche Maßnahme kann dann erwogen werden, wenn das Implantat Ähnlichkeit mit der entfernten Zahnwurzel hat. Wenn keine Infektion vorliegt, kann man bis zu 3 Monate Zeit sparen und das Gewebe um den ehemaligen Zahn bleibt besser erhalten.

Zweitens die Sofortversorgung. Dies ist eine Behandlung, bei der Kronen, Brücken oder Prothesen direkt nach der Implantation eingesetzt werden. Der technische Aufwand und das Risiko sind größer, weil Implantate in den ersten Monaten nicht falsch belastet werden dürfen. Im sichtbaren Bereich der Zähne hat diese Behandlungsform jedoch große Vorteile, weil man auch hier wieder bis zu 3 Monate Zeit sparen kann und ein herausnehmbares Provisorium entfällt.

Die Königsdisziplin ist natürlich die Sofortimplantation mit Sofortversorgung. Aber man muss abwägen. Manchmal sind Sofortimplantationen und Sofortversorgungen aufwendig und belastend – auch für den Geldbeutel – und es gibt natürlich auch einfache Zwischenlösungen.

Muss ein Knochenaufbau gemacht werden, wenn nicht genügend eigener Knochen vorhanden ist?

Ich halte nicht viel von diesen vorbereitenden Operationen, insbesondere wenn künstliches Material oder Schweineknochen oder Rinderknochen verwendet wird. Wir wissen nicht ganz genau, welche langfristigen Reaktionen im Körper stattfinden, und das Material lässt sich nicht so einfach entfernen. Qualitativ hochwertige Implantate stehen heutzutage in Varianten zur Verfügung, mit denen sich ein solcher Eingriff oft umgehen lässt.

Man hört immer wieder von Misserfolgen und Komplikationen…

Für Patienten gibt es einige Dinge, die unbedingt beachtet werden müssen: Es gibt weltweit mehr als 600 Hersteller von Implantaten. Darunter sind natürlich einige Billighersteller, die den Anforderungen in Bezug auf Qualität und Technik nicht genügen. Der Werkstoffwissenschaftler Holger Zipprich von der Universität Frankfurt/Main hat hierzu bemerkenswerte Untersuchungsergebnisse veröffentlicht, die man auch im Internet nachlesen kann. Zusammengefasst kann man sagen, dass Billigimplantate oft nicht ausreichend gereinigt sind und bereits nach kurzer Zeit die Mundhöhle wieder verlassen. Unter den Qualitätsimplantaten sind diejenigen die besten, die über eine sogenannte konische Verbindung verfügen.

Weiterhin ist die Implantologie für Zahnärzte ein reizvolles Behandlungsspektrum, das viele gerne anbieten möchten. Jede Woche entstehen neue Spezialisten für Implantologie, aber nicht alle haben chirurgische Ausbildung oder Erfahrung. Im Kampf um die Gunst des Patienten bieten manche auch Billigimplantate an, die zwar zunächst einheilen, aber nach kurzer Zeit wieder herausfallen. Heutzutage sollte man schon sicherstellen, dass Implantate 10 Jahre halten und dafür auch Verantwortung übernehmen.

Hat dann ein erfahrener Behandler wie Sie keine Misserfolge?

Nein, selbstverständlich gibt es bei mir auch mal Misserfolge. Das ist, auch wenn es „Gott sei Dank“ selten vorkommt, natürlich sehr bedauerlich, aber meine Patienten haben eine Garantie – das heißt, ich korrigiere das dann, auch nach Jahren noch.




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