„Die Kanaren werden die Achse der Entwicklungspolitik für Afrika“


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Außenminister Moratinos eröffnete auf Teneriffa den 1. Kongress der Internationalen Zusammenarbeit

Das Wort Solidarität war während der drei Kongresstage immer wieder zu hören, an denen sich Hilfsorganisationen, Geber- und Empfängerländer sowie nationale und internationale Firmen zum 1. Internationalen Salon der Kooperation im Messezentrum von Santa Cruz trafen. Hochkarätige Gäste, wie der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos Cuyaubé, der Präsident den Internationalen Roten Kreuzes Juan Manuel Suárez del Toro, der Staatsminister des Senegal, Landing Savane und hohe politische Vertreter verschiedener afrikanischer Staaten sowie der Präsident der Kanaren, Adán Martín und Cabildo-Präsident Ricardo Melchior begrüßten während des Eröffnungsaktes die Teilnehmer der Veranstaltung und Vertreter der Medien.

Außenminister Moratinos bezeichnete das Treffen als notwendig und opportun. Diese Initiative könne die Kanaren nach seiner Überzeugung zur Achse der Entwicklungspolitik für Afrika machen. Er ließ sich auch die Gelegenheit nicht entgehen vor diesem internationalen Forum auf die enormen Anstrengungen hinzuweisen, die seine Regierung in der Entwicklungshilfe unternimmt. Er wartete mit Zahlen auf, die besagen, dass die sozialistische Regierung in den zwei Jahren ihrer Regierungszeit die Leistungen für internationale Hilfe vervielfacht und diplomatische Beziehungen mit zahlreichen afrikanischen Staaten aufgenommen hat.

Ricardo Melchior, einer der Väter dieses Kooperationssalons, sprach bei seiner Begrüßungsrede die Hoffnung aus, diese Veranstaltung jedes Jahr durchzuführen und zwar in den Jahren mit den „geraden“ Zahlen auf Teneriffa und in den „ungeraden“ in einem afrikanischen Land. So soll der 2. Internationale Salon der Kooperation im nächsten Jahr in Dakar, der Hauptstadt Senegals, stattfinden.

Adán Martín, Präsident der kanarischen Regierung wies ebenfalls auf die enormen Anstrengungen hin, die seine Regierung in Sachen Enwicklungshilfe für die afrikanischen Nachbarn unternimmt.

Der Präsident des Internationalen Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes Juan Manuel Suárez del Toro sprach nicht von Verdiensten und Anstrengungen sondern schilderte die unglaubliche Armut in vielen Ländern Afrikas, wo die Menschen vom Hungerstod bedroht sind. „Die schweigenden Katastrophen sind der Grund für die Verzweiflung von Millionen Menschen“, rief er den Zuhörern zu.

Für den Hunger auf der Welt gibt es Lösungen

Dieser Meinung sind zumindest die Experten, die an der Diskussionsrunde teilnahmen, die unter dem Titel „ Hunger und Armut beseitigen“ stand.

Vertreter der Regierung Venezuelas wiesen darauf hin, wie in relativ kurzer Zeit beispielsweise in Chile, Malaysia oder China die absolute Armut gemildert werden konnte. Armut sei jedoch nicht nur Hunger, sondern soziale Ungleichheit und Machtlosigkeit, führte der Präsident der Union für die Angelegenheiten mit Ländern Afrikas, der Karibik und des Pazifiks, ACP, Miguel Armado aus.

„Die Staaten, die Hilfe von der Kooperation erhalten, müssen trotzdem Herren ihrer eigenen Entwicklung bleiben“, rief er den Gästen zu.

Der Samen ist ausgesät

Dieses geflügelte Wort benutzte der Staatspräsident des Senegal bei seiner Abschiedsrede. Doch müsse man ihn hegen, pflegen und bewässern, damit er nicht verschwindet sondern wächst, blüht und sich vermehrt. Er hoffe, den nächsten Kongress in seinem Land zu begrüßen und dort weiter zu säen.

Zum Abschluss des 1. Salons für Kooperation wurde von allen teilnehmenden Institutionen die Deklaration von Teneriffa unterzeichnet.

Bedauerliche Organisationsmängel

Leider waren erhebliche Organisationsmängel bei der dreitägigen Veranstaltung zu beklagen, die größtenteils darauf zurückzuführen sind, dass diese kaum in der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden.

Die zahlreichen, mit viel Liebe und Einfallsreichtum aufgebauten Informationsstände von Hilfsorganisationen und Dienstleistungsunternehmen im Innern des Messezentrums sind praktisch nur von den Kongressteilnehmern besucht worden, da es so gut wie keine öffentlichen Hinweise gab. Verschiedene Referate internationaler Experten fanden aus demselben Grund fast ohne Publikum statt.

Senioren als Statisten

Wie eine hiesige spanische Tageszeitung moniert, wurden am letzten Kongresstag mehrere Seniorengruppen in Bussen zum Kongresszentrum gebracht, um den Saal wenigstens zum Teil mit Publikum zu füllen und den Ausstellern einige Besucher zuzuführen. Wohl nicht zu Unrecht kritisiert die Zeitung die „Schlitzohrigkeit“ der Inselpolitiker, Senioren als Marionetten zu benutzen um ihre offensichtlichen Organisationsfehler zu kaschieren.

Deklaration von Teneriffa

Die Deklaration von Teneriffa, die beim Schlussakt des 1. Internationalen Salons für Kooperation verabschiedet wurde, bezeichnet diesen als Initiative der Nationalen und kanarischen Regierung sowie des Cabildos von Teneriffa um die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung der Staaten Westafrikas zu fördern.

1. Auf den Kanaren den ständigen Sitz der Kooperation Nord-Süd einzurichten.

2. Eine Aktionseinheit zwischen Spanien und den kanarischen Institutionen zu bilden, um die Entwicklung der westafrikanischen Regionen zu fördern.

3. Das Wirtschaftswachstum zu fördern durch die Schaffung eines gemeinsamen kanarisch-afrikanischen Wirtschafts- und Unternehmensnetzes.

4. Landwirtschaft und Viehzucht zu entwickeln um die Basis für die Ernährung zu sichern.

5. Die afrikanischen Länder in die Informationsgesellschaft einzubinden.

6. Die Kanaren zur logistischen Basis für Afrika zu machen.

7. Afrika durch politisch vernünftige Investitionen zum Wachstum zu verhelfen.

8. Die Gesellschaft durch Bildung und Wissen zur Demokratie zu führen.

9. Durch aktive Politik zur Gleichheit der Geschlechter beizutragen.

10. Die Länder Afrikas in die internationalen Forschungsnetze aufzunehmen.




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